Künstler der Metropolregion Auszeichnung für vier geschickte Hände

Die Keramiker Sigrun Wassermann und Klaus Dorrmann sind Künstler der Metropolregion Nürnberg im Monat März.

Sie entwickeln und gestalten solo und im Duett: Sigrun Wassermann und Klaus Dorrmann. Foto: /Simon Wassermann

„Wir arbeiten Hand in Hand – im wörtlichen Sinne“ sagt Klaus Dorrmann. Seit 22 Jahren sind er und seine Frau Sigrun Wasser- mann nicht nur privat ein Paar: Auch in ihrer Keramikwerkstatt in der alten Schule in Wohlbach bei Ahorn trennt keine dicke Stahltür ihre beiden Reiche. Jeder hat seinen Stil, seine Handschrift, seine Ideen. Manche setzen sie solo um, andere im Duett für vier Hände. Oftmals übernimmt dann Sigrun Wassermann die Formgebung, während ihr Mann neue Glasuren austüftelt: „Wir sind immer am Suchen, Ausloten und Probieren.“

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Als Team wird das Künstlerpaar nun auch geehrt: Das Kulturforum der Metropolregion Nürnberg hat sie zu Künstlern des Monats März 2022 gekürt. Dotiert ist diese Auszeichnung zwar nicht, doch eine wichtige Anerkennung für zwei renommierte und erfahrene Künstler, die außerhalb der Region bislang womöglich mehr Aufmerksamkeit genießen als in der Heimat: „Wir sind in den Museen Europas vertreten und in vielen Rathäusern, aber nicht in Coburg“, merkt Klaus Dorrmann an.

Im Europäischen Museum für Modernes Glas in Rödental finden sich freilich Arbeiten der beiden, denn Museumsleiter Dr. Sven Hauschke, Direktor der Kunstsammlungen der Veste, weiß ihr handwerkliches und künstlerisches Niveau zu schätzen. „Es gibt nichts, was sie nicht liefern könnten. Das findet man sonst kaum noch!“, betont der Experte, der die Laudatio bei der Übergabe der Urkunde am Donnerstag halten wird. Während viele Werkstätten in den vergangenen Jahren aufgeben mussten, bewährten sich Sigrun Wassermann und Klaus Dorrmann dank ihrer Vielseitigkeit als frankenweit einzigartige „Stammhalter“, die sowohl künstlerische Unikate als auch Gebrauchskeramik von hoher Qualität fertigen.

Sigrun Wassermann studierte in ihrer Geburtsstadt Kiel an der Fachhochschule für Gestaltung bei Prof. Johannes Gebhardt und arbeitete längere Zeit in Frankreich, bevor sie im Jahr 2000 ins Coburger Land zog. Die 59-Jährige ist auf große, „gestrickte“ Gefäßskulpturen spezialisiert, bei der die Keramiken aus unzähligen Tonsträngen Schicht für Schicht aufgebaut werden. Diese Technik gehört zu den ältesten keramischen Gestaltungsweisen überhaupt und ermöglicht eine große Vielfalt an Formen und Gefäßsilhouetten.

Der gebürtige Bamberger Klaus Dorrmann hat bei den legendären Keramikern Wilhelm und Elly Kuch in Burgthann gelernt und 1990 seinen Meister gemacht. Seitdem tritt er vor allem mit freien keramischen Arbeiten wie Gefäßen, Unikaten und architekturbezogenen Objekten hervor. Dabei strukturiert und färbt er weiche Steinzeugplatten mit farbigen Porzellanen, die ihm als Bauteile für seine Gefäßkörper dienen.

Darüber hinaus arbeiten beide an der Drehscheibe und fertigen Gebrauchskeramiken mit dem „gewissen Etwas“. Nicht nur bei diesen Gemeinschaftsobjekten steht ihnen ein schier unerschöpflicher Vorrat an Glasurvarianten zur Verfügung. Neben den charakteristischen Formen sind es vor allem die intensiv farbigen Glasuren, die den besonderen Reiz der oft großen Objekte ausmachen. Auch ihre Kunst am Bau profitiert von dem Reservoir an farbigen Glasuren und der großen Bandbreite an verwendeten Keramikarten wie Steinzeug, Feinsteinzeug und Porzellan.

Die Werke von Sigrun Wassermann und Klaus Dorrmann wurden mehrfach prämiert. So erhielt ihr zertifizierter und in 200 Farben lieferbarer Pflasterstein zweimal den Designpreis des oberfränkischen Handwerks. Neben diesem „Dauerbrenner“ sorgen Spezialaufträge und Entwurfsarbeiten dafür, dass das Keramikerduo gut zu tun“ hat, wie Dorrmann verrät. Sorgen bereitet ihm allerdings der rapide Anstieg der Energiepreise, der sich nicht nur bei der Arbeit am Gasofen bemerkbar macht: Auch Rohstoffe wie Kobalt oder Lithium werden zusehends teurer - und selbst das Grundmaterial Ton: „Die Zulieferindustrie für Keramiker ist sehr energieintensiv“, erklärt Dorrmann. Ausstellungsmöglichkeiten gab es für die Künstler in den vergangenen zwei Corona-Jahren nicht, doch sie hoffen, dass sich die Szene allmählich wieder belebt. Der Kontakt zu Fans und Kunden ist dennoch nicht ganz abgebrochen – dank der kleinen Laden-Galerie in der Coburger Ketschengasse: „Sie hat sich etabliert und es macht Spaß!“.