Küps Neues Leben in alten Mauern

Christian Ebertsch
Die Sanierungsarbeiten am Oberen Schloss in Küps sind auf der Zielgeraden. Foto: Christian Ebertsch

Die Sanierungsmaßnahmen am Oberen Schloss stehen kurz vor ihrer Vollendung. Ermöglicht wurden sie durch eine großzügige Förderung.

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it einer Investitionssumme von rund 1,8 Millionen Euro hat die Sanierung der Remise des Oberen Schlosses in Küps eine Sonderstellung bei den gemeindlichen Projekten der Förderoffensive Nordostbayern eingenommen. Mit einer Spitzenförderung von 90 Prozent durch das Amt für Ländliche Entwicklung konnte der vorher mehrere Jahre leer stehende Anbau, zusammen mit einem im Haupthaus liegenden Kreuzgewölbesaal und historischen Gewölbegängen, für eine öffentliche Nutzung saniert und hergerichtet werden. Die Arbeiten wurden innerhalb des Kostenrahmens zum Abschluss gebracht. Nunmehr sollen die Räumlichkeiten einer musealen Nutzung zugeführt geführt. Das Konzept wurde in der vergangenen Sitzung des Marktgemeinderats vorgestellt. Im Anschluss wird das Haupthaus im Inneren durch die neue Schlossherrin Anna-Helen Feulner saniert und soll weiterhin Wohnzwecken dienen.

Nachdem bereits im Jahr 2019 Abbruch- und Entkernungsarbeiten an der Remise vorgenommen wurden, bei der unter anderem Grundmauern aus mittelalterlicher Zeit dokumentiert werden konnten, kam die Sanierung stets gut voran. Viele Wochen nahmen umfangreiche Zimmererarbeiten am Dachstuhl und im Bereich der historischen Fachwerkwände in Anspruch. Schließlich sollte möglichst viel der alten Substanz erhalten und anderes originalgetreu nachgebaut werden. Auch die Stabilisierung der Böden und Balken des Obergeschosses mit dem Einbau stabilisierender Stahlträger gehören zum Aufgabenportfolio der Zimmerer, die unaufhörlich an diesem Großprojekt arbeiteten. Das Meisterwerk ist allerdings die zu ersetzende Säule, die nach historischem Vorbild der beiden vorhandenen Säulen gefertigt wurde. Die Eigentümerin des Schlosses fertigte hierzu selbst und in Eigenregie die eingelassene Platte mit ihren Initialen und denen des Marktes Küps sowie dem Sanierungsjahr 2021. Pate für diese Platte stand das 300 Jahre alte historische Vorbild aus dem Jahr 1721, welches in der mittleren Säule auf die Erbauung der Remise hinweist.

Nun ist das Schloss mit Remise zu einem wahren Schmuckkästchen geworden. Besonders herauszustellen in diesem Zusammenhang ist, dass die Sanierung der Haupt- und Westfassade des Schlossgebäudes erst durch eine mehr als großzügige Spende der Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim in Höhe von 14 000 Euro durchgeführt werden konnte, denn diese Sanierungsarbeiten waren nicht Gegenstand des Förderprojekts. Daher war es ein wahrer Glücksfall für Gemeinde und Schlosseigentümerin, als Bankdirektor Heiko Joachim Bernardo den großzügigen Einsatz seines Bankhauses signalisierte. Dies sei nicht selbstverständlich, freute sich Bürgermeister Bernd Rebhan.

Auch die Außenanlagen sind größtenteils bereits angelegt. Neben den der Trockenheit trotzenden Lavendelanpflanzungen wollten Eigentümerin und Markt Küps auch hier der Historie des Objekts Rechnung tragen. Als neuer und erster Hausbaum wurde im Frühjahr ein Apfelbaum, nämlich ein „Weißer Matapfel“ gesetzt, eine sehr alte, in Süddeutschland verbreitete Sorte die bereits um die Erbauungszeit des Oberen Schlosses im 17. Jahrhundert bekannt war. Auch bei der Wahl der Rosen wurde diesem Anspruch Rechnung getragen: alle drei Rosenbüsche sind alte, vor 1600 belegte Sorten. An ihnen hätten also auch die Bauherren von Schloss und Remise bereits schnuppern können.

Und das Innenleben? Das bereits erwähnte, von Thomas Liebert gemeinsam mit der Verwaltung erarbeitete Museumskonzept widmet sich dem Thema der Reichsritterschaft. Die Schlössergemeinde Küps wird wie nur wenige Orte bis heute durch die Vergangenheit als Sitz verschiedener Adelsfamilien geprägt, die über Jahrhunderte dem Kanton Gebürg der fränkischen Reichsritterschaft angehörten. Einer dieser Familiensitze war das Obere Schloss. Das Anwesen ist somit das wohl größte Exponat des geplanten Museums. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fanden umfangreiche Feuchtbodengrabungen im Ortsteil Tüschnitz statt, die jede Menge archäologisches Fundmaterial wie auch Erkenntnisse zur Entstehung und Baugeschichte der dort im Ortszentrum gelegenen Wasserburg zu Tage förderten. Sie wurden im Rahmen einer Doktorarbeit ausgewertet.

Im Rahmen der nun abgeschlossenen Sanierung fanden zudem baubegleitende archäologische Untersuchungen statt, die ihrerseits weiteres Fundmaterial und umfangreiche Befunde zur Baugeschichte dieses Schlosses ans Tageslicht brachten. Beide Objekte, die Wasserburg Tüschnitz und das Obere Schloss, waren lange Zeit im Besitz der Familien von Redwitz und von Künsberg. Beide Familien waren fester Bestandteil der fränkischen Reichsritterschaft des Kantons Gebürg. Mit dem geplanten Museum soll auf Basis der archäologischen Funde, Befunde und Fundstellen die nur wenigen Menschen bekannte Thematik der fränkischen Reichsritterschaft am Beispiel der vor Ort ansässigen Adelsfamilien vorgestellt werden. Die Institution der Reichsritterschaft ist ein Spezifikum insbesondere des fränkischen Raumes und kann der Öffentlichkeit nun mit dem geplanten Museum geradezu als Alleinstellungsmerkmal für Franken zugänglich gemacht werden. Bild- und weiteres Quellenmaterial treten als weitere Informationsmöglichkeiten hinzu. Raum für Sonderausstellungen, Vorträge wie sonstige Veranstaltungen ist in den Erdgeschossbereichen des Museums vorgesehen. Insbesondere Sonderausstellungen zu verschiedensten Themen, wie zum Beispiel die Porzellanherstellung in Küps, sollen dazu beitragen, die Attraktivität des Museums zu erhöhen und Publikum wiederholt zu dessen Besuch zu animieren. Dank des vorhandenen Platzangebotes ist es möglich, diese Sonderthemen ebenso attraktiv zu präsentieren.

 

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