Er liebe es, wie man in diesem Land leben und arbeiten könne, sagt Fliess, als er die Silberne Lola für "Gelbe Briefe" entgegennimmt. "Wir sind frei. Ich kann zum Beispiel in der Gegenwart des Kulturstaatsministers mein Befremden und meine Fassungslosigkeit über die Vorgänge um den Buchhandlungspreis äußern, ohne dass ich Sanktionen fürchten muss." Daraufhin wird applaudiert.
Gewarnt wird an dem Abend etwa vor der AfD, zum Beispiel von Akademiechef Florian Gallenberger. Auch Moderator Christian Friedel wird deutlich und erklärt, er schaue sehr besorgt auf seine Geburtsstadt Magdeburg und die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Er bemerkt: "Wer schon einmal blau war, der weiß, wie scheiße man sich am nächsten Morgen fühlt."
Mit viel Gesang führt Friedel durch den Abend, der wegen eines Technikproblems vorübergehend unterbrochen wird. Da stehen manche dann bei sommerlicher Abendwärme rauchend vor dem Gebäude. Solche Abende können lang werden, viele Preise und viele Reden.
Regisseur Leander Haußmann sorgt mit seiner Laudatio bei manchen Zuschauern für Irritationen, etwa als er den Namen des Regisseurs İlker Çatak falsch ausspricht und den Moment kommentiert ("Die Angst des Deutschen vor dem Aussprechen türkischer Namen"). Çatak hatte mit seinem Film "Gelbe Briefe" im Februar den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen, als erster deutscher Regisseur seit mehr als 20 Jahren.
Persönlicher Moment mit Senta Berger
Besonders persönlich wird es, als Senta Berger ausgezeichnet wird. Die Schauspielerin erhält einen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin in der Buchverfilmung "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ihres Sohnes Simon Verhoeven. Die Tragikomödie gewinnt die Lola in Bronze. Verhoeven ist es auch, der seine Mutter auf der Bühne würdigt und ihr einen Kuss gibt. "Wenn man mit seiner Mutter einen Film dreht, so führt das natürlich dazu, dass man als Regisseur am Set ständig "Mama" sagt. Was nicht unbedingt ideal ist oder autoritätsfördernd, aber in diesem Fall war es ganz wunderbar."
Bleiben wird vom Filmpreis nun auch eines, nämlich die Frage, die Wenders gestellt hat. Zur Debatte um seine umstrittene Filmszene sagt er, er wünsche sich eine Diskussion der Deutschen Filmakademie zum Thema, besonders mit jüngeren Leuten. "Ich möchte es nicht alleine tragen." Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der "euch alle" betreffe. "Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich. Ich möchte es diskutieren und ich möchte da nicht alleine bleiben."