Bayreuth/Nürnberg - Gustl Mollath (60) war vor vier Jahren wohl der bekannteste Psychiatrie-Patient Deutschlands. Er hatte behauptet, er sei zu Unrecht in der geschlossenen Abteilung der Forensik. Er hatte behauptet, nur eine Intrige seiner Ex-Frau Petra M. habe ihn hinter Gitter gebracht. Weiter hatte er behauptet, ihr sei das nur gelungen, weil sie Teil eines Systems war, in dem eine der größten "Schwarzgeldverschiebungen" stattgefunden habe. Belegen konnte er seine Behauptungen bis heute nicht. Die Beweise, die er angeblich bei der französischen Journalistin und Nazijägerin Beate Klarsfeld in Paris deponiert haben wollte, gab es nicht.

Dies hatte sie unserer Zeitung auf Anfrage bestätigt. Seine Behauptungen stützte Mollath allein auf einige Faxe von Schweizer Banken, die an der Privatadresse des damaligen Ehepaares ankamen - und von denen er nicht wusste, was sie bedeuteten. Nur Petra M. wusste, was sich wirklich hinter den wenigen Transaktionen auf Konten wie "Pythagoras", "Klavier 2285" oder "Seligenstadt 2986" verbarg. Es waren Überweisungen unter Privatleuten, von denen der eine Bargeld hatte, das der andere brauchte. So nahm der eine das Bare und überwies dem anderen den Betrag in der Schweiz. Vorbei an deutschen Finanzämtern. Es handelte sich um einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Diese Recherchen unserer Zeitung hatte Petra M. bestätigt, mit der Bitte, sie erst nach ihrem Tode zu veröffentlichen. Während Mollath eine publikumswirksame Geschichte von einer Verschwörung erzählte, die bis in die Spitzenämter von Banken, Justiz und Psychiatrie reichen sollte, erzählte Petra M. eine ruhigere Variante des Falles Mollath. Ihre Geschichte war die eines Ehepaares, das sich zerstritten hatte. Es war die Geschichte eines Ehemannes, der sie verprügelte. Mollaths Fall wurde nach seiner Freilassung vor dem Regensburger Landgericht erneut aufgerollt, und auch dort glauben die Richter der Version der Ehefrau und schloss eine Wahnkrankheit Mollaths nicht aus. Ihre Geschichte war die eines Ehemannes, der sein Leben nicht mehr meistern konnte, der sich zu Hause einschloss, hochgradig eifersüchtig war, sehr viele teils verwirrte Briefe schrieb und ihr nach der Trennung nachstellte. Der trotz hoher Erbschaften und eines Reifenhandels immer in finanziellen Schwierigkeiten war, aus denen sie ihm während ihrer Ehe geholfen hatte. Schon vor der Scheidung hatte sie eine Zwangsversteigerung seines Hauses im Nürnberger Ortsteil Erlenstegen in die Wege geleitet, das sie dann selbst ersteigerte. Auch die Ferraris, die Mollath restauriert hatte, kamen wegen der Schulden unter den Hammer. Die Überweisungen, Steuerbelege und Urteile in diesem Zusammenhang stellte Petra M. dem "Kurier" zur Verfügung.