Bad Steben – Es ist ein seltsamer Anblick, den man sonst allenfalls aus Kirchen kennt: Eine Reihe Erwachsener kniet mit gesenkten Häupter nieder. Doch was nun folgt, findet nur in Ballonfahrerkreisen statt, wie am Wochenende im Rahmen des 11. Bad Stebener Heißluftballon-Festivals: Nach einer kurzen Ansprache führt jeweils einer der Umherstehenden ein brennendes Feuerzeug an die Haare der Niederknieenden. Einige wenige Haare werden angesengt.
Doch bevor bei den Frauen und Männern weitere Haare verschmoren können, schäumt es schon auf dem Kopf, denn ein anderes Mitglied des Piloten-Teams löscht die Flamme mit Sekt aus einer Flasche. Im wahrsten Sinne des Wort eine Feuertaufe, wie sie jeder erlebt, der das erste Mal in seinem Leben Ballon gefahren ist. Zum Brauchtum gehört es aber auch, dem frisch Getauften einen adeligen Namen zu verleihen. Und so darf – und so muss – sich beispielsweise Horst Kaschel aus Rehau jedem anderen Ballonfahrer künftig vorstellen als „Graf Horst, begeisterter Ballonfahrer zur Ballonfahrt an seinem Geburtstag, über die Felder und Wälder Thüringens zur stehenden Landung bei Künsdorf“. Wie alle anderen Getauften wird auch er ermahnt, künftig nie mehr vom „Fliegen“ zu sprechen, wenn vom Ballonfahren die Rede ist.

Während am Samstagabend über 5000 begeisterte Festival-Besucher den Start der Himmelsgiganten verfolgt hatten, fanden sich beim nächsten Massenstart am folgenden Morgen nur einige Dutzend Zuschauer ein, denn die Ballons mussten bereits kurz vor 7 Uhr starten. Was viele Schaulustige nicht wissen: Ballonfahrten sind im Sommer nur früh und abends möglich, weil tagsüber die Thermik – die warmen Aufwinde – vorherrschen, auf die zwar die Segelflieger angewiesen sind, die aber Ballonstarts unmöglich machen. Somit ist im Sommer die Fahrzeit für Ballon-Piloten beschränkt auf eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang bis zwei Stunden danach sowie am Abend von zwei Stunden vor Sonnenuntergang bis zwei Stunden danach.