Länderspiegel Gleusdorf im Fadenkreuz des Tatort-Filmteams

Der Franken-"Tatort" 2021 soll in Bamberg und Umgebung gedreht werden. Als Drehort ist auch die Seniorenresidenz im Gespräch, die derzeit einen Krimi der ganz anderen Art aufarbeitet.

Gleusdorf/München - Die Aufarbeitung ungeklärter Todesfälle in der früheren Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf neigt sich dem Ende zu. Vor dem Landgericht Bamberg müssen sich derzeit noch die frühere Heimleitung, Pflegedienstleitung und ein Mediziner wegen Totschlags durch Unterlassen verantworten. Inzwischen ist absehbar, dass von den schweren Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter wohl nur wenig übrig bleibt. Von dem Urteil, das voraussichtlich schon im März gesprochen werden soll, versprechen sich wohl alle Beteiligten nach den rund vier Jahren andauernden Ermittlungen um verstorbene Verwandte, widersprüchliche Zeugenaussagen und bundesweite mediale Aufmerksamkeit vor allem eines: endlich mit der bewegten Vergangenheit abschließen zu können. Eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks (BR) bei dem neuen Betreiber rückt den Schlossbau nun jedoch erneut in den Fokus: Schloss Gleusdorf könnte als Kulisse für den nächsten Franken-"Tatort" herhalten.

"Tatort" in Bamberg

Bereits 2016 kamen Dagmar Manzel als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn und Fabian Hinrichs als Hauptkommissar Felix Voss in Bamberg zum Einsatz. In dem im April 2017 ausgestrahlten dritten Franken-"Tatort" mit dem Titel "Am Ende geht man nackt" ging es um einen Todesfall in einer Flüchtlingsunterkunft. Eine Frau aus Kamerun kommt darin bei einem Brandanschlag auf die Einrichtung ums Leben. Als Kulisse diente damals auch die ehemalige Kaserne des US-Militärs in der Domstadt, die derzeit als Aufnahme- und Rückführungseinrichtung für rund 1400 Flüchtlinge genutzt wird. Der Bayerische Rundfunk gab jüngst bekannt, dass 2020 auch Franken-"Tatort" Nummer sieben in Bamberg gedreht werden soll.

Eine Sprecherin des BR bestätigt auf Anfrage Informationen unserer Redaktion: Der siebte Tatort aus Franken soll im März 2020 in Bamberg und Umgebung gedreht werden. Die beauftragte Produktionsfirma habe dafür verschiedene Motive in und um die Domstadt besichtigt - unter anderem auch das Schloss Gleusdorf im Kreis Haßberge, heißt es in der Stellungnahme. Allerdings seien die Suche nach geeigneten Motiven und deren Auswahl noch nicht abgeschlossen, folglich könne man noch keine endgültige Auskunft geben.

Dass in dem "Tatort", der 2021 ausgestrahlt werden soll, die Todesfälle in der Pflegeeinrichtung aufgegriffen werden, verneint die Sprecherin jedoch. In Bamberg soll unter dem Arbeitstitel "Wo ist Mike?" die fiktive Geschichte um ein auf rätselhafte Weise verschwundenes Kind erzählt werden - und natürlich zuvor auch gedreht. Wie genau dabei das Rokoko-Schloss aus dem Ortsteil der Haßberg-Gemeinde Untermerzbach als Drehort dienen könnte, ist laut BR ebenfalls noch unklar. Zum Start der Dreharbeiten im März sollen weitere Informationen folgen.

Dass der Drehstart vielleicht auch in Gleusdorf in die aufwühlende Zeit der Urteilsverkündung am Landgericht Bamberg fallen könnte, scheint auch die Geschäftsführung des neuen Betreibers nicht zu stören. "Das ist alles hochgradig eventuell", sagt Thomas Oertner, Geschäftsführer der MCC Beteiligungs AG für Deutschland und Österreich auf Anfrage. Die Besichtigung des Filmteams in Gleusdorf bestätigt Oertner jedoch.

Die MCC-Gruppe hat das Pflegeheim in Gleusdorf seit dem 1. Dezember offiziell übernommen. Als Ziel für die Einrichtung in Gleusdorf hatten Oertner und auch MCC-Gründer Martin von Endredy jedoch zur Zeit der Übernahme der Seniorenresidenz klar umrissen: Mit dem Neustart soll wieder Ruhe vor allem für die Bewohner, Angehörige und die in Gleusdorf angestellten Mitarbeiter einkehren. Um die belastete Vergangenheit zumindest teilweise abzustreifen, hatte die MCC-Gruppe auch den Namen in "MCC Haus im Park" geändert. Einen Hinweis, wie der Dreh eines Krimis als Maßnahme in diese Zielsetzung passt, gibt Oertner im kurzen Gespräch mit unserer Redaktion: "Manchmal ist es besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen und nach vorn zu blicken."

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