Bastimentos (Panama) - Während es in meiner alten Heimat ja auch nicht gerade nach weißen Weihnachten aussieht, so kann ich nur sagen: Auf der Isla Bastimentos noch viel weniger. Morgens um 7 Uhr hat es bereits 26 Grad. Aber dafür sind die Häuser und Restaurants mit jeder Menge zum Teil äußerst kitschiger Weihnachts-Deko geschmückt. Mein erstes Weihnachtsfest so fern allem Gewohnten rollt auf mich zu.
Auch wenn ich allein - beziehungsweise mit Leo - unterwegs bin, werde ich Heiligabend eine bunte Truppe um mich herum haben. Chris, mein Vermieter, und seine Frau Dami bereiten ein Buffet für alle Gäste vor, die über Weihnachten auf der Insel gestrandet sind. Schweizer, Holländer, Österreicher und Deutsche werden beisammen sitzen. Sie haben sich über die Feiertage in Tiotoms Guesthouse einquartiert.
Weihnachtsgeschenke gibt es in diesem Jahr keine. Obwohl: Ich habe ja jede Menge Geschenke bekommen, die mich auf meiner Reise begleiten. Leider hat das von meinem Patenkind Shirley selbstgemachte Freundschaftsbändchen bereits nach der dritten Dusche seinen Dienst versagt. Da es nicht mehr um mein Handgelenk passt, habe ich es kurzerhand Leo, meinen Plüsch-Begleiter, fest um den Hals gezurrt. Da verbindet es nun uns drei. Sehr gefreut habe ich mich über das Buff-Tuch - ein nahtloser, multifunktionaler Schlauch aus Stoff -, das ich ebenfalls von Shirley bekommen habe. Ob den Hals in den furchtbar heruntergekühlten Bussen zu schützen oder eben mal die Haare nach oben zu zwirbeln - ein Tuch für wirklich alle Fälle. Zusammen mit vielen anderen kleinen Dingen habe ich meinen kleinen Gabentisch auf der Veranda aufgebaut.
Zwei Weihnachtssterne habe ich in meinem Bungalow mit Reißzwecken an die Holzwand gepinnt. Einer ist von meiner Mama, den anderen hat Oskar für mich gebastelt. Er ist der Sohn meiner Kollegin Brigitte, die mir erklärt hat, dass Oskar extra für mich die Farbe Rosa ausgewählt hat, weil ich ein Mädchen bin. Wie süß! Und Oskar kann Rosa eigentlich gar nicht leiden. Von Brigitte habe ich ein eingepacktes Geschenk gekriegt, das ich bis Heiligabend aufheben werde, damit ich wenigstens ein Geschenk auspacken kann.
Zwei weitere Glücksbändchen fürs Handgelenk beschützen mich auf meiner Reise. Eines ist von meinen früheren Nachbarn Uli und Rainer - da hatte ich noch ein Heim in Marktredwitz -, ein weiteres von Linda und Mark, guten Freunden, die auch so reiselustig sind wie ich. Von meinem Mädels-Stammtisch habe ich zwei Sticks bekommen, die es in sich haben. Nicht nur ein Foto, damit ich sie auf Reisen nicht vergesse - wie könnte ich! -, sondern zwei fette Hörbücher sind hier draufgeladen und eine Menge Musik. Somit beginnt für mich eine neue Ära des Lesens - pardon: Hörens. Die süßen Glücksbringer der Mädels sind schon lange verspeist.
Den Schutzengel meiner Mama habe ich ebenso im Gepäck wie die Wunderkerzen von ihr, die ich zu Silvester - da feiere ich meinen Geburtstag erstmals allein in der Fremde - zünden werde. Dabei denke ich an meine Familie und all meine lieben Freunde - und natürlich immer nur an Chap. Denn der hat mir immer um Mitternacht vom 30. auf den 31. Dezember ein wunderbares Feuerwerk im Garten beschert, das jedes Mal alle Nachbarn hat senkrecht im Bett stehen lassen. Nach einigen Jahren hatten auch die sich dran gewöhnt. Dazu gab es stets eine eisgekühlte Flasche Champagner.
Wenn dann meine Tränen nicht mehr aufhören zu fließen, greife ich zu der Packung Taschentücher, die mir meine Schwester Carmen geschenkt hat. Es sind "Merry Christmas"-Taschentücher, die ich hoffentlich bei meiner Weihnacht ohne Familie und ohne meinen geliebten Chap nicht komplett aufbrauchen werde. Dazu hat mir Carmen einen Flügel aus Speckstein geschnitzt, der mich beschützen soll. Und riesig gefreut habe ich mich über ihren selbst gebatikten Schal. Die Farbe Gelb soll für die Sonne und Sterne stehen, die Farbe Pink - meine Lieblingsfarbe - dafür, dass auch wieder einmal rosige Zeiten für mich kommen mögen. Und natürlich Chaps Lieblingsfarbe: Schwarz. Das Weltenbummler-Lesezeichen hat sich bereits als wertvolles Utensil bewährt.
Und dann habe ich noch einige Abschiedskarten mit dabei. In einer lag ein Foto, das Chap und mich bei einem runden Geburtstag meiner Freundin Kerstin zeigt. Das steht jetzt in meinem Bungalow. Ein Anhänger erinnert mich an unsere wunderbaren Freunde Sonija und Stanko, die mir in den schweren Stunden so oft beigestanden haben. Von ihnen haben Chap und ich vor einigen Jahren schon Leo geschenkt bekommen, das kleine Plüsch-Zebra, das mich auf der Reise begleitet.
Ein weiterer Anhänger ist das Geschenk meiner Masseurin Dani. In dem Amulett ist ein sehr schönes Foto von meinem Chap eingestanzt, auf der Rückseite eines von meinem Lieblingshund Müsli, der mir über viele Stunden tröstend zur Seite gestanden ist. Fünf Wochen vor meiner Abreise aus Deutschland ist auch das liebe Tier nach einer schweren Krankheit gestorben. Das Jahr 2014 ist für mich absolut das schlimmste, was mir je passieren konnte.
Das größte Geschenk konnte ich allerdings nicht mit nach Lateinamerika nehmen. Es war die große Überraschungs-Party bei Stanko, die Ela, die Mutter meines Patenkindes, organisiert hat. Danke, dass Ihr alle gekommen seid. Noch jetzt laufen mir Tränen der Rührung übers Gesicht, wenn ich an die schönen Stunden zurückdenke. Vor allem habe ich mich riesig gefreut, dass meine Freundin Gabi aus Berlin angereist ist. Mit ihr und ihrem Partner Michael haben Chap und ich viele geniale Geschichten erlebt.
Somit wird mein Gabentisch an Weihnachten also reichlich gedeckt sein - mit vielen lieben und wundervollen Erinnerungen. Materielle Dinge - und darum geht es ja den meisten rund ums Weihnachtsfest - verlieren in schweren Zeiten ihren Wert. Das einzige, was wirklich zählt, ist die Zeit, die man miteinander verbringt. Denn das kann einem niemand mehr nehmen. Auf diesem Wege wünschen Peggy und Leo allen in der alten Heimat ein schönes Weihnachtsfest mit ihren Lieben. Feliz navidad!
Auch wenn ich allein - beziehungsweise mit Leo - unterwegs bin, werde ich Heiligabend eine bunte Truppe um mich herum haben. Chris, mein Vermieter, und seine Frau Dami bereiten ein Buffet für alle Gäste vor, die über Weihnachten auf der Insel gestrandet sind. Schweizer, Holländer, Österreicher und Deutsche werden beisammen sitzen. Sie haben sich über die Feiertage in Tiotoms Guesthouse einquartiert.
Weihnachtsgeschenke gibt es in diesem Jahr keine. Obwohl: Ich habe ja jede Menge Geschenke bekommen, die mich auf meiner Reise begleiten. Leider hat das von meinem Patenkind Shirley selbstgemachte Freundschaftsbändchen bereits nach der dritten Dusche seinen Dienst versagt. Da es nicht mehr um mein Handgelenk passt, habe ich es kurzerhand Leo, meinen Plüsch-Begleiter, fest um den Hals gezurrt. Da verbindet es nun uns drei. Sehr gefreut habe ich mich über das Buff-Tuch - ein nahtloser, multifunktionaler Schlauch aus Stoff -, das ich ebenfalls von Shirley bekommen habe. Ob den Hals in den furchtbar heruntergekühlten Bussen zu schützen oder eben mal die Haare nach oben zu zwirbeln - ein Tuch für wirklich alle Fälle. Zusammen mit vielen anderen kleinen Dingen habe ich meinen kleinen Gabentisch auf der Veranda aufgebaut.
Zwei Weihnachtssterne habe ich in meinem Bungalow mit Reißzwecken an die Holzwand gepinnt. Einer ist von meiner Mama, den anderen hat Oskar für mich gebastelt. Er ist der Sohn meiner Kollegin Brigitte, die mir erklärt hat, dass Oskar extra für mich die Farbe Rosa ausgewählt hat, weil ich ein Mädchen bin. Wie süß! Und Oskar kann Rosa eigentlich gar nicht leiden. Von Brigitte habe ich ein eingepacktes Geschenk gekriegt, das ich bis Heiligabend aufheben werde, damit ich wenigstens ein Geschenk auspacken kann.
Zwei weitere Glücksbändchen fürs Handgelenk beschützen mich auf meiner Reise. Eines ist von meinen früheren Nachbarn Uli und Rainer - da hatte ich noch ein Heim in Marktredwitz -, ein weiteres von Linda und Mark, guten Freunden, die auch so reiselustig sind wie ich. Von meinem Mädels-Stammtisch habe ich zwei Sticks bekommen, die es in sich haben. Nicht nur ein Foto, damit ich sie auf Reisen nicht vergesse - wie könnte ich! -, sondern zwei fette Hörbücher sind hier draufgeladen und eine Menge Musik. Somit beginnt für mich eine neue Ära des Lesens - pardon: Hörens. Die süßen Glücksbringer der Mädels sind schon lange verspeist.
Den Schutzengel meiner Mama habe ich ebenso im Gepäck wie die Wunderkerzen von ihr, die ich zu Silvester - da feiere ich meinen Geburtstag erstmals allein in der Fremde - zünden werde. Dabei denke ich an meine Familie und all meine lieben Freunde - und natürlich immer nur an Chap. Denn der hat mir immer um Mitternacht vom 30. auf den 31. Dezember ein wunderbares Feuerwerk im Garten beschert, das jedes Mal alle Nachbarn hat senkrecht im Bett stehen lassen. Nach einigen Jahren hatten auch die sich dran gewöhnt. Dazu gab es stets eine eisgekühlte Flasche Champagner.
Wenn dann meine Tränen nicht mehr aufhören zu fließen, greife ich zu der Packung Taschentücher, die mir meine Schwester Carmen geschenkt hat. Es sind "Merry Christmas"-Taschentücher, die ich hoffentlich bei meiner Weihnacht ohne Familie und ohne meinen geliebten Chap nicht komplett aufbrauchen werde. Dazu hat mir Carmen einen Flügel aus Speckstein geschnitzt, der mich beschützen soll. Und riesig gefreut habe ich mich über ihren selbst gebatikten Schal. Die Farbe Gelb soll für die Sonne und Sterne stehen, die Farbe Pink - meine Lieblingsfarbe - dafür, dass auch wieder einmal rosige Zeiten für mich kommen mögen. Und natürlich Chaps Lieblingsfarbe: Schwarz. Das Weltenbummler-Lesezeichen hat sich bereits als wertvolles Utensil bewährt.
Und dann habe ich noch einige Abschiedskarten mit dabei. In einer lag ein Foto, das Chap und mich bei einem runden Geburtstag meiner Freundin Kerstin zeigt. Das steht jetzt in meinem Bungalow. Ein Anhänger erinnert mich an unsere wunderbaren Freunde Sonija und Stanko, die mir in den schweren Stunden so oft beigestanden haben. Von ihnen haben Chap und ich vor einigen Jahren schon Leo geschenkt bekommen, das kleine Plüsch-Zebra, das mich auf der Reise begleitet.
Ein weiterer Anhänger ist das Geschenk meiner Masseurin Dani. In dem Amulett ist ein sehr schönes Foto von meinem Chap eingestanzt, auf der Rückseite eines von meinem Lieblingshund Müsli, der mir über viele Stunden tröstend zur Seite gestanden ist. Fünf Wochen vor meiner Abreise aus Deutschland ist auch das liebe Tier nach einer schweren Krankheit gestorben. Das Jahr 2014 ist für mich absolut das schlimmste, was mir je passieren konnte.
Das größte Geschenk konnte ich allerdings nicht mit nach Lateinamerika nehmen. Es war die große Überraschungs-Party bei Stanko, die Ela, die Mutter meines Patenkindes, organisiert hat. Danke, dass Ihr alle gekommen seid. Noch jetzt laufen mir Tränen der Rührung übers Gesicht, wenn ich an die schönen Stunden zurückdenke. Vor allem habe ich mich riesig gefreut, dass meine Freundin Gabi aus Berlin angereist ist. Mit ihr und ihrem Partner Michael haben Chap und ich viele geniale Geschichten erlebt.
Somit wird mein Gabentisch an Weihnachten also reichlich gedeckt sein - mit vielen lieben und wundervollen Erinnerungen. Materielle Dinge - und darum geht es ja den meisten rund ums Weihnachtsfest - verlieren in schweren Zeiten ihren Wert. Das einzige, was wirklich zählt, ist die Zeit, die man miteinander verbringt. Denn das kann einem niemand mehr nehmen. Auf diesem Wege wünschen Peggy und Leo allen in der alten Heimat ein schönes Weihnachtsfest mit ihren Lieben. Feliz navidad!