Wilhelm Siemen ist ein besonnener Mann. Weder neigt er zu brachialer Rhetorik noch zu Schuldzuweisungen. Dabei hätte der Direktor des Porzellanikons allen Grund, Zeter und Mordio zu schreien: Denn wenn kein Wunder geschieht, wird das Selber Museum bald Geschichte sein - so wie die Porzellan-Industrie, deren Blütezeit das Haus eindrucksvoll dokumentiert. Wie passt das zusammen mit der Vorfreude auf die weltweit beachtete Jahrhundert-Ausstellung, die in wenigen Wochen ihre Pforten öffnen wird? Schon seit Jahren leidet das Vorzeige-Projekt Porzellanikon unter personeller Auszehrung. Die Stadt Selb, gebeutelt vom wirtschaftlichen Niedergang, vermag die Kosten für Unterhalt und Personal nicht mehr zu schultern. Die Folge: weniger Führungen, eingeschränkte Öffnungszeiten, kein Geld für die Umsetzung neuer Konzepte. Mithin verliert das Haus zunehmend an Attraktivität, was sich in Jahr für Jahr sinkenden Besucherzahlen niederschlägt.
Länderspiegel Nachlese
Redaktion 03.04.2010 - 00:00 Uhr