Wilhelm Siemen ist ein besonnener Mann. Weder neigt er zu brachialer Rhetorik noch zu Schuldzuweisungen. Dabei hätte der Direktor des Porzellanikons allen Grund, Zeter und Mordio zu schreien: Denn wenn kein Wunder geschieht, wird das Selber Museum bald Geschichte sein - so wie die Porzellan-Industrie, deren Blütezeit das Haus eindrucksvoll dokumentiert. Wie passt das zusammen mit der Vorfreude auf die weltweit beachtete Jahrhundert-Ausstellung, die in wenigen Wochen ihre Pforten öffnen wird? Schon seit Jahren leidet das Vorzeige-Projekt Porzellanikon unter personeller Auszehrung. Die Stadt Selb, gebeutelt vom wirtschaftlichen Niedergang, vermag die Kosten für Unterhalt und Personal nicht mehr zu schultern. Die Folge: weniger Führungen, eingeschränkte Öffnungszeiten, kein Geld für die Umsetzung neuer Konzepte. Mithin verliert das Haus zunehmend an Attraktivität, was sich in Jahr für Jahr sinkenden Besucherzahlen niederschlägt.