Länderspiegel So wenig Straftaten wie vor 40 Jahren

Bayern ist sicher wie seit Jahrzehnten nicht: Die Kriminalität im Freistaat hat auf einen Wert abgenommen, den es zuletzt 1979 gab. Und auch die Aufklärungsquote der Polizei ist auf einem Höchststand. Foto: Armin Weigel/dpa Quelle: Unbekannt

Bayern verzeichnet einen erneuten Rückgang der Kriminalität. Die Aufklärungsquote legt auf 65 Prozent zu. Innenminister Herrmann sieht keinen Grund zur Panik.

München - Die Kriminalitätsbelastung in Bayern ist auf den niedrigsten Wert seit 1979 gesunken. Die Zahl der 2019 registrierten Straftaten ging um weitere 4,4 Prozent auf 567 961 zurück. Das entspricht 4343 Straftaten je 100 000 Einwohner, so wenige wie zuletzt vor 40 Jahren. Nicht eingerechnet sind ausländerrechtliche Delikte, also illegale Einreisen oder Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht. Auch deren Zahl war 2019 rückläufig. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 65 Prozent. Das ist der beste Wert seit 25 Jahren. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach bei der Vorstellung der neuen Kriminalitätsstatistik von einem "phänomenalen Ergebnis".

Bayernweit am meisten sank die Kriminalitätsbelastung in Unterfranken ab. Dort lag die Häufigkeitszahl mit 3622 um fast zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Unterfranken ist damit nach Niederbayern (3515) der sicherste Bezirk im Freistaat. Um 4,3 Prozent auf 3881 sank die Häufigkeitszahl in der Oberpfalz. Herrmann führte den Rückgang der Fallzahlen vor allem auf ein klares Minus bei den Diebstahlsdelikten zurück. Am deutlichsten sank dabei die Zahl der Wohnungseinbrüche. Hier wurden 2019 noch 4342 registriert, 17,1 Prozent weniger als im Jahr davor. Es war der niedrigste Wert seit 2010. Knapp die Hälfte der Wohnungseinbrüche blieb im Versuchsstadium stecken. Rückläufig waren zudem die Zahlen bei Sachbeschädigung (minus 4,4 Prozent) und Gewaltdelikten (minus vier Prozent). Deutlich mehr Straftaten (plus 12,4 Prozent) wurden mittels Internet begangen, wobei Herrmann hier zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer ausging. Auch die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg an, und zwar um 1,6 Prozent. Die Masse der Fälle betraf den Handel und Besitz von Cannabis. Die Zahl der Rauschgifttoten stieg bayernweit um 28 auf 263 an, 22 davon sterben an Crystal Meth.

Deutlich mehr Anzeigen gingen bei der Polizei in Sachen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ein. Hauptgrund dafür war die Verbreitung von Pornografie über das Smartphone. Problematisch sei hier vor allem die oft unbedachte Weitergabe pornografischer Inhalte über Schüler-Handys, erklärte Herrmann. Um bezüglich der Strafbarkeit besser aufzuklären, sei eine bayernweite Präventionskampagne in Vorbereitung. Ansonsten blieb die Zahl von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert.

Knapp ein Fünftel aller 2019 registrierten Straftaten betraf den Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte, auch wenn deren Zahl um gut 8500 zurückging. Mehr Fälle gab es aber beim "Enkel-Trick" sowie den Betrugsversuchen mit "falschen Polizisten". Hier stieg die Zahl der angezeigten Delikte auf insgesamt 15 500, wegen der inzwischen höheren Sensibilität von Opfern und Banken sank die erbeutete Schadenssumme aber von 11,2 auf 7,4 Millionen Euro.

Bezüglich der Tatverdächtigen teilte Herrmann mit, dass der Anteil Nichtdeutscher im Durchschnitt aller Deliktsfelder mit 35,5 Prozent konstant geblieben sei. Nur ein Teil davon habe aber seinen Wohnsitz in Deutschland. Kleiner wurde die Zahl der Tatverdächtigen aus dem Bereich der Zuwanderer, zu denen Asylbewerber und Flüchtlinge gezählt werden. Deren Opfer wurden in der Mehrzahl auch wieder Zuwanderer und andere Nichtdeutsche. Auch wenn jede Straftat eine zu viel sei, gebe es wegen straffälliger Zuwanderer "keinen Grund, Panik unter der deutschen Bevölkerung zu verbreiten", betonte Herrmann. Seite 1

 

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