Der Libanon und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Die im April begonnenen Treffen in Washington sind die ersten direkten politischen Gespräche seit Jahrzehnten. Die libanesische Regierung, die keine Kriegspartei ist, will vor allem eine dauerhafte Waffenruhe durchsetzen. Israel will eine Entwaffnung der Hisbollah und strebt dauerhaft einen Friedensprozess an. Libanons Präsident Aoun hatte erst am Montag betont: "Verhandlungen sind sicherer als Krieg". Er dämpfte gleichzeitig die Hoffnung auf baldige Lösungen.
Trotz der deklarierten Waffenruhe ist der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nicht zum Stillstand gekommen. Insbesondere im Libanon kommt es immer wieder zu Toten, es werden jedoch auch immer wieder israelische Soldaten durch Hisbollah-Sprengstoffdrohnen getötet, was den Druck auf Netanjahu in Israel verstärkt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut wurden seit Ausbruch der aktuellen Eskalation Anfang März im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet.
"Ungewissheit ist zermürbend"
Innerhalb der libanesischen Gesellschaft bleibt die Skepsis indes groß. Nach Netanjahus Ankündigung vom Montagmorgen, erneut in den Beiruter Vororten angreifen zu wollen, waren Tausende Menschen im Laufe des Montags ein weiteres Mal aus dem Gebiet geflohen. Am Dienstagmorgen war zu sehen, wie viele von ihnen zurückkehrten. "Diese Ungewissheit ist zermürbend", sagte Fatima, die ebenso zurückkehrte, der Deutschen Presse-Agentur. Auf den Straßen in Richtung Dahija bildeten sich lange Staus mit vollgepackten Autos. "Israel wird sich sowieso an keine Vereinbarung halten", sagte ein anderer Rückkehrer. "Wir werden in unsere Häuser zurückkehren."