Landesbaudirektion Erster Blick auf die neue Behörde

Passivhausbauweise, energieautark und mit einer Fassade aus karbonisiertem Holz: So stellen sich die Planer die künftige Landesbaudirektion in Eberns Innenstadt vor. Foto: karlundp Gesellschaft von Architekten mbH München

Kaum ein Gebäude hat die Gemüter in Ebern schon im Vorfeld so erhitzt wie der Neubau der Landesbaudirektion an Stelle des ehemaligen Gasthofs Post. Nun stellen die Planer ihre Entwürfe vor.

Wie wird der Neubau der Landesbaudirektion am „kleinen Kreisel“ an der Ecke Bahnhofstraße/Coburger Straße wohl aussehen? Lange hatten Staatliches Bauamt und die Planer vom Münchner Architekturbüro karlundp den Eberner Stadtrat und die Öffentlichkeit auf die Folter gespannt, am Donnerstagabend gab es endlich einen ersten Blick auf den Behördenneubau. An Stelle des Gasthofs Post tritt ein moderner und vor allem ökologischer Bau in reiner Holzbauweise. 2026 soll er fertig gestellt sein – die Abrissbagger für die ehemalige Gastwirtschaft sollen indes bereits im März 2023 anrollen.

Schon im April war die Vorstellung der Pläne im Stadtratsgremium angedacht gewesen, nun hatte das Ministerium endlich Freigabe erteilt. Die Planungen hätten aber auch besonders viel Sorgfalt und Überlegungen erfordert, erklärt Martin Rohrmüller vom Staatlichen Bauamt in Schweinfurt: Schließlich habe es immer eine gewisse Vorbildfunktion, wenn der Staat selbst baut. Entsprechend verwirklicht werden wollten gewisse Kernziele, denn es gibt in Bayern mittlerweile nicht nur eine Heimatstrategie, der der Behördenstandort in Ebern überhaupt erst zu verdanken ist, sondern auch eine fürs Klima. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr, das hier als Bauherr vertreten durch das Staatliche Bauamt Schweinfurt auftritt, legt folglich bei seinen Maßnahmen großen Wert auf eine nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise, wie Martin Rohrmüller ausführt.

Energieautark und nachhaltig

Als Passivhaus soll der Neubau zum Heizen maximal 15 kWh pro Quadratmeter im Jahr benötigen. Wesentlichen Anteil an der Energiegewinnung soll die Sonneneinstrahlung über die zahlreichen Fenster haben; die restliche benötigte Energie zum Heizen soll durch eine Wärmepumpe mit einer Tiefenbohrung kommen. Für den benötigten Strom zum Betrieb der Heizung und des Gebäudes wiederum werden großflächige Photovoltaikanlagen auf dem Flachdach der Landesbaudirektion aufgestellt. „Damit ist das Gebäude zum Großteil des Jahres unabhängig von Energie aus dem Stromnetz“, so Martin Rohrmüller. Um Trinkwasser einzusparen erhält das Gebäude eine Regenwassernutzungsanlage für die Toilettenspülung und zur Bewässerung der Grünflächen.

„Biodiversitäts-Dach“

Grünflächen sollen sich vor allem auch auf dem (Flach-)Dach der Behörde befinden. Und zwar nicht nur mit Moos und Flechten, wie Architekt Daniel Jakovetic betont: Es sei vielmehr ein „Biodiversitäts-Dach“, also mit einer gezielten Auswahl an Pflanzen, die Bedeutung als Futterpflanzen für Insekten und Vögel besitzen. Zwischen den Solarmodulen werden blühende Sträucher gepflanzt, Kuhlen zur Trinkwasseraufnahme für Vögel angelegt und Habitate für Insekten errichtet.

„Seit dem Grundstückskauf wurde gemeinsam mit einem Biologen ein umfassendes Konzept zur Umsiedlung der Mehlschwalbenkolonie von der Hauswand des Gasthofes hin zur neuen Fassade der Landesbaudirektion entwickelt und realisiert“, informiert Martin Rohrmüller vom Staatlichen Bauamt. Abgestimmt habe man sich dabei mit der höheren Naturschutzbehörde; ein Fachbüro begleite die gesamte Umsiedlungsphase. Aber nicht nur die Mehlschwalben sollen an der Bahnhofstraße nach Fertigstellung des Neubaus wieder ein Zuhause in den in der Fassade integrierten Nistplätzen finden, auch Schlupflöcher für Fledermäuse wird es in der Hauswand geben und im Innenhof viel Grün für weitere Brutplätze für Vögel.

Ein Standort mit Geschichte

Zunächst aber muss das aktuell dort stehende Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden. Das historische Haus, ursprünglich Hotel „Zur Eisenbahn“, später „Gasthof Post“, hatte Jean Gall 1904 erworben und für den Fremdenverkehr ausgebaut. 1938 übernehmen Hedwig und Hans Gall: Ein erster großer Umbau erfolgt 1939, ein zweiter 1960. Von 1967 bis zum 6. Januar 2020 lag die Bewirtschaftung in den Händen von Christa und Heinz Gall. Das Ende einer Ära.

Für den Neubau an exponierter Stelle hatten kritische Stimmen in der Stadt einen „modernen Klotz“ befürchtet, ähnlich dem neuen Haßfurter Amtsgericht, wie es hieß. Dem hatte die Stadt Ebern ursprünglich vorbeugen wollen, indem sie in der im Mai 2020 verabschiedeten 5. Änderung des Bebauungsplanes Westlich der Bahnhofstraße Passagen einfügte, die eine Orientierung von Fassaden und Dachgestaltung „an die Umgebungsbebauung“ fordert, um, so wörtlich, „den Charakter im Stadtbild weitestgehend zu erhalten“. Ein Satz, der auf Einwand des Staatlichen Bauamts wieder gestrichen wurde. Begründung: Im betreffenden Bereich herrsche ohnehin „kein homogenes Stadtbild“ vor, an dem sich orientieren ließe. Nachdem Dachform und -gestaltung bereits im bestehende rechtskräftigen Bebauungsplan freigestellt sind, hoffte die Stadt zumindest für die Bauausführung durch Beteiligung bei Architekten- sowie Entwurfsauswahl Einfluss zu haben. Einen Architektenwettbewerb für die Planung des Gebäudes, wie ursprünglich angedacht, hatte das Ministerium dann aber abgelehnt.

„Identitätsstiftendes Gebäude“

Daniel Jakovetic, der Planer vom Architekturbüro karlundp, weiß, welche Bedeutung das Gebäude am gewählten Standort für die Eberner hat. Entsprechend intensiv hatte man überlegt, geht es doch schließlich um einen sichtlich zentralen Punkt in der Stadt, eine Schnittstelle zwischen Wohn-, Gewerbe- und Altstadtgebiet, prominent gelegen am Kreisverkehr. „Das Gebäude kann hier identitätsstiftend wirken“, so Jakovetic.

Gewählt habe man für den künftig dreigeschossigen Gebäudekomplex auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal eine sogenannten polygonale – also vieleckige – Form mit Innenhof. Denn, das ist die gute Nachricht, die imposante Rosskastanie soll erhalten bleiben. Von ihr sollen künftig die rund 100 Mitarbeitenden profitieren, für den Spaziergänger ist sie voraussichtlich aber kaum noch zu sehen. Höchstens durch den großzügigen und in hellem Holz gehaltenen (Haupt-)Eingangsbereich im Südwesten, der das Gebäude auflockert. Insgesamt ist es gegenüber dem jetzigen Gasthof-Bau leicht zurückgesetzt, um so mehr Gehweg freizuhalten. Auch das gegenüber liegende Faßoli-Haus erhalte so angemessenen Raum.

Bereits jetzt stehe fest, dass der Abschnitt am Kreisel „optisch deutlich aufgewertet“ werde, heißt es vom Staatlichen Bauamt. Insgesamt habe man die „Vielzahl sehr ambitionierter Anforderungen unter einen Hut gebracht“, sagt Architekt Daniel Jakotevic.

Heimatstrategie

Im Rahmen der Heimatstrategie beschloss der Ministerrat am 4. März 2015 das Konzept „Regionalisierung von Verwaltung – Behördenverlagerung 2015“. Infolgedessen wurde die Landesbaudirektion im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr am 1. Januar 2017 aus der Autobahndirektion Nordbayern ausgegliedert. Gleichzeitig wurde sie um eine Ingenieurbauabteilung erweitert, in „Landesbaudirektion Bayern“ umbenannt und ihr Dienstsitz vom Standort Nürnberg nach Ebern im Landkreis Haßberge verlagert. Seit 2017 hat die Landesbaudirektion bereits einen provisorischen Sitz in Ebern, hauptsächlich im Alten Rathaus. Die Mitarbeiter sollen „fließend“ an den neuen Standort wechseln. Im Jahr 2026 soll der Umzug dann endgültig erfolgt und der Neubau von allen rund 100 Mitarbeitenden bezogen sein.

Standort

Für den Standort waren zwei Grundstücke untersucht worden, die Wahl fiel dann statt auf das vorgeschlagene bereits bestehende Gebäude auf dem alten Kasernen-Gelände auf einen Neubau an innerstädtischem Standort. Auch hier habe man schließlich einen Leerstand (ehemaliges Kino/Delta-Markt) sowie einen drohenden/künftigen Leerstand mit der Alten Post vorgefunden, so Martin Rohrmüller vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt: „Es war vernünftig, sich für diesen Standort zu entscheiden.“ Eine anvisierte Fertigstellung 2026 sei „auch aus heutiger Sicht noch realistisch“, so Rohrmüller weiter; der Spatenstich ist für September 2024 anvisiert.

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