Landestheater Coburg Das Stück ist abgespielt – die Vision bleibt

Abschied nach acht Jahren: Eva Marianne Berger stand am Mittwoch als britische Agentin und Kaiser Wilhelm II. letztmals auf der Bühne des Landestheaters. Die gebürtige Schweizerin zieht es zurück nach Zürich. Foto: Dieter Ungelenk

„Der Tag, an dem Coburg die Welt gerettet hat“ bietet Denkanstöße: Nach der letzten Vorstellung diskutiert das Publikum über ein starkes Stück mit irritierendem Schluss.

Ausgeträumt: Ein letztes Mal feiern sie auf der Bühne die Erlösung, die es im wahren Leben nicht gab. „Der Tag, an dem Coburg die Welt gerettet hat“ ist eine schöne, eine kühne Vision – und ein Appell, es beim nächsten Mal besser zu machen. Er kommt an, das verdeutlicht der intensive Applaus am Ende dieser letzten Vorstellung des Schauspiels, das am Ostersamstag seine Uraufführung am Landestheater gefeiert hat. Katharina Ramser und Fabian Appelshäuser entwerfen darin eine „alternative Stadtgeschichte“: Sie zeigen, wie Coburg zur Nazi-Hochburg wurde – und geben der faktenbasierten Handlung eine fiktive Wendung: Ein Attentat auf Hitler in „seinem Coburg“ beendet 1937 den faschistischen Terror.

Coburgs braune Flecken auf die Bühne zu bringen, auf die große Bühne zumal, ist allemal ein Wagnis: Groß sind die Scheu, sich dem Thema zu stellen und die Furcht, in hilfloser Betroffenheit gesenkten Hauptes aus dem Theater zu schleichen. Das stand hier freilich nicht zu befürchten: Der unkonventionelle Zugriff, die poetische Erzählung, mit heiteren und ironischen Momenten, und der hoffnungsvolle Tenor überzeugten das Publikum, auch wenn es nicht in Scharen strömte: „Sehr positiv gestimmt“ zog Schauspieldirektor Matthias Straub Bilanz beim Publikumsgespräch nach der letzten Vorstellung.

Die Reaktionen waren weithin positiv – und Irritationen durchaus gewollt, wie Dramaturg Viktor Pohl und Ensemblemitglieder anmerken. Vor allem das „Happy End“, das in einem ironisch überzeichneten britisch-deutschen Verbrüderungsfest mündet, bereitet manchem Unbehagen: Allzu plakativ sei dieses „Happy End“ mit Coburger Klößen und Fish’n’Chips gezeichnet, findet die Malerin Vera Schnitzer. Überrascht vom Schluss zeigt sich auch Rupert Appeltshauser, der sich intensiv mit der Coburger Nazi-Vergangenheit befasst hat. Großartig findet er die Darstellung der enttäuschten politischen Sehnsüchte, die im Mittelpunkt des Stückes stehen. Stadtheimatpfleger Christian Boseckert lobt die Einbindung historischer Fakten in die fiktive Handlung, wie auch Gerhard Amend, stellvertretender Vorsitzender der Historischen Gesellschaft, der Interessenten weiterführende Literatur empfiehlt. Unter anderem über „Hitlers adligen Diplomaten“ Herzog Carl Eduard: „Er ist 1922 mitmarschiert!“

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