Landestheater Kosten steigen auf fast 200 Millionen Euro

Der Stadtrat lässt sich über die Generalsanierung informieren. Das Staatliche Bauamt Bamberg nennt den finanziellen Aufwand, der für das Projekt aufzubringen ist.

Coburg - Ursprünglich sollte die Generalsanierung des Landestheaters Coburg einschließlich einer Übergangsspielstätte rund 65 Millionen Euro kosten. Am Donnerstag wurde dem Stadtrat in seiner Sondersitzung im Kongresshaus Rosengarten eine neue Summe genannt: 190 Millionen Euro - ohne die Übergangsspielstätte Globe.

Sie entsteht gegenwärtig am ehemaligen Güterbahnhofgelände in der Coburger Südstadt und erfordert rund 30 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro hat der Freistaat Bayern zugesagt, 20 Millionen Euro muss die Stadt Coburg schultern.

Jürgen König, Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, erläuterte die Baumaßnahme im Detail, bevor er den Kostenrahmen nannte. Nach Berechnungen des Bauamts bewegt er sich für die Generalsanierung des Landestheaters bei 190 Millionen Euro. Dabei seien zu erwartende Baupreissteigerungen eingerechnet. Das Bauamt geht davon aus, dass die Generalsanierung im Jahr 2029 abgeschlossen ist. König räumte auf Nachfrage von Petra Schneider (SPD) ein, dass die zunächst genannte Bausumme von rund 65 Millionen Euro „deutlich zu niedrig“ gelegen habe.

Wichtiger Standortfaktor

Kämmerin Regina Eberwein betonte, dass das Landestheater „die bedeutendste kulturelle Einrichtung der Region und unbestritten ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt Coburg“ sei. Andererseits sei das Theater unabhängig vom Staatsvertrag – Eigentümer des Gebäudes am Schlossplatz ist der Freistaat Bayern – aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein defizitärer Dauerbetrieb. Dieser belaste den Haushalt der Stadt nicht nur durch den von ihr zu leistenden Investitionszuschuss, sondern auch durch den jährlichen Verlustausgleich in Millionenhöhe. Gegenwärtig habe Coburg in seiner Finanzplanung für die Generalsanierung einen Zuschuss in Höhe von rund 37 Millionen Euro vorgesehen.

Die Finanzierungsvereinbarung zur Generalsanierung wurde Ende 2015 abgeschlossen. Dabei sei der Freistaat Bayern, der Bauherr der Maßnahme ist, in einer Grobkostenschätzung von 58,6 Millionen Euro ausgegangen – ohne Ausweichspielstätte. Dies hätte laut Kämmerin einen städtischen Anteil von rund 18 Millionen Euro bedeutet.

„Anlass zur Sorge“

Obwohl in der Zwischenzeit bekannt wurde, dass die ursprüngliche Kostenannahme nicht zu halten sein werde, würden die am Donnerstag präsentierten Zahlen von 180 bis 190 Millionen Euro „schon Anlass zur Sorge“ geben, „das sei hier ganz deutlich gesagt“, betonte Regina Eberwein. Schließlich erhöhe sich der Anteil der Stadt Coburg von ursprünglich angenommenen 18 Millionen Euro „deutlich über die bereits angepassten 37 Millionen Euro“.

Für den Freistaat Bayern möge diese Steigerung, bezogen auf dessen Gesamtetat in Milliardenhöhe, überschaubar sein, „für die Stadt Coburg stellt sie einen enormen finanziellen Kraftakt dar“, so die Kämmerin. Sie wies zudem darauf hin, dass neben der Generalsanierung des Landestheaters fast zeitgleich andere Großprojekte anfallen. Dazu zählen die Entwicklung des Schlachthof- und Güterbahnhofgeländes sowie der Steinwegvorstadt und der Neubau eines Krankenhauses gemeinsam mit dem Landkreis Coburg.

Regina Eberwein appellierte vor diesem Hintergrund und der schwieriger werdenden Haushaltslage an den Stadtrat, bei den Ausgaben Disziplin zu wahren, Projekte zu priorisieren und Anträge stets mit einer Gegenfinanzierung zu versehen. Zudem erneuerte die Kämmerin ihre Forderung an den Stadtrat, eine finanzielle Obergrenze für den Anteil Coburgs an der Generalsanierung des Landestheaters festzulegen.

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) stellte fest, dass der Kostenanteil der Stadt erst dann seriös genannt werden könne, wenn „belastbare Zahlen“ vorliegen, die sich aus der konkreten Planung ergeben würden. Dann könne der Stadtrat über seine Beteiligung an dem Projekt entscheiden.

Im Gremium wurde am Donnerstag darüber spekuliert, wie hoch der städtische Anteil sein könnte. Genannt wurde eine Summe von 60 bis 70 Millionen Euro. Auf einer soliden Berechnung basiert diese Zahl allerdings nicht.

Fritz Frömming, kaufmännischer Direktor des Landestheaters, hatte am Beginn der Stadtratssitzung betont, dass man schon über ein Jahrzehnt auf die Generalsanierung warte. Sie sei überfällig.

Bayern steht zur Sanierung

Felix Kanbach vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst erklärte, dass der Freistaat Bayern zum Bauprojekt und zur Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Coburg aus dem Jahr 2015 stehe. Die Generalsanierung besitze für die Staatsregierung hohe Priorität.

In der Sondersitzung am Donnerstag im Kongresshaus Rosengarten ging es darum, den Stadtrat über den Stand der Generalsanierung zu informieren. Ein Beschluss wurde nicht gefasst.

 

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