Prozess am Landgericht Coburg Vergewaltigung auf Tauffeier?

Im Justizgebäude I wurde der Vergewaltigungsprozess geführt. Foto: picture alliance/dpa/Daniel Karmann

Bei einer Tauffeier fällt ein Mann über die Mutter der Gastgeberin her. Er will eindeutige Signale erhalten haben. Das Gericht sieht das anders und verurteilt ihn zu einer Haftstrafe.

Zwei befreundete Familien, drei Generationen und ein Vorfall, der einen Keil zwischen sie treibt: Am vergangenen Donnerstag musste sich ein 54-Jähriger aus dem Landkreis vor dem Coburger Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten. Im Sommer des vergangenen Jahres soll er während einer Tauffeier in Coburg über die 56-jährige Mutter der Gastgeberin hergefallen sein.

Die Vorwürfe des Opfers

Die Kinder des Opfers und des Angeklagten, alle Mitte 20 bis Anfang 30, sind teilweise eng miteinander befreundet. Auch der Angeklagte sowie die 56-Jährige kennen sich von zahlreichen Familientreffen, waren in den vergangenen Jahren zum gemeinsamen Saunieren und Grillen eingeladen, beide sind verheiratet.

Wie die 56-Jährige dann vor Gericht aussagt, soll es schon vor der eigentlichen Vergewaltigung während der Tauffeier zu einem Übergriff gekommen sein. Der 54-Jährige soll sie demnach unter dem Vorwand, ihr sein Enkelkind übergeben zu wollen, an der Brust begrapscht haben. Als sie sich dann später wegen Kopfschmerzen verabschiedete und in ihre Wohnung zurückkehrte, die sich im gleichen Haus befindet, sei dort der 54-Jährige aufgetaucht. Sie habe auf der Couch gelegen und sei bereits im Halbschlaf gewesen, als sie der 54-Jährige überfallen, das Kleid hochgezogen und sie erneut begrapscht habe. Sie habe sich gewehrt und ihn aufgefordert, von ihr abzulassen, doch erst nach einem Gerangel habe sie den Beschuldigten von sich stoßen können. Dieser sei daraufhin zurück zum Fest gegangen.

Sie habe erst nicht gewusst, wie sie sich verhalten solle. „Ich wollte die Feier nicht verderben“, so ihre Aussage vor Gericht. Schließlich suchte die 56-Jährige kurz nach der Tat das Gespräch mit der Ehefrau und Kindern des Angeklagten und schilderte den Vorfall. Allerdings sei eine Verständigung nicht zu erreichen gewesen. Im Anschluss habe sie sich an ihre Kinder gewandt.

Versuche es in der Familie zu lösen

Tags darauf soll es mehrere Telefonate zwischen den beiden Familien gegeben haben, eines, bei dem in Anwesenheit mehrerer Zeugen der Angeklagte sich für sein Verhalten entschuldigt habe.

Vor Gericht sagte indes der Angeklagte nun aus, die 56-Jährige habe ihm eindeutige Signale gesendet, mit Blicken und Worten, unter anderem soll sie gesagt haben „Du willst mich doch!“, woraufhin er nach eigenem Eingeständnis die Situation im Wohnzimmer der 56-Jährigen nutzen wollte. Dort soll es dann zunächst ein Gespräch gegeben haben, bevor er sich auf ihre Beine gesetzt und versucht habe, ihr Kleid hochzuziehen. Die 56-Jährige soll jedoch gesagt haben, dass sie das nicht wolle, das habe er respektiert.

An den Inhalt des Gesprächs im Wohnzimmer konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Entschuldigt habe er sich später letztendlich, um das Verhältnis der Kinder nicht weiter zu erschüttern.

Die Zeugenaussagen von Tochter und Sohn des Opfers deckten sich dann zu großen Teilen mit den Aussagen der Mutter. Demnach schien der 54-Jährige zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt nicht sehr alkoholisiert gewesen zu sein. Bislang, so ihre Aussagen, sei er als guter Vater und Großvater in Erscheinung getreten. Das Geschehene belaste das Freundschaftsverhältnis zwischen den Familien sehr, zugleich setze die Tat der Mutter psychisch zu, sie habe sich stark verändert, erst auf Drängen des Sohnes habe sie die Anzeige getätigt.

Im Gegensatz dazu sagten die Töchter des Angeklagten aus, die 56-Jährige sei bei der Familienfeier schwer betrunken gewesen, sie wolle der Ehe des Vaters schaden, weil ihre eigene Ehe gerade zerfalle.

Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre

Diesen Aussagen folgte die Verteidigung und forderte aufgrund widersprüchlicher Details, des Einflusses von Alkohol auf beide Beteiligte sowie der angeblichen Signale des Opfers einen Freispruch. Besonders störte es die Verteidigung, dass Kleid und Strumpfhose als Beweismittel vorlagen, nicht aber die Unterwäsche des Opfers.

Die Staatsanwaltschaft hatte wiederum zuvor den Strafbestand der Vergewaltigung als eindeutig erfüllt angesehen und daher eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert, die Mindeststrafe liegt bei zwei Jahren.

Nach sieben Stunden Verhandlung wurde der Angeklagte wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen und gegen ihn eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verhängt.

Das Gericht wertete die Aussagen der Opferseite als authentischer ein, gegen eine absichtlich falsche Anschuldigung würden das Verhalten und die Schlichtungsversuche des Opfers sprechen. Zudem seien DNA-Spuren des Angeklagten am Kleid entdeckt worden, und er sei in der Vergangenheit bereits wegen einer sexuellen Belästigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

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