Landkreis Kronach Baby- und Kleinkind-Ausstatter: Mit vereinten Kräften gegen die Konkurrenz

Maria Löffler

Gegen Unternehmen aus Fernost wollen sich zwölf regionale Baby- und Kleinkind-Ausstatter jetzt mit einer Allianz behaupten. Auch Hausmessen sind geplant.

Kronach/Coburg - Zwölf oberfränkische Baby- und Kleinkind-Ausstatter haben eine Allianz gebildet, um sich unter anderem gegen Unternehmen aus Fernost zu wehren. In der kommenden Woche werden in den Firmen Hausmessen abgehalten, die sich vor allem an ein Fachpublikum richten. Sie sollen zumindest zum Teil die Verluste abfangen, die durch die abgesagte Messe "Kind + Jugend" in Köln entstanden sind. Außerdem sollen sie eine neue Perspektive bieten.

Nach der Werbung weiterlesen

Sie machen mit

Diese Hersteller nehmen an der ersten oberfränkischen Preview-Woche teil:

Christiane Wegner, Redwitz an der Rodach

Fehn GmbH & CO. KG, Rödental

Gesslein GmbH, Mannsgereuth

Hartan Kinderwagenwerk, Sonnefeld

Hauck GmbH &. CO. KG, Sonnefeld

Heinrich Geuther GmbH & CO. KG, Mitwitz

Hesba Kinderwagenfabrik GmbH & CO. KG, Marktgraitz

Julius Zöllner GmbH & CO. KG, Küps

Knorr-Baby GmbH, Niederfüllbach

Mäusbacher Möbelfabrik GmbH, Sonnefeld

Roba Baumann GmbH, Ebersdorf bei. Coburg

Schardt GmbH &. CO. KG, Mitwitz

Der Wind wird rauer und er bläst plötzlich aus unterschiedlichen Richtungen. Zu spüren bekommen das unter anderem die oberfränkischen Baby- und Kleinkind-Ausstatter aus der Region. Die stemmen sich jetzt mit aller Kraft dagegen, zeigen Einheit, Stärke und erzeugen so ein "Wir-Gefühl". Nicht nur Corona hat die Branche durcheinandergewirbelt, sondern sie muss sich zusätzlich gegen Unternehmen wehren, die vor allem aus Richtung Fernost ihre Fühler nach Deutschland ausstrecken. Oder wie es Geschäftsführer John Hartan es noch plastischer ausdrückt: "Sie mischen den Markt auf." Zwölf Traditionsunternehmen aus Kronach, Coburg und Lichtenfels gegen Firmen aus Asien, das klingt erst einmal wie David gegen Goliath. Wie dieser ungleiche Kampf ausgegangen ist, dürfte vielen noch aus dem Religionsunterricht bekannt sein. Richten sollen es in der Region vor allem Solidarität und Qualität. Aus dem Qualitätssiegel "Made in Germany" könnte hier vielleicht sogar ein "Made in Oberfranken" werden, zumindest virtuell.

Die Idee einer Allianz kam von Jens Blinzler, Verkaufsleiter der Gesslein GmbH. Sein Credo: "Man ist nie zu klein, um großartig zu sein." Das gelte sowohl für die Zielgruppe als auch für die Unternehmen selbst, in denen man Traditionen hoch halte. Viele oberfränkische Babywarenhersteller seien ähnlich aufgestellt und hätten ihren Ursprung im Korbflechterhandwerk. Blinzler kommentiert: "So wie sich unsere Strukturen als mittelständige Familienunternehmen ähneln, sehen wir uns auch den gleichen Herausforderungen gegenüber. Unter anderem sorgen stetig steigende Importzahlen in den letzten Jahren für Unruhe und Preisdruck in der Branche. Wir als deutsche Hersteller merken jedoch, dass sich bei den Verbrauchern, gerade jetzt in Corona-Zeiten, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung wieder schärft. Künftig könnte nicht mehr nur der Preis kaufentscheidend sein sondern auch, wie und wo ein Produkt hergestellt wird. Als oberfränkische Familienunternehmer stehen wir für ganz andere Werte als ein Importeur aus Fernost."

Auf die Solidarität oberfränkischer Hersteller setzt auch John Hartan, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma. Er schaut ebenfalls recht skeptisch auf die Firmen, die Produkte aus Fernost vertreiben. "Wir dagegen produzieren in Deutschland und verwenden Produkte aus Europa." Was man der Konkurrenz entgegensetzen könne, sei Solidarität und Qualität.

Und so kam es auch, dass die Hausmessen aus der Not eine Tugend machen sollen. Hartan: "Das macht es für die Händler interessant. Wir haben ein gemeinsames Anschreiben an unsere Kunden verfasst, und so können sie nach persönlicher Terminabsprache alle Hersteller hier besuchen. Wir stecken den Kopf trotz aller Widrigkeiten nicht in den Sand. Außerdem muss unsere neue Kollektion ja irgendwie an den Kunden."

Geschäftsführerin Patricia Hesselbacher von der Hesba-Kinderwagenfabrik verspricht sich einiges vom Austausch untereinander und von der gegenseitigen Unterstützung. "Wir müssen die Region stärken", meint sie und weiß, dass das nur mit ganz viel Einsatz zu schaffen ist. "Wir sind eine klassische Manufaktur, bei uns kann man vom Zuschnitt bis zur Endmontage zusehen. Wir setzen auf individuelle Herstellung und Einzelanfertigung. Das ist der Reiz an der Sache. Und wir können unsere Produkte ganz anders verkaufen, wenn wir unseren Händlern die Möglichkeit bieten, sich die Fertigung einmal anzusehen." Auch das sei für sie "made in Germany".