Lauenstein Schöner parken in der Scheune

Heike Schülein

Es ist ein Vorzeigeprojekt mit ungewöhnlicher Kubatur. 22 Fahrzeuge finden darin Platz. Erhalten bleibt dabei die freie Sicht auf die Burg Lauenstein.

Mit der Realisierung der Parkscheune ist ein wichtiger Meilenstein zur städtebaulichen Neuordnung Lauensteins geschafft: 14 Pkw- sowie acht XL-Stellplätze weist das Vorzeigeprojekt mit der ungewöhnlichen Kubatur auf, das am Samstagnachmittag offiziell in Betrieb genommen wurde.

„Wir dürfen heute ein großartiges Ereignis feiern“, meinte ein sichtlich stolzer Bürgermeister Timo Ehrhardt. 2013 hatte die Stadt Ludwigsstadt das Sanierungsgebiet Lauenstein förmlich festgesetzt – mit dem Ziel, städtebauliche Missstände aufzuzeigen und Entwicklungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Als vorrangige Handlungsbereiche wurde dabei die Stärkung des unteren Dorfes rund um den Anger sowie des Ortseingangs mit dem Burgbräu-Areal genannt.

Burgbräu-Areal rückgebaut

Das Burgbräu-Areal wurde daraufhin von der Stadt erworben und die darauf befindliche Gewerbebrache rückgebaut. Da auf dem Areal Garagen standen und Stellplätze waren, brauchte man Ersatz, zumal weitere Anwohner Bedarf angemeldet hatten. Als Standort für eine mögliche Parkscheune fiel der Fokus auf die Leerstände „Orlamünder Straße 22“ und „Hermann-Wilhelm-Straße 2“ (ehemalige Gaststätte „Bayerisches Fassl“). Für den Standort sprach vor allem die Zentralität respektive Nähe zur Buswendeschleife, den öffentlichen Einrichtungen am Anger sowie den Wohngebäuden ohne eigene Stellplätze in unmittelbarer Nähe.

„Um das untere Dorf in Lauenstein nach vorne zu bringen, haben wir in den letzten Jahren rund sechs Millionen Euro bewegt“, verdeutlichte Ehrhardt. Die Kosten für die Parkscheune belaufen sich allein auf 1,73 Millionen Euro brutto. Nach dem Vorsteuerabzug von 260 000 Euro sowie dem Zuschuss des Freistaates Bayern im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern von 1,32 Millionen Euro verbleibt für die Stadt ein auskömmlicher Eigenanteil von 150 000 Euro.

Repräsentatives Ortsbild

„Natürlich ist das eine Stange Geld. Aber für ein repräsentatives Ortsbild braucht es eben auch etwas Besonderes – ein Gebäude mit einer gewissen Kubatur, die zum Umfeld passt“, würdigte der Bürgermeister die städtebaulich ansprechende Lösung als Alternative zu Einzelgaragen oder Garagenburgen. Sein Dank galt der Regierung von Oberfranken, seiner Verwaltung mit Geschäftsleiter Frank Ziener sowie dem Bauhof unter Leitung von Claus Lindig, allen bauausführenden Firmen sowie dem Architekturbüro Müller aus Kronach.

Maßgeblich verantwortlich für das besondere Design des Gebäudes zeichneten die Planer Julian Schmidt und Iris Bracke. Bei der Gestaltung kamen bewusst regionstypische Materialien wie Holz und Schiefer zum Einsatz, aber auch moderne Elemente für ein interessantes Wechselspiel. „Wichtig war es uns, den Blick zur Burg nicht zu stören“, so Bracke. Alle Stellplätze sind bereits voll belegt. Die Einfahrt in das Untergeschoss erfolgt vom Hof aus; in den oberen Bereich von der Orlamünder Straße aus.

Verzögerungen wegen Corona

Baubeginn war im Juli 2020. Leider führten, so Schmidt, Erschwernisse durch die Corona-Pandemie zu Bauverzögerungen. „Dennoch war es für uns ein sehr schöner Auftrag. So ein Projekt baut man nicht alle Tage“, betonte der Planer. Kostenmäßig liege man im Rahmen; vielleicht bleibe man sogar etwas unter den Schätzungen. Die Baumaßnahme ist bis auf Restarbeiten fertiggestellt.

Der dritte weitere Stellvertreter des Landrats, Gerhard Löffler, würdigte die Parkscheune als größtes Hochbauprojekt in Eigenregie der Stadt Ludwigsstadt der letzten zehn Jahre. Nach dem offiziellen Teil bestand die Möglichkeit einer geführten Besichtigung. Bewundert wurden dabei vor allen auch die großen Platten aus heimischem Phycoden-Schiefer. Beschafft wurde dieses enorm witterungsbeständige, eine halbe Milliarde Jahre alte Material von Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig.

Im Anschluss verweilten die Besucher noch auf der Buswendeschleife, wo die Lauensteiner Vereine für das leibliche Wohl sorgten. Mit dem „Rock an der Schleife“ klang der Festtag in Lauenstein aus.

 

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