Plötzlich tauchte Evangelista ab
Irgendwann stöckelten Jüngere über den Laufsteg. Doch ihre Karriere ging weiter – auch jenseits der 40. Sie wurde zum Werbegesicht der Kosmetikmarke L’Oreal, auch Prada zog sie für einen Vertrag an Land. Doch dann, um das Jahr 2016 wurde es unerklärlich still um die Kanadierin. War sie zuvor gern gesehener Gast auf Society-Events, tauchte sie plötzlich ab. Und Paparazzi-Fotos zeigten eine Frau, die nicht mehr so schön und glamourös war wie einst. Dazu gab es reißerische Überschriften: „Ihr werdet kaum glauben, wie Linda Evangelista heute aussieht!“ oder „Linda Evangelista ist nicht wiederzuerkennen“. Jetzt erklärt die 56-Jährige, die missglückte Schönheitsoperation habe dazu geführt, dass sie sich in den vergangenen Jahren aus dem Rampenlicht zurückzog.
„Denk daran, wer du bist, was du erreicht hast“
Für ihren Schritt an die Öffentlichkeit bekam das Model viel Beifall und Zuspruch von ihren alten Kolleginnen: Cindy Crawford bewundert Evangelistas „Stärke“. „Es hat sicher großen Mut und Stärke gebraucht, diese Worte zu schreiben. Ich bin in Tränen ausgebrochen, als ich das gelesen habe. Nicht nur, weil ich in meinem Herzen wusste, dass du im Stillen etwas durchmachst, aber auch wegen der Narben, die das Leben auf uns allen hinterlässt“, schrieb das dänische Topmodel Helena Christensen. „Es ist so wichtig und schön, wenn jemand aus dem Schatten tritt und brutal ehrlich und echt ist.“ Naomi Campbell spendete ihrer früheren Laufsteg-Kollegin Beifall „für deinen Mut und deine Stärke. (..) Du weißt, dass ich dich liebe und dass ich für dich da bin. (...) Denk daran, wer du bist, was du erreicht hast und wie viele Menschen du berührt und beeinflusst hast.“
Für das ehemalige deutsche Model Anne Sophie Monrad wirft Evangelistas Geschichte aber auch ein Licht auf die Schattenseiten des Geschäfts mit dem schönen Schein: „Für mich ist das eine riesen Bestätigung, wie hoch der Druck in dieser Industrie ist, selbst für ein Supermodel“, sagte die Flensburgerin dem Deutschlandfunk. Monrad hat ein Buch über die Härten des Modelbusiness geschrieben. In „Fashion Victim“ gewährt sie einen Blick hinter die Fassaden der Modewelt. „Wäre diese Schönheitsoperation erfolgreich verlaufen, hätte sie wahrscheinlich nicht gesagt, dass sie etwas getan hat“, glaubt Monrad. „Und dieses Ideal würde weiterhin einfach da sein, dass man mit Mitte 50 aussieht wie mit womöglich Ende 20.“