Literatur gegen den Krieg Schüler lesen für den Frieden

Am „Casi“ besteht ein freiwilliges Angebot für Leseratten. Dabei können die Schüler nicht nur ihre literarischen Favoriten wählen, sondern auch diskutieren. Außerhalb der Schule.

Anhand von Fragen, die Lehrerin Annika Zeuner vorbereitet hat, tauschen sich die Schülerinnen des „Casis“ über Bücher zum Thema „Frieden“ aus. Foto: Maja Engelhardt/Maja Engelhardt

Der Film hat ihr schon „krass gut“ gefallen, nun wollte sie auch noch das Buch lesen. Ganz am Schluss ist sie damit noch nicht, doch sie möchte auf jeden Fall dranbleiben. „Es ist toll geschrieben, und das Thema spricht mich an“, lebhaft erzählend und gestikulierend sitzt Charlotte, Schülerin der zehnten Jahrgangsstufe am Coburger Gymnasium Casimirianum, an einem kleinen Tisch im Café der Buchhandlung Riemann am Markt. Vor ihr liegt Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“, daneben Fragebögen und Gläser. In gemütlicher Runde treffen sich 15 Jugendliche bei Getränken und Snacks und diskutieren über Bücher, die sie gerade gelesen haben. Mit Lehrkräften und außerhalb der Schulzeit, ganz freiwillig.

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Die Idee zu dem „Lesecafé“ entstand im letzten Schuljahr. Auf Initiative von Englisch- und Spanischlehrerin Annika Zeuner bekamen Schüler auf freiwilliger Basis einen Lesekoffer angeboten, aus dem sie unter verschiedenen Genres wählen konnten. War es im vergangenen Jahr das Thema „Rassismus und Mobbing“, stehen die jetzigen Monate unter dem Motto „Frieden“. „Die Bücherkiste wurde wieder ganz toll von der Stadtbücherei zusammengestellt“, erzählt Annika Zeuner begeistert, „und es befindet sich wirklich alles darin - von Comics über Romanen bis hin zu Sachbüchern und auch psychologischen Werken zum inneren Frieden.“

Die Jugendlichen hatten knapp vier Wochen Zeit, das von ihnen ausgewählte Buch zu lesen und bekamen das Angebot, sich außerhalb der üblichen Klassenräume darüber auszutauschen. Als Anregung dazu hat Annika Zeuner einen Fragebogen erstellt, mit dem, unter anderem, Antworten auf „Kann man durch Literatur etwas ändern?“, „Was kannst du für den Frieden tun?“, „Wie liest sich das Buch?“, „Was beschäftigt dich?“ und „Konntest du mit den Personen mitfühlen?“ gegeben werden sollten.

Worte, die beeinflussen

Die Debatte im Caféchen ist lebhaft, die Sätze fliegen nur so hin und her. Immer wieder ist das Wort „Emotionen“ zu hören, Gefühle, die geweckt werden, aber auch solche, die sich in den Büchern wiederfinden und die es erlauben, auch mal andere Perspektiven einzunehmen und zu hinterfragen. „Werke wie diese bringen mich zum Nachdenken“, meint Charlotte, „und zu Verständnis für die Thematik des Krieges. Es gibt immer mehrere Seiten.“ Auch könne man sein eigenes Verhalten überdenken.

Kann Literatur etwas ändern? Hier fragen Charlotte, Emma, Selina und Sophie genauer nach: „Das Verfassen oder das Lesen?“. Einig sind sie sich darin, dass Lektüre etwas anstößt. So könnten Autoren auf bestimmte Themen aufmerksam machen und dazu anregen, sich mit diesen auseinander zu setzen und sie zu vertiefen. Auch wenn das Lesen manchmal anstrengend sein könne. „Man lernt sehr viel“, erklärt Sophie, die sich mit Eberhard Kolbs „Der Frieden von Versailles“ beschäftigt hat, „es ist schwer zu lesen, aber vielleicht fehlen mir auch Vorkenntnisse“, überlegt sie, doch Hintergrundwissen sei ihr mit dem Buch vermittelt worden.