Ungewöhnliche Mutter-Sohn-Geschichte
"Königin Esther" ist in vielerlei Hinsicht ein typischer Irving. Die ungewöhnliche Geschichte um Identität und Zugehörigkeit bewegt sich nicht schnurgerade auf einen Plot zu. Stattdessen nimmt sich Irving sehr viel Zeit, die einzelnen Figuren zu entwickeln und ihre Lebensgeschichten wie durch Zufall miteinander zu verweben. Dabei lassen sich immer wieder autobiografische Züge erkennen, vor allem in der Hauptfigur Jimmy.
Der Roman setzt sich außerdem tief mit der jüdischen Identität, der Geschichte Israels und dem Thema Antisemitismus auseinander. Obwohl die Handlung Jahrzehnte vor dem Massaker des 7. Oktober 2023 spielt, lässt sie sich an manchen Stellen wie ein Kommentar auf tagesaktuelle Konflikte im Nahen Osten lesen.
Liebevoll gezeichnete Eigentümlichkeiten
Wie so oft in Irvings Romanen lebt die Geschichte vor allem von den liebevoll gezeichneten Eigentümlichkeiten der Hauptfiguren. Das zeigt sich etwa daran, dass Jimmys leibliche Mutter Esther mit vierzehn Jahren ein Tätowiergeschäft betritt, weil sie sich ihren Lieblingssatz aus dem Roman "Jane Eyre" quer über den Oberkörper stechen lassen will. Es sind wenige Worte, die aber viel verraten: "Je einsamer ich bin, je weniger Freunde ich habe, je weniger man mir hilft, desto mehr will ich mich selbst achten."