Literaturpreis-Verleihung Frische Brise im Wasserschloss

Die „gar nicht windigen“ Preisträger des Schaeff-Scheefen-Preises: In der Mitte Sieger David Jacobs mit dem Drittplatzierten Richard Fliegerbauer und der zweiten Gewinnerin Margit Heumann. Foto: /Nicole Eick

Der Autorenverband Franken e.V. verleiht im Rahmen seiner Jahrestagung den Schaeff-Scheefen-Literaturpreis. Beste „Windnase“ ist der Autor David Jacobs.

Mitwitz/ Kronach - Im Wasserschloss Mitwitz waren die Meister des geschriebenen Wortes zu Gast: Der Autorenverband Franken e.V. (AVF) verlieh im Rahmen seiner Jahrestagung den Schaeff-Scheefen-Preis, ein Literaturpreis, der im zweijährigen Turnus an Autorinnen und Autoren fränkischer Herkunft oder zumindest fränkischer Prägung vergeben wird. Das Motto dieses Mal lautete: „Woher der Wind weht!“

Die beste Nase für frischen Wind hatte heuer der Autor David Jacobs. Er traf mit seiner Kurzgeschichte „Kornweihe“ den Nerv der Zeit. Schlitzohrig und pointiert nahm er den Hype um die im geplanten Windparkgelände gesichtete Kornweihe buchstäblich aufs Korn und bot als anerkannter Ornithologe großzügig gutachterliche Dienste an. Wenn der Preis stimmt, ist auch egal, dass die ihm vorgelegten Federn der Kornweihe mindestens 30 Jahre alt sind und vorher an einem Hutband befestigt waren. Nur dumm, wenn zu viele Sichtungen des gefährdeten Vogels am Ende dazu führen würden, dass er von der Liste der bedrohten Tierarten genommen wird ....

Das Publikum, das per Abstimmung die Sieger kürte, dankte Jacobs die gute Unterhaltung mit dem ersten Preis. David Jacobs hat lange Jahre im fränkischen Marloffstein als Heimleiter gearbeitet und ist heute freiberuflich als Coach im Raum Bonn tätig. Zum Schreiben kam er erst vor vier Jahren und auf seinen ersten, noch in Arbeit befindlichen, Roman darf man schon gespannt sein.

Auch Margit Heumann, Zweitplatzierte und vielseitig tätige Autorin aus Nürnberg, ließ mit ihrem Text „Urgewalten“ den Zuhörern kräftig den Wind um die Nase wehen und mit dem von den Naturgewalten geplagten Bauern Ulrich mitleiden. Der Drittplatzierte, Richard Fliegenbauer, servierte mit „Drei Kilowatt“ eine eindringliche Geschichte, die im Würzburg der Nazizeit spielt. Hörenswert waren auch Siegfried Straßner und Maja Christ mit ihren Texten – am Ende entschieden aber wohl die Art des Vortrags und die Besonderheit der Geschichte über die Preiswürdigkeit.

Benannt ist der verliehene Preis nach Georg Harro Schaeff-Scheefen, dem Schriftsteller, Heimatdichter, Publizisten und Gründungsvorsitzenden des Autorenverbandes Franken. Coronabedingt konnte die Lesung diesen Sommer nicht in Schaeff-Scheefens letztem Heimatort Kirchberg an der Jagst vergeben werden, sodass die Soirée nun im Rahmen der Verbandstagung im Wasserschloss Mitwitz stattfand. Hilde und Falk Osberger als Nachkommen Schaeff-Scheefens unterstützten die Preisverleihung wie jedes Mal mit einer Geldspende.

Besondere Highlights des Abends waren auch die Poetry-Slam-Texte der jungen Künstlerin Mara Diaczysczyn und die musikalische Umrahmung mit launigem Jazz (Klavier, Saxofon und Gitarre) des Duos Viktor Neuwert und Thomas Marek.

Weitere Programmpunkte der Tagung fanden in Kronach statt, die Tagung war perfekt von den AVF-Mitgliedern Krystyna Hurec-Diaczyszyn und Karl-Heinrich Heppt organisiert worden. Außer den beiden Kronachern sind im AVF auch die Coburger Autorinnen Heidi Fischer („Weißer Tod im Paradies“) und Nicole Eick („Wort verjährt nicht“) sowie Werner Karl („Black Ice“) aus Herreth und Daniela Geßlein („Projekt Keltentor“) aus Lichtenfels vertreten.

Selbst die Anthologie zum Schaeff-Scheefen-Preis 2021 („Woher der Wind weht“) wurde in der Region verlegt, sie ist im Iatros-Verlag Gestungshausen erschienen und für 14 Euro im Buchhandel bestellbar.

 

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