Faktoren wie Zusammenarbeit, Wohlbefinden und Zufriedenheit würden eine viel größere Rolle spielen als viel Druck, der nur zu kurzfristigem Output führe. „Kranke, Genervte, Gestresste, Unzufriedene und vor allem Tote arbeiten nicht gut“, so Long.
Das scheint zwar noch nicht bei allen Chefs angekommen zu sein, aber klüger wäre der duldsame Ansatz allemal, findet der Achtsamkeitsfachmann: „Ungeduld erhöht die Fehlerquote. Und durch die Eile gibt es auch weniger Möglichkeiten, bessere, effektivere Wege zu erkunden.“
Wer das hektische Sofort-handeln-Müssen schon verinnerlicht hat, dem hilft vielleicht die alte asiatische Weisheit: „Wenn Du in Eile bist, dann gehe langsam.“ Sie ist zwar suboptimal für Profi-Sprinter oder Marathonläufer, aber der gute alte Konfuzius hatte damals – so um 500 vor Christus – schon den Kern getroffen.
„Ungeduld vergeudet enorm Energie, und es ist damit keine Millisekunde gewonnen“, meint Long, denn negative Gedanken schwingen meist mit und hemmen Kreativität sowie Produktivität. Geduld sei nämlich verbunden mit guten Gedanken, mit Achtsamkeit und somit Gelassenheit. Und die trage enorm zum Lebensglück bei. Nicht gleich auf eine E-Mail zu antworten, sei übrigens auch nicht unhöflich; eher Gegensätzliches sei der Fall, befindet Long: „Dann kann man ja über die Antwort gar nicht richtig nachgedacht haben.“
Am Ende noch ein Lob der Ungeduld
Freilich gibt es Ausnahmen, wann Ungeduld angebracht, unabdingbar oder gar überlebenswichtig ist, wie beispielsweise beim Thema Klimaschutz oder Menschenrechte. Geduld ist zwar eine gute Eigenschaft, gilt überdies als Tugend, jedoch ist sie kontraproduktiv bei der Beseitigung von Missständen.
Oftmals brauche es noch viel mehr Eile, fordert Däfler: „Ungeduld kann ein toller Motor sein, um unliebsame – auch persönliche – Umstände verändern zu wollen; sie nicht lethargisch zu ertragen, sondern ins Handeln zu kommen.“ Denn ohne diesen ungeduldigen Wunsch auf schnelle Veränderung wären Klimaziele vollends utopisch, oder eine gepeinigte Ehefrau würde sich niemals von ihrem herrischen Gatten trennen. Manches darf nicht warten.
In anderen Bereichen dürfen wir dagegen ruhig geduldiger werden. Helfen können dabei Geduldsmantras sowie Achtsamkeitsübungen, damit ein hektisches „Jetzt sofort“ seine Dringlichkeit verliert. Jeder könne das lernen, so Experte Long: „Aber leicht ist es nicht. Denn um Geduld zu üben, braucht man ja ein wenig Geduld.“