Ludwigsstadt Schritt für Schritt zur Modellregion

Veronika Schadeck
Bei einem Rundgang durch Lauenstein machte sich Florian von Brunn (links) ein Bild von den verschiedenen Projekten, die ihm Bürgermeister Timo Ehrhardt vorstellte. Foto: Caro Arns

Der Chef der SPD in Bayern machte Station in Ludwigsstadt. Bürgermeister Erhardt nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Vor allem, wenn es um die Anzahl der möglichen Windriesen am Rennsteig ging.

Der Vorsitzende der Bayern-SPD und Landtagsfraktionschef Florian von Brunn hat im Rahmen seiner Bayern-Sommertour am Dienstag auch Ludwigsstadt besucht. Dabei stellte Bürgermeister Timo Ehrhardt nicht nur seine Stadt mit dem Sanierungsgebiet Lauenstein vor (siehe Infokasten), es ging natürlich auch um den möglichen Wind- und Wasserstoffpark am Rennsteig. Mit von der Partie war auch der Projektleiter des Windparkbetreibers CPC Germania, Eberhard Wulkow. Wie er verdeutlichte, sei die Realisierung von Windrädern innerhalb von zwei Jahren – so hatte es der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder kürzlich bei seinem Besuch bei Wiegand-Glas formuliert – eine große Herausforderung. Florian von Brunn sprach von einer „Vorreiterrolle“, die der Rennsteig mit einer Modellregion Franken/Thüringen für Wind- und Wasserstoff einnehmen könnte.

Tausende Arbeitsplätze

Bürgermeister Timo Ehrhardt wies am Anfang darauf hin, dass die energieintensiven Unternehmen Tausende Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Auf Initiative der Glasindustrie sei vor zweieinhalb Jahren der Kontakt mit CPC-Germania zustande gekommen. Schon damals wurde die Notwendigkeit gesehen, mithilfe von erneuerbaren Energien die Energieversorgung am Rennsteig zu verbessern. Eine große Herausforderung sei es bisher gewesen, wie man Windräder, Landschaftsschutzgebiete und den Naturpark Frankenwald miteinander in Einklang bringen könne. Die Hürden seien hoch gewesen. Durch den Ukrainekrieg und der damit verbundenen Energiekrise habe sich die Situation geändert. „Das Umfeld gestaltet sich einfacher als vor zwei Jahren!“ Ehrhardt erinnerte an die beiden Infoveranstaltungen zum Thema Wind- und Wasserstoffpark am Rennsteig und meinte: „Ich spüre derzeit keinen Gegenwind der Bewohner, eher Zustimmung!“

Ziel Strompreisstabilität

Der Projektleiter von CPC-Germania stellte dann das Projekt Wind- und Wasserstoff am Rennsteig im Detail vor. „Wir brauchen viel grüne Energie, um eine Strompreisstabilität zu bekommen!“ Und weiter: „Von Anfang an sagten wir, der Windpark hat nur eine Chance, wenn wir die Menschen mitnehmen!“ Er ging auf einige Zahlen ein. Von der 1600 Hektar großen Fläche, die für einen Windpark am Rennsteig infrage kommt, befinden sich zwei Drittel im Besitz der Bayerischen Staatsforsten, den Rest teilen sich rund 120 Privateigentümer. Von den 15 Windkraftanlagen, die entstehen sollen, stehen sieben davon auf der Fläche der Staatsforste. Der mit Wind erzeugte Strom soll sowohl ins öffentliche Netz als auch direkt für die Industrie eingespeist werden. Ein Teil davon soll mittels einer Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und der Industrie zur Verfügung gestellt werden. Rund 600 000 Euro pro Jahr würde den beteiligten Kommunen zukommen. Zudem würde unter anderem ein Zukunftsfonds mit 15 000 Euro pro Jahr und Anlage zur Verfügung gestellt.

Ehrlichkeit und Transparenz

Peter Ebertsch äußerte seine Befürchtung, dass statt der derzeit geplanten 250 Meter hohen 15 Windräder am Ende 35 Windräder – diese sind auf der ausgewiesenen Fläche am Rennsteig möglich – entstehen werden. Er wies auf eine bevorstehende Bürgerbefragung hin und meinte: „Wir wollen Ehrlichkeit und Transparenz!“ Zudem soll die Wertschöpfung in der Region bleiben. Wenn doch nur 15 Windräder gebaut werden sollen, dann könnte doch auch das Untersuchungsgebiet verkleinert werden, meinte er. Zudem wies Ebertsch auf die geplante Modellregion Franken/Thüringen hin, die es ermögliche, dass die Kommunen beziehungsweise der Landkreis als Betreiber fungieren. Er und sein Steinbacher Kollege, Thomas Löffler, forderten des Weiteren, dass die 800 Windräder, die in Bayern entstehen sollen, gleichmäßig auf die Flächen verteilt werden. Mit 15 Windrädern habe der Rennsteig mehr als seine Hausaufgaben gemacht. Zudem gehe es bei der Modellregion um ein schlüssiges Gesamtkonzept, das auch Fotovoltaik und die Pumpspeicher in Thüringen mit integriere.

„Step by step“

Ehrhardt plädierte dafür, dass man „Step by step“ die Modellregion angehen sollte. Wulkow beteuerte, dass es beim Windpark nur zusammen mit den Kommunen und den Bürgern gehe, dies gelte auch für die Anzahl der Windräder. An die anwesenden Kommunalpolitiker gerichtet, meinte er: „Dass ihr hier parteiübergreifend zusammenarbeitet, macht mir Hoffnung.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Adelt sprach davon, dass sich nicht zuletzt wegen des neuen Klimaschutzgesetzes Landkreise beziehungsweise Kommunen als Betreiber von Wind- und Wasserstoffparks zusammenschließen.

Zudem sollte Fotovoltaik mit einbezogen werden. Diesbezüglich beteuerte Wulkow, dass man beim Wind- und Wasserstoffpark am Rennsteig mit Betreibern von Solarparks im Gespräch sei.

 

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