Perfekter Kaffee Ludwigsstadter forscht in Tansania

Heike Schülein

Ein Mann aus Ludwigsstadt forscht in Tansania, um die perfekte Bohne zu erzeugen. Er will den Markt verändern und bietet Transparenz von der Pflanze bis in die Tasse.

Ludwigsstadt/Tegernsee - Mario Felix Liebold ist ein Kaffee-Enthusiast. Seit 2007 betreibt der gebürtige Ludwigsstadter eine Kaffeerösterei am Tegernsee. 2020 erwarb er ein eigenes Kaffee-Forschungsprojekt im Hochland von Tansania. Nun konnte er die erste Ernte einfahren.

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Maximale Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness: Mit seiner Philosophie „Kaffee - von der Pflanze bis in die Tasse” bietet Mario Felix Liebold mit seiner Ersten Tegernseer Kaffeerösterei (ETK) seinen Kunden seit über 13 Jahren die besten Spezialitätenkaffees aus der ganzen Welt. Als eine der ersten Röstereien Deutschlands gibt er tiefe Einblicke: Einkaufspreise und die Margen sind bei jedem Kaffee frei einsehbar; soll doch jeder davon profitieren - vom Produzenten bis zum Kaffeegenießer. Im vergangenen Jahr ging er nunmehr den letzten Schritt zu einer vollkommenen „Coffee Transparency” – und startete mit einem eigenen Flurstück auf einer Kaffeefarm im südlichen Hochland von Tansania ein einzigartiges Forschungsprojekt.

„Kaffee war für mich nie nur ein Geschäft. Ich bin fasziniert von den Menschen hinter dem Kaffee – vom Pflücker bis zum Farmer, der sein Wissen in jede einzelne Ernte einfließen lässt. Sie sind uns maximal wichtig“, sagt der gebürtige „Ludschter“, der einst am Kaspar-Zeuß-Gymnasium in Kronach Abitur machte und lange Jahre im Vertrieb als Exportleiter bei Julius Zöllner in Schmölz tätig war.

Forschen auf eigenem Flurstück

Seit jeher arbeitet der Kaffeepionier eng mit den Farmen zusammen, mit denen er schon immer gemeinsam verschiedene Aufbereitungsarten und Geschmacksprofile entwickelte. „Bislang standen wir jedoch immer nur beratend zur Seite. Durch die Beteiligung an „Lunji-Estate” haben wir nun unser ganz eigenes Flurstück, auf dem wir selbst forschen können”, verrät der Meister-Röster stolz, der seiner oberfränkischen Heimat weiterhin sehr verbunden ist und dessen Kaffee auch in Ludwigsstadt in einer Zweigstelle erworben werden kann.

Als „Research Plot” der ETK dient ein Stück Land auf der Farm „Lunji-Estate”. Deren Geschichte reicht bis 1898 zurück, als das Land als Kolonialgebiet noch zu Deutsch Ost-Afrika zählte und der deutsche Emil Köstlin mit dem Anbau von drei Hektar Kaffee begann.

Heute ist Lunji eine mittelgroße Kaffeeplantage mit 30 Angestellten und bis zu 150 Helfern, die zur Erntezeit auf der Plantage Arbeit finden. Die Farm wird seit über 20 Jahren von Clemens und Stella Maier betrieben. Neben Kaffee sind auch Avocados, Äpfel, Hühner, Schweine und eine Vielzahl verschiedenster Gemüse und Früchtesorten auf Lunji heimisch.

Das Projekt startete im vergangenen Jahr mit dem aktuellen Baumbestand. Die bereits schon sehr gute Qualität des Kaffees soll zunächst durch eine verbesserte Pflege des Bestandes, peniblere Erntemethoden und Sortierungen sowie neue Aufbereitungsmethoden weiter gesteigert werden - alles in enger Zusammenarbeit mit Paul Maier, dem Sohn der Eigentümer Clemens und Stella.

Paul hat seinen Bachelor zum Thema „Die Variabilität der chemischen Bodenparameter unterschiedlicher Felder eines Betriebes, am Beispiel einer Kaffeeplantage in Tansania“ an der Humboldt Universität in Berlin gemacht. Er unterstützt die Erste Tegernseer Kaffeerösterei mit seinem tiefen Wissen über die Bodenbeschaffenheit des Anbaugebietes.

Herausragendes Potenzial

Das Flurstück „MBE4” hat Liebold ganz bewusst ausgewählt: „Dort wachsen Bourbonbäume der Varietät SL-28, die ein herausragendes Potenzial in puncto Tassenqualität haben. Leider ist diese Varietät aber auch anfällig für Pilze und Schädlinge, wie zum Beispiel die „coffee berry disease“ (CBD) und den „coffee berry borer“. Doch für uns ist es genau dieses „Kaffeefarmerleben”, das wir uns so lange gewünscht haben. Eine Herausforderung, aber kein Problem”, bekundet Mario Felix Liebold.

Ein Problem könnte hingegen die ungewisse Zukunft des Kaffees auf der ganzen Welt sein, befürchtet der Fachmann. Durch die Zerstörung der Umwelt und die schlechte Entlohnung der Farmer wird immer weniger Kaffee geerntet; gleichzeitig steigt die Nachfrage enorm. Die Folge: In 20 bis 30 Jahren könnte es kaum mehr Kaffee geben. Auch hier leistet Liebold mit seiner Rösterei Aufklärungsarbeit und macht öffentlich auf die Missstände aufmerksam. So widmete ihm bereits das Bayerische Fernsehen in den vergangenen Jahren schon mehrere Beiträge.

„Unser Fokus liegt auf dem Ernten der Kirschen im perfekten Reifestadium, eine penible Sortierung nach dem Pflücken und eine perfekte Aufbereitung, speziell im „Honey-Processing“-Verfahren. Nach und nach pflanzen wir dann zusätzlich neuen, frischen Bestand einer definierten Varietät in ausgewählter Lage auf der Farm”, erläutert der Kaffee-Enthusiast.

Hand in Hand

So soll Schritt für Schritt der beste Kaffee Tansanias entstehen. Gemeinsam mit der Familie Maier arbeitet man Hand in Hand: Die Eigentümer beteiligen sich durch die Bereitstellung und Anschaffung von zusätzlichen Hochbetten zum Trocknen und technischem Equipment. Außerdem werden die Mitarbeiter intensiv geschult und bekommen mehr Arbeitszeit zur Verfügung gestellt, um die Aufgaben so perfekt wie möglich durchführen zu können.

Noch dazu erhalten sie bei Erfolg einen Bonus. Genau das ist es, was Liebold so wichtig ist: „Jeder soll von unserer Idee profitieren. Als größter Arbeitgeber der Region sorgen sich die Maiers sehr um das Wohl der Menschen. Ich möchte mit unserem Kaffee dabei helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und zu unterstützen.”

In diesen Tagen kam nun die allererste eigene Ernte des „ETK Research Plots” am Tegernsee an. Die ersten Rohkaffeebohnen in den Händen haltend, hat sich damit Mario Felix Liebolds größter Traum tatsächlich erfüllt: „Kaffee - von der Pflanze bis in die Tasse.“