Lückenschluss IHK Coburg begrüßt Vorstoß zur Werrabahn

Endstation der Werrabahn ist seit 1945 Eisfeld. Foto: /ari

Die Aufnahme in die Liste der wichtigsten deutschen Schienen-Aufbauprojekte schiebt den Lückenschluss der Werrabahn auch in der Region wieder an die Spitze der Tagesordnung. Nun steht jede Menge Arbeit an – nur wer sie übernimmt und bezahlt, bleibt auch am Tag danach offen.

Erfurt/Coburg - Thüringen ist froh über die Aufbaupläne für die Werrabahn (Neue Presse vom Mittwoch) und wartet nun, was Bayern und der Bund dafür tun. So kann man die Reaktion von Multiminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) auf das überraschend klare Bekenntnis der Deutschen Bahn zum Lückenschluss zwischen dem Werratal und Coburg zusammenfassen.

„Die Reaktivierung muss mit klaren Finanzierungszusagen des Bundes und der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan verbunden werden“, zitiert ihn eine Sprecherin des Thüringer Infrastrukturministeriums am Mittwoch. Wichtig sei nun, „dass Vorbehalte auf bayerischer Seite überwunden werden, um länderübergreifend planen und umsetzen zu können.“ Die hohen Hürden bei Planung und Finanzierung seien nur gemeinsam mit Berlin und München zu überwinden, sagte Hoff mit Blick auf die Werrabahn-Lücke Eisfeld–Coburg. Dazu müsse, so Hoff, „Bayern das länderübergreifende Interesse an der Reaktivierung beider Strecken noch stärker bewusst werden“.

Damit spielt der Linken-Politiker zum Einen auf die bisher skeptische Haltung der bayerischen Landesregierung zum Fahrgastpotenzial an, zum Anderen auf die teils erheblichen Widerstände der Lokalpolitik in Oberfranken. Auf der Werrabahn-Trasse stehen in der Gemeinde Lautertal inzwischen Wohnhäuser.

Bei der Werrabahn ist nach wie vor die Wirtschaft die lauteste Befürworterin eines Lückenschlusses. Friedrich Herdan, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg, begrüßt „ausdrücklich die Entscheidung der Deutschen Bahn, den Schienenlückenschluss zwischen Coburg und Südthüringen in die neue Trassen-Reaktivierungsstrategie mit aufzunehmen“. Ebenfalls zu begrüßen sei, dass der Bund für die Reaktivierung von Bahnstrecken finanzielle und rechtliche Voraussetzungen geschaffen habe, zum Beispiel durch die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung, das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz so-wie Regionalisierungsmittel. Die aktuelle Entwicklung zeige die große Bedeutung des Schienenlückenschlusses für den Wirtschaftsraum Nordwest-Oberfranken-Südthüringen mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern und dokumentiere „den deutlichen Nutzen dieses länderübergreifenden Infrastrukturprojekts, den wir bereits mit unserem Gutachten aus dem Jahre 2012 nachgewiesen haben“, betonte Herdan.

Der Lückenschluss stelle eine wesentliche Attraktivitätssteigerung des Schienenpersonennahverkehrs gegenüber dem Individualverkehr dar. Beispielsweise würden täglich über 10 000 Pendler von einer Verkürzung der Entfernung und kürzeren Fahrzeiten profitieren, laut IHK Coburg ein wichtiges Argument auch vor dem Hintergrund der politisch vorgegebenen CO2-Reduzierung. Darüber hinaus könne zusätzliches Fahrgastpotenzial für den ICE-Halt am Coburger Bahnhof erschlossen und damit die Forderung der Region nach Ausbau des ICE-Angebotes bekräftigt werden.

Die IHK treibe das Zukunftsprojekt bereits seit einiger Zeit voran, aktuell durch Initiierung der Interessengemeinschaft (IG) „Schienenlückenschlusses Coburg-Südthüringen“. Ziel dieser IG sei es, darauf hinzuwirken, dass die Freistaaten Bayern und Thüringen ein Raumordnungsverfahren einleiten, um eine für das Projekt geeignete Trasse ergebnisoffen und vorurteilsfrei zu ermitteln. Friedrich Herdan: „Dafür ist der Weg nun frei – der Ball liegt bei der Bayerischen Staatsregierung!“

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass der jahrelange unermüdliche Einsatz aller Beteiligten nun endlich Früchte trägt“, kommentierte Ralf Pieterwas, Chef der IHK Südthüringen, die Nachricht aus Berlin. Mit nachgewiesener Wirtschaftlichkeit seien die Freistaaten Thüringen und Bayern aufgerufen, ein Raumordnungsverfahren einzuleiten, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Ob sie diesem Aufruf folgen, ließen die Minister in München und Erfurt am Mittwoch offen. Beide würden Kosten, Mühen und Risiko gerne auf die DB abschieben, was Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) deutlich sagt.

Wann die langwierigen weiteren Verfahrensschritte starten, steht in den Sternen. „Selbst wenn es sofort losgehen würde, fährt da in 15 Jahren noch kein Zug“, sagte der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller.

Der Gemeinderat von Lautertal lehnt den Wiederaufbau der Werra-bahn auf der alten Trasse zwischen Coburg und Eisfeld ab. Der Coburger Kreistag hatte es im Februar dieses Jahres mit der knappen Mehrheit von 29 gegen 28 Stimmen ebenfalls abgelehnt, sich grundsätzlich für eine Reaktivierung einer Eisenbahnstrecke zwischen dem Coburger Land und Südthüringen auszusprechen. Im Lautertal gebe es nichts mehr zu reaktivieren, die Gleise sind seit Jahrzehnten abgebaut, die Trasse zum größten Teil verkauft und insbesondere in Oberlauter bebaut. Auch der Lückenschluss über Bad Rodach Richtung Hildburghausen sei bei im Raum stehenden Baukosten von 137 Millionen Euro unrealistisch.

Die Planung der gesamten Werrabahn zwischen Coburg und Eisenach dauerte 15 Jahre. Der eigentliche Bau der 130 Kilometer langen Strecke mit ihren 31 Brücken, 242 Übergängen und Unterführungen und einem Tunnel dauerte vom Spatenstich bis zum ersten Zug am 2. November 1858 keine drei Jahre.

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