Provokation ist ihr Geschäftsmodell. Neben Heimatliebe und Musikfolklore freilich, was die Dorfrocker aus dem Haßberge-Dorf Kirchaich im unterfränkischen Steigerwald schon bis ganz oben in der volkstümlichen Partyschlager-Musikwelt gebracht hat. Seit bald 20 Jahren tummeln sich die drei Brüder Tobias, Markus und Philipp Thomann dort, und machen immer wieder auch mit kleinen Skandälchen von sich reden. Ob beim Videodreh mit den blanken Brüsten von Nackt-Model Micaela Schäfer vor dem Altar einer Dorfkirche, einem Veganer-Schmäh-Video, in dem Promi-Sternchen Gina-Lisa Lohfink vor toten Schweinen tanzt und dabei herzhaft in ein Mett-Brötchen beißt, oder zuletzt in ihrem Statement gegen die „Klima-Kleber“, die in einem ihrer Musik-Clips genussvoll mit Gülle bespritzt werden. Nun ist es die Rassismus-Debatte um ein alkoholisches Heißgetränk, das die Dorfrocker auf den Plan ruft. Auf sämtlichen sozialen Netzwerken der Musikanten-Brüder läuft derzeit ein Mini-Clip, der mit dem vielsagenden Satz angeteasert wird: „Was kommt dann als nächstes?“ Gewidmet ist die Parodie, als die sie die Thomann-Brüder umschreiben, der Diskussion um die Namensgebung heißer Schokolade mit Rum auf deutschen Weihnachtsmärkten. Angefacht hatte die Debatte ein Appell an Standbetreiber auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, jenes Heißgetränk nicht mehr „Lumumba“ zu benennen. Der Hintergrund, den bis dato wohl die wenigsten gekannt haben: Patrice Lumumba war ein kongolesischen Freiheitskämpfer und der erste Premierminister des unabhängigen Kongo, der 1961 erschossen wurde. Ein Schwarzer, ermordet durch einen Schuss – dass in den Tassen der Weihnachtsmärkte landauf-landab ein „Kakao mit Schuss“ den gleichen Namen trägt, kam eben manchen eher geschmacklos vor.