Mahnwache und „Spaziergänger“ Kronacher Parallelwelten

Die Organisatorin der Mahnwache „Impfen statt Schimpfen“ zieht eine positive Bilanz. Doch die „Spaziergänger“ haben stärker mobilisiert. Kommt es zu einer Neuauflage?

Kronach - Ihr Lächeln blieb zwar unter einer FFP2-Maske verborgen. Doch die Freude über die gelungene Aktion war Ursula Eberle-Berlips auch so deutlich anzumerken. „Ich denke, das kann sich sehen lassen“, sagte die 57 Jahre alte Küpserin nicht ohne Stolz. Rund 120 Frauen und Männer waren am Montagabend ihrem Aufruf gefolgt und auf den Kronacher Marienplatz gekommen, um unter dem Motto „Impfen statt Schimpfen“ für Solidarität und die Einhaltung der Corona-Restriktionen zu demonstrieren (die NP berichtete) – und das bei Kälte und Nieselregen.

Signal an „Spaziergänger“

Mit weniger als der Hälfte hatte die CSU-Gemeinderätin gerechnet, als sie die Versammlung zusammen mit zwei Mitstreiterinnen in der Vorwoche anmeldet hatte. Und es hätten noch mehr Teilnehmer sein können. „Viele Menschen haben mich angerufen, um ihre Solidarität auszudrücken. Doch nicht alle konnten kommen“, so Eberle-Berlips. Unterm Strich habe man dennoch ein klares Signal an die „Spaziergänger“ gesandt, die Montag für Montag protestierend durch die Innenstadt liefen: Dass man nicht nur gegen, sondern auch für etwas auf die Straße gehen könne. Dennoch: Das Ziel der Organisatorin, der „Mehrheit ein Gesicht zu geben“, erfüllte sich – zumindest mengenmäßig – an diesem Abend nicht. Denn die sogenannten Spaziergänger mobilisierten zeitgleich rund 800 Personen, wie die Polizei mitteilte. So viele waren es bisher noch nie in der Cranach-Stadt gewesen.

Parteienvertreter im Einsatz

Dafür setzte diesmal die Politik ein Signal, denn auch zahlreiche Mandatsträger unterstützten die Mahnwache auf dem Marienplatz. Unter anderem war SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl gekommen, flankiert von einem Großteil der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion. Peter Witton und Edith Memmel von den Grünen waren da, ebenso wie Martina Zwosta und weitere Mitstreiterinnen der Frauenliste. Von den Freien Wählern war der frühere Pressiger Bürgermeister Hans Pietz anwesend, von der CSU der ehemalige zweite Bürgermeister aus Weißenbrunn, Friedrich Thaler.

Solidarität im Fokus

„Wir stehen für Solidarität. Solidarität bedeutet in dieser Pandemie, sich impfen zu lassen“, erklärte Eberle-Berlips in ihrer Ansprache. Weiterhin stehe man „für Vertrauen in die Wissenschaft und gegen Propaganda und Verschwörungstheorien“. Man gedenke der Opfer der Pandemie und stehe an der Seite von Pflegekräften, der Medizin und der Behörden, die teils Übermenschliches zur Bekämpfung von Corona leisteten. Schließlich sei man auch hier, „weil wir uns zu unserer Demokratie bekennen. Wir sagen Nein zu extremen Gruppierungen und Parteien, die sich in zunehmend mehr Köpfen und auf unseren Straßen breit machen“.

AfD „spaziert“ mit

Ob sie damit auch die AfD meinte, ließ die Versammlungsleiterin offen. Deren Kronacher Kreisvorsitzende, Kreisrat Harald Meußgeier, jedenfalls ging am Montagabend gemeinsam mit den 800 anderen Corona-Kritikern durch die Stadt „spazieren“. Das zumindest ist seinem Facebook-Profil zu entnehmen, in dem er auch ein Video des Protestzugs veröffentlicht hat. Die erneut nicht angemeldete Versammlung hatte sich kurz nach 18 Uhr vom Marktplatz aus in Bewegung gesetzt. Rund anderthalb Stunden später endete sie dort auch wieder – ohne, dass es zu Konfrontationen mit den Teilnehmern der Mahnwache gekommen wäre.

Nächste Gegenveranstaltung geplant

Zu diesem Zeitpunkt war die von Ursula Eberle-Berlips und zwei weiteren Mitstreiterinnen organisierte Mahnwache bereits wieder beendet. In zwei Wochen soll erneut eine ähnliche Aktion in der Kronacher Innenstadt stattfinden – dann allerdings organisiert von den Kronacher Grünen, wie Kreisrätin Edith Memmel der NP sagte.

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