Wie könnte die Ausrottung in der Praxis funktionieren?
Zu den bekanntesten neuen Ansätzen zählt die Gene-Drive-Technologie. Dabei werden Tiere genetisch so verändert, dass bestimmte Eigenschaften an nahezu alle Nachkommen weitergegeben werden. Forscher konnten Weibchen der Malaria-Mücke Anopheles gambiae auf diese Weise unfruchtbar machen. Im Labor verschwand eine Population dadurch innerhalb weniger Generationen.
Das von der Bill-Gates-Stiftung finanzierte Projekt „Target Malaria“ plant bis 2030 erste Feldversuche in einem Malaria-Gebiet. In Burkina Faso erlitt das Vorhaben jedoch einen Rückschlag: Dort stoppte die Militärregierung vergangenes Jahr nach Kritik der Zivilgesellschaft und Desinformationskampagnen einen Test mit gentechnisch veränderten Mücken.
Eine weitere vielversprechende Strategie setzt auf das Bakterium Wolbachia pipientis. Werden Ägyptische Tigermücken damit infiziert, können sie Krankheiten wie Denguefieber deutlich schlechter übertragen.
Tod allen Mücken?
Damit stellt sich die Frage, ob die Mücken überhaupt getötet werden müssen. Eine 2025 veröffentlichte Studie zeigte, dass die Freisetzung von mit Wolbachia infizierten Mücken in der brasilianischen Stadt Niterói die Zahl der Dengue-Fälle um 89 Prozent senkte.
Mehr als 16 Millionen Menschen in 15 Ländern seien inzwischen durch diese Methode geschützt worden – „ohne negative Folgen“, berichtet Scott O’Neill, Gründer des World Mosquito Program.
Gentechnische Veränderungen von Anopheles gambiae
Parallel arbeitet das Projekt „Transmission Zero“ daran, mithilfe von Gene-Drive-Technologie Anopheles gambiae so zu verändern, dass die Tiere keine Malaria mehr übertragen können. Forschungsergebnisse, die Ende vergangenen Jahres im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass dieses Ziel näher rückt.
Ein Feldversuch dazu soll 2030 beginnen. Der Fall Burkina Faso habe jedoch gezeigt, dass solche Projekte politische Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz benötigen, erklärt Studienautor Dickson Wilson Lwetoijera vom Gesundheitsinstitut Ifakara in Tansania.
Statt allein auf technologische „Wunderlösungen“ zu setzen, die meist von der Gates-Stiftung finanziert werden, plädiert Biologin Ranson für einen umfassenderen Ansatz im Kampf gegen durch Mücken übertragene Krankheiten. Dazu gehörten ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung und Impfstoffen. Doch genau das wird durch die Kürzungen bei der internationalen Hilfe immer schwieriger.