Die Kritik an Julian Nagelsmann hat in den vergangenen Tagen Ausmaße angenommen, die weit über das Sportliche hinausgehen. Dass das Team angeblich mehr Tage mit der Familie verbracht habe als Trainingseinheiten in Winston-Salem – das mag stimmen oder auch nicht. Als Kritikpunkt taugt es für mich trotzdem wenig. Man erinnere sich an 1990, an den vielleicht erfolgreichsten deutschen WM-Sommer überhaupt: Franz Beckenbauer ließ seine Mannschaft in Italien intensiv mit den Familien zusammen sein – und die lange Leine war einer der erklärten Erfolgsfaktoren. Über das Coaching an sich lässt sich durchaus diskutieren. Aber wer die Familien als Argument heranzieht, sollte das zumindest historisch einordnen.