Medical School in Coburg Ärztenachwuchs in den Startlöchern

27 junge Menschen haben an der Sana Medical School ihre Approbation erhalten. Darunter: Paul und Anna Noe.

27 Absolventen hat der Studienjahrgang 2019/2020 hervorgebracht, neun davon haben einen Arbeitsvertrag bei den Sana Kliniken Oberfranken erhalten. Foto: Sana Medical School

Es ist ein besonderer Moment, als die Absolventen der Sana Medical School an einem sonnigen Septembernachmittag in Coburg ihren Doktorhut in die Luft werfen – ein Bild, das man sonst aus amerikanischen Filmen kennt. Laut der Pressemitteilung der Sana Medical School unterstreicht dieser Moment die Internationalität des Studiums – sechs Jahre in Kroatien und Oberfranken, in Split und Coburg – und markiert den Abschluss eines internationalen Weges zur ärztlichen Approbation.

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Wer heute den Doktorhut wirft, hat demnach seine Approbation erhalten und hat einen international anerkannten Abschluss als Arzt erworben. „Ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird“, formuliert die Cluster-Geschäftsführerin der Sana Kliniken Oberfranken, Melanie John. Ein Tag, den die jungen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit Familie und Freunden feierlich begehen. Die Aula der Hochschule Coburg bilde den passenden Rahmen für die Festveranstaltung. 27 Absolventen habe der Studienjahrgang 2019/2020 hervorgebracht, neun davon haben demzufolge einen Arbeitsvertrag bei den Sana Kliniken Oberfranken erhalten und leisten somit künftig einen Beitrag zur Sicherung der ärztlichen Versorgung für die Region.

Auf der Suche nach einer Alternative

Sie nehmen in diesen Tagen ihre Facharztausbildung in den Kliniken auf. Unter Ihnen: Paul Noe, Jahrgangsbester nach akademischen Leistungen, die er an der School of Medicine im kroatischen Split erbrachte. Der heute 30-jährige Münchner habe sich nach einer Ausbildung zum operationstechnischen Assistenten (OTA) für den Berufsweg als Mediziner entschieden – zu spät, um noch am Erreichen des Numerus Clausus, der an staatlichen Hochschulen nach wie vor das Hauptkriterium ist, zu arbeiten. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Anna habe er nach Alternativen gesucht und die Medical School zu Coburg gefunden.

Die Eheleute Anna und Paul Noe. Foto: Sana Medical School

Das junge Paar absolvierte das Aufnahmeverfahren erfolgreich und schlug gemeinsam den Weg des NC-freien Studiums im kroatischen Split und dem oberfränkischen Coburg ein. Sie verbrachten die ersten drei Jahre an der School of Medicine an der Universität Split, nahmen dort an englischsprachigen Vorlesungen teil und legten ihre Prüfungen ab, bevor sie im Herbst 2022 nach Deutschland zurückkehrten, um hier den klinischen Teil des Studiums zu absolvieren. Im Rahmen der Clinical Rotations lernten sie verschiedene Fachrichtungen in Coburg und Lichtenfels kennen.

Als besondere Herausforderung bezeichne Paul Noe die Zeit an der School of Medicine im kroatischen Split. Auch ihm, dem Jahrgangsbesten, ist keineswegs alles zugeflogen. Auch er spricht über viel Stoff, lange Tage voller Lernen und stressige Prüfungszeiten. Doch der Einsatz habe sich gelohnt: Da er für die zahlreichen Prüfungen keinen Zweitversuch in Anspruch nehmen musste, blieb dennoch genug Zeit für das Studentenleben, sportliche Aktivitäten und Strandtage in Kroatien. Zu Weihnachten und während der längeren Semesterferien im Sommer standen indes Heimatbesuche auf dem Programm.

Studienjahre während der Corona-Pandemie

Was während der Reden laut Pressemitteilung immer wieder deutlich wird: Die Absolventen dieses Jahrgangs hatten es nicht leicht. Mit Studienbeginn im Jahr 2019, also fast von Beginn an, hat die Corona-Pandemie die Studienjahre der jungen Leute geprägt, wie der Geschäftsführer der Sana Medical School, Professor Johannes Brachmann, hervorhebt. An der Hochschule, in den Praxisphasen, bis hin zu den Semesterferien in denen Paul Noe beispielsweise in Impfzentren unterstützend tätig war. Eine herausfordernde Zeit für alle, für die Studierenden insbesondere.

Noch heute erinnert sich Paul Noe an die schwierige Abwägung und schlussendlich Entscheidung, kurz vor den Lockdowns den letzten Flieger von Kroatien nach München zu nehmen, um dann zwar wieder zu Hause, aber eben in einem alles andere als gewöhnlichen Alltag mit vielen Einschränkungen, anzukommen. „Das waren zwar einsame Zeiten, aber es hatte auch etwas Gutes: viel Zeit zum Lernen und wenig Ablenkung“, schmunzelt Paul Noe heute in der Rückschau.

Die Corona-Pandemie und die Regiomed-Insolvenz

Und daher zeichne diesen Jahrgang mehr noch als alle anderen etwas aus: Resilienz. Denn neben den Corona-Jahren erlebten die angehenden Mediziner auch die Regiomed-Insolvenz mit allen daraus folgenden Unwägbarkeiten. Ein Punkt, den auch der ärztliche Direktor des Sana Klinikums Coburg, Georg Breuer, in seiner Ansprache hervorhebt: „Haltet durch! Ihr habt bereits bewiesen, dass ihr es könnt. Ob Prüfungen, Corona oder Insolvenz, die Nachtschichten schafft ihr nun auch noch, denn ihr habt bereits bewiesen, dass ihr unbeirrbar Euren Weg geht.“

Die Nachtschichten im Rahmen der Facharztausbildung werden Paul und Anna Noe – zwischenzeitlich haben sie geheiratet – in Coburg absolvieren: beide bleiben demnach dem Haus erhalten. Paul Noe habe sich für die Facharztausbildung in der Urologie entschieden. Seine Frau Anna Noe, auch sie zählt zu den Besten ihres Jahrgangs, werde ihre Facharztausbildung im Bereich der Inneren Medizin aufnehmen, da sie Allgemeinmedizinerin werden möchte.

Auch im Ehrenamt engagiert

Die gemeinsame Zeit in Kroatien und Oberfranken habe zusammengeschweißt: Gemeinsam mit Kommilitonen und Freunden gründete Paul Noe laut Schreiben im Sommer 2023 den gemeinnützigen Verein COMED – Medizinstudenten in Coburg, der sich als Netzwerk für Medizinstudierende aus dem Raum Coburg versteht. Mit Workshops, Vorträgen und Veranstaltungen solle ein starkes Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung aufgebaut und gepflegt werden. Auch wohltätige Zwecke nehme die Studentenverbindung in den Fokus. Die Mitgliedschaft sei für Studenten kostenlos – perspektivisch kann unter dem Dach auch eine Alumni-Gemeinschaft entstehen.

Bewerbungsstart für das Studienjahr 2026/2027: Ab 1. November können sich Interessierte bei der Sana Medical School für ein NC-freies Medizinstudium bewerben. Kontakt: Natascha Pollmüller Telefon: 09561 9733-2334, E-Mail: natasche.pollmueller@regiomed-kliniken.de