Die Griechen und Römer der Antike wuschen sich gründlich und an jedem Tag. Indes reicht die neuzeitliche Geschichte unserer Sauberkeit, sofern sie den Namen verdient, nicht weit zurück. Wie unreinlich wir Menschen sind, erschnuppern wir in jedem Stadtbus. Aufs Furchtbarste muss unsere Umwelt uns erdulden: "Da Mensch is a Sau", sang schon vor Jahrzehnten in mundartlichem Austropop die "Worried Men Skiffle Group", und seither nahmen unsere Schweinereien auf Erden nur noch zu. Das verraten uns nicht erst die zigtausend Tonnen Plastikmüll, die an den Meeren die Strände ruinieren; schon ein Gang durch unsere heimischen Wälder unterrichtet uns darüber, wie und wo ungesittete Zeitgenossen beispielsweise alte Waschmaschinen zu Grabe tragen. Sogar in Kliniken muss das Etikett "Klinisch rein" nicht viel besagen: Wiederholt warnte die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, dass sich in den Spitälern der Republik jährlich eine Million Patienten mit Keimen infiziert; 40 000 sterben - durchschnittlich 110 an jedem Tag. Im Mittelalter freilich lagen bis zu vier Patienten in einem Bett, ungewaschen, von Ungeziefer zerbissen. Erst das 19. Jahrhundert mit seinen expandierenden Wissenschaften bescherte der Medizin etliche verlässliche Heilmethoden. Mithin stieg in den Hospitälern die Zahl der Patienten - und die Hygiene sank. 1846 beobachtete der ungarische Mediziner Ignaz Semmelweis, dass in zwei Wiener Krankenhäusern die Sterblichkeit von Müttern im Kindbett erheblich differierte: Im einen, wo die Ärzte und Studenten auch Leichen obduzierten, lag sie bei achtzehn, im anderen bei nur zwei Prozent; dort standen Hebammen den Frauen bei. Semmelweis verfiel auf eine simple, sogleich erfolgreiche Gegenmaßnahme: Vom Klinikpersonal verlangte er, vor jeder Untersuchung das "Leichengift" an den Händen mit Chlorkalklösung abzuwaschen - und wurde darum vielfach angefeindet. Heute vor 150 Jahren starb der Pionier der Asepsis bei Wien. Dass dort heute eine Frauenklinik seinen Namen trägt, hat sich Semmelweis redlich verdient.