Warum "blau"? Das Lenbachhaus in München darf sich rühmen, eine unschätzbar wertvolle Sammlung mit Schöpfungen des "Blauen Reiters" zu beherbergen - die größte der Welt. Zu danken hat dies das Museum der Malerin Gabriele Münter; sie überließ ihm 1957 tausend Werke der aufbruchsfroh gestimmten Kunstbewegung als Schenkung, darunter eigene Arbeiten und Bilder ihres Lebenspartners Wassily Kandinsky, von Klee, Macke und von Franz Marc. Darum "blau": Als Signal für Männlichkeit gebrauchte Marc die Farbe, und Gelb nahm er für Weibliches. Mit seinem "Turm der blauen Pferde" gelang ihm eine Ikone des 20. Jahrhunderts, seither zahllos reproduziert als Wandschmuck für Jugendzimmer, Bistros und Boutiquen. Dabei ging das 1913 entstandene Original schon 1945 im Abgrund des Zweiten Weltkriegs unter. Im Abgrund des Ersten versank der Künstler selbst: Heute vor hundert Jahren, nur 36 Jahre alt, verlor er als Soldat bei Verdun durch eine Granate das Leben. Vielleicht erklärt sich die anhaltende Beliebtheit seiner Werke durch die Beschränkung seiner Kompositionen, die sich durch ihre virtuosen Konturen der Klarheit des Kubismus nähern; durch die Strahlkraft seiner Farben; durch deren symbolische Aufladung. Vor allem Marcs Tiergestalten senden poetisch eine rätselhafte Ruhe aus, mit der sie sich von der umfassenden Natur beherrschen und beschützen lassen. "Blaues Land" nannte er die allersüdbayerischste Region um Murnau, Sindelsdorf, Ried und Kochel am See, wegen ihres Lichts. Das wandle, fand er, zu jeder Zeit des Jahrs den Grundton Blau ab. In einem Garten beim Kaffee saßen Kandinsky und Marc, als ihnen der Name für den Expressionisten-Zirkel einfiel: Der eine mochte Reiter, der andere Pferde; und Blau war beider Lieblingsfarbe. 2015 verlieh das Lenbachhaus viele seiner bedeutendsten Exponate ins In- und Ausland. Jetzt sind sie wieder, wo sie hingehören. Stolz heißt die aktuelle Schau des Hauses: "Der Blaue Reiter kehrt zurück".
Meinungen Grundton des Lichts
Von Michael Thumser 04.03.2016 - 00:00 Uhr