Bei ihrem Besuch in Washington hat US-Präsident Barack Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel einen ganz großen Bahnhof bereitet. Pomp und Protokoll hätten königlicher kaum ausfallen können: privates Dinner mit den Obamas, Begrüßung mit militärischen Ehren vor dem Weißen Haus; schließlich Staatsbankett inklusive Verleihung der Freiheitsmedaille. Nur ganz wenigen Staatschefs wird eine solche VIP-Behandlung zuteil. Fast könnte man annehmen, dass im Verhältnis zwischen Washington und Berlin alles zum Besten steht. Und das Gerede der roten und grünen Opposition von der Krise der transatlantischen Beziehungen genau das ist: Gerede. Ohnehin entbehrt es nicht der Ironie, dass heute genau die vor einer Entfremdung warnen, die in der Ära George W. Bush ein gehöriges Maß an Mitverantwortung dafür getragen haben, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen den kältesten Punkt in der Nachkriegszeit erreichten.