Doch deutete er seinen Tod so, wie es einem Pfarrer seinesgleichen und überhaupt jedem Christenmenschen gut ansteht: Ihm galt sein Ende im April 1945, so ungerecht und schmählich es war, als "Beginn des Lebens" - so seine letzten überlieferten Worte. Der Geistlichkeit warf der 1906 in Breslau geborene Geistliche schonungslos vor, "schuldig geworden" zu sein "am Leben der Schwächsten", stumm geblieben zu sein dort, wo "das Blut der Unschuldigen zum Himmel schrie" und wo die Kirche ihrerseits "hätte schreien müssen". Schon 1933, gleich nach der Machtübergabe an Adolf Hitler, warnte er vor der braunen Tyrannei; um 1940 fand er sich bereit, aktiv an einer Verschwörung gegen den "Führer" teilzunehmen. Am 5. April 1943, fast auf den Tag genau zwei Jahre vor seiner Ermordung, widerfuhr ihm, was er längst hatte kommen sehen: Die Gestapo arretierte ihn und brachte ihn isoliert in einer schmutzigen Zelle des Polizeigefängnisses in Berlin-Tegel unter. Unerschütterlich in seiner humanistischen Haltung und in seinem Glauben, fand er dort die Kraft, seine Eltern brieflich zu trösten: Die "Nötigung, sich innerlich zurecht- und abzufinden mit einer völlig neuen Situation", lasse "das Körperliche völlig unwesentlich werden. Das empfinde ich als eine wirkliche Bereicherung meiner
Erfahrung." Immerhin wurden ihm später erträglichere Haftbedingungen zugestanden. "Ich glaube, dass mir nichts Sinnloses widerfährt", notierte er, "und dass es für uns alle gut so ist, wenn
es auch unseren Wünschen zuwiderläuft." Noch in seiner letzten erhaltenen geistlichen Stellungnahme bekannte er, sich "von guten Mächten treu und still umgeben" zu wissen. Brächten mehr Menschen nur einen Bruchteil
auf von Dietrich Bonhoeffers
Opfermut und Leidensbereitschaft, die Welt sähe anders aus: menschlicher.