was wären Hitchcocks "Vögel" ohne die bedrohliche Musik? Wäre "Die Brücke am Kwai" nicht nur irgendein britisch-amerikanischer Kriegsfilm ohne den berühmten "River-Kwai-Marsch"? Wer sieht nicht Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" gitarrespielend im Fenster sitzen, wenn er "Moon River" hört; oder Riesenlettern in den Weiten des Weltalls immer kleiner werden, wenn das Hauptthema der "Star-Wars"-Saga erklingt; oder ein Segelschiff in der Abendsonne verschwinden, wenn in "Herr der Ringe" Annie Lennox "Into the West" singt? - Ohne Musik, die Stimmungen malt, die Handlung transportiert und Spannung erzeugt, wäre Kino nur halb so intensiv, nur halb so schön. Das wusste man schon zu Stummfilmzeiten und unterlegte die ersten laufenden Bilder mit ausdrucksstarken Klängen. Seit 1935 - acht Jahre nach dem ersten Tonfilm "Der Jazz-Sänger" - honoriert die Academy of Motion Picture Arts and Sciences jedes Jahr die unschätzbare Leistung von Komponisten und Musikern und belohnt die beste Filmmusik und den besten Filmsong mit Oscars. Nachdem in den Dreißigerjahren der Komponist Erich Wolfgang Korngold zwei Oscars gewonnen hatte, vertritt seit Ende der Achtziger vor allem der 1957 in Frankfurt am Main geborene Hans Zimmer die deutschen Fahnen bei Hollywoods oscarreifen Filmmusiken: Für "Der König der Löwen" nahm er 1995 die Trophäe entgegen, neun weitere Male war er bisher unter den letzten fünf Kandidaten. Wenn jetzt, in der Nacht zum Montag unserer Zeit, in Los Angeles die Oscars verliehen werden (Pro sieben ab 23.05 Uhr), sind wieder zehn Komponisten unter jenen, die die Entscheidung mit feuchten Händen erwarten. Eine Ausnahme ist John Williams, der in diesem Jahr für "Star Wars: Das Erwachen der Macht" nominiert ist: Der 84-Jährige macht dieses Warten auf die Auflösung von "... and the winner is ..." bereits zum 50. Mal durch; fünfmal hat es für ihn schon geklappt.
Meinungen Oscarreife Töne
Von Kerstin Starke 27.02.2016 - 00:00 Uhr