Harry Potter kann tatsächlich zaubern. Nicht nur, dass er Millionen von Kindern vom Computer weg und mit der Nase zwischen Buchdeckel gehext hat; er bringt immer mehr dazu, in englischer Sprache zu lesen. Somit ist dem Zauberer in nur knapp 20 Jahren gelungen, was Englischlehrer seit Generationen mit Mühe versuchen: Junge Menschen wollen von sich aus Bücher lesen, und wenn es sein muss, dann eben auf Englisch. Das belegt die Tatsache, dass "Harry Potter and the Cursed Child" seit seinem Erscheinen im Juli auf Platz eins der deutschen Bestsellerliste steht, weil viele nicht auf das Erscheinen der deutschen Übersetzung im September warten wollen. Das Lese-Fieber scheint auf andere Werke auszustrahlen. "Das Interesse an englischsprachigen Büchern ist in den letzten Jahren gestiegen", meldet der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Eine Entwicklung, die eine Kurzumfrage in der Region zumindest teilweise bestätigt. So hat Annette Berghoff von der Buchhandlung Riemann in Coburg festgestellt, dass neben den "Harry Potter"- Büchern, mit denen das Englisch-Lesen vieler ihrer Kunden begann, auch Originalbücher von Autoren wie Jojo Moyes oder Ben Aaronovitch gekauft werden. "Wohl auch", sagt sie, "weil im Original der englische Humor besser zum Tragen kommt und Übersetzungsschwächen wegfallen." Während ein Buchhändler in Marktredwitz keinen nennenswerten Anstieg bemerkt, verzeichnet Renate Fuchs von der Hofer Buchhandlung Kleinschmidt einen saisonalen Anstieg englischsprachiger Literatur im Sommer. Das könnte daran liegen, dass man im Urlaub mehr Zeit hat. Viele wollten mit der Lektüre aber auch die einmal gelernte Sprache am Leben erhalten. Und wenn man mit einem Buch beginnt, dessen Inhalt man - in der Übersetzung oder als Film - schon kennt, sollte die Hemmschwelle auch nicht zu hoch sein.
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Von Kerstin Starke 30.08.2016 - 00:00 Uhr