Denn an Bord befand sich - in Stücke zerlegt und der Endmontage auf Bedloe's Island harrend - "Lady Liberty". 200 000 Menschen sollen der Freiheitsstatue bei ihrem Einzug in New York von den Docks und von Schiffen aus zugejubelt haben; als Kosten entstanden, verebbte der Jubel. Frankreich schenkte den USA die römische Göttin der Freiheit - als Symbol für die Unabhängigkeit, die die einstigen Kolonien 100 Jahre zuvor von den europäischen Mächten erkämpft hatten: Die Strahlen ihrer Krone stehen für die sieben Weltmeere, die 25 Fenster darunter für die Edelsteine der Welt; der Fuß der Statue ruht auf zerbrochenen Ketten, die Fackel in ihrer Rechten steht für Aufklärung, ihre Linke hält eine Tafel mit dem Datum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Für den Sockel indes, so die Geber, sollten die Beschenkten sorgen. Aus diesem Grund dauerte es noch bis Oktober 1886, bis das 93 Meter hohe und 204 Tonnen schwere Denkmal feierlich eingeweiht werden konnte. Die Idee zu dem Geschenk hatte der Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi aus Colmar schon in den 1860er-Jahren. Während sein Plan nach dem Sturz Napoleons III. in der Dritten Republik weitgehend auf Zustimmung stieß und Spendengelder erhielt, hatte er jenseits des Atlantiks mit deutlich mehr Ablehnung zu kämpfen. In der Depression nach Ende des Sezessionskrieges (1861 bis 1865) hatten die Menschen andere Sorgen, als einen Sockel zu finanzieren für ein - unerbetenes - Geschenk. Erst eine Spendenaktion von Joseph Pulitzer und seiner Zeitung New York World ermöglichte den Bau und somit die Errichtung eines der Wahrzeichen der USA. 1984 wurde die Freiheitsstatue auf Liberty Island, wie die Insel seit 1956 offiziell heißt, ins Unesco-Welterbe aufgenommen und ist heute einer der Touristenmagnete New Yorks.
Meinungen Symbol der Freiheit
Von Kerstin Starke 17.06.2015 - 00:00 Uhr