Melchior-Otto-Tag Kronacher erfüllen ihren Schwur

Heike Schülein
Das traditionelle Foto: Heike Schülein

Coronabedingt konnte der Melchior-Otto-Tag am Sonntag wieder nicht in gewohnter Form stattfinden. Dennoch wurde auch heuer in Kronach der Festtag in würdevoller Art und Weise begangen.

Kronach - Ein innig-ergreifendes Glaubensbekenntnis, Quell der Hoffnung und des Zusammenhalts: Das ist der Melchior-Otto-Tag alljährlich am Sonntag nach Sebastiani. Auch am Sonntag stand die Obere Stadt – rechnerisch nunmehr bereits zum 368. Mal – im Zeichen des bewegenden Stücks Kronacher Stadtgeschichte, wenngleich wie im Vorjahr weder ein Festzug, noch das Salutschießen und eine Ehrenbekundung möglich waren.

Mit Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann lag der Pfarrei sowie der Stadt sehr daran, das Gelübde der Vorfahren weiterhin zu erfüllen. Deshalb zog die Bürgermeisterin mit den Räten der Stadt vom Rathaus zur Stadtpfarrkirche. Hier wurde das Lobamt begangen, wozu Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber insbesondere Vertreter der historischen Kronacher Szene begrüßen konnte. Sehr freute er sich auch über die Teilnahme evangelischer Mitchristen, darunter auch Pfarrer Achim Geber.

In seiner Predigt ging der Stadtpfarrer insbesondere auf das Münchner Missbrauchsgutachten ein, das er „einfach nur als furchtbar“ erachtete. „Ich schäme mich zutiefst, dass die Kirche eine solche Vergangenheit hat“, fand er deutliche Worte. Er könne die Vergangenheit leider nicht ungeschehen machen, aber mit dafür sorgen, dass solche Vorkommen in der Gegenwart und Zukunft ausgeschlossen sind. Sicherlich nicht wenige Menschen, die noch zu ihrer Kirche stehen, müssten sich heute regelrecht rechtfertigen, noch „in diesem Verein“ zu bleiben. Für ihn sei jeder Kirchenaustritt wie ein Stich ins Herz. Dies gelte umso mehr, wenn er an all das Gute denke, das die Basis, Kirchengremien oder Institutionen wie beispielsweise die Caritas für die Menschen leisteten. „Im Angesicht von Schuld hilft nur Wahrhaftigkeit“, verinnerlichte er. Er selbst könnte angesichts dieser Verantwortung wohl keine Nacht mehr schlafen. „Mein Platz ist in der Basis“, verdeutlichte er. Schuld und Versagen dürften nicht vergessen werden. Es bedürfe des Sakraments der Beichte – mit einer sorgfältigen Gewissenserforschung, eines demütigen Schuldeingeständnisses, einer ehrlichen Reue und eines klaren Akts von Wiedergutmachung als Buße. Ein Missbrauch von Kindern und aller Schutzbefohlenen dürfe es in der Kirche niemals mehr geben. Deren Aufgabe sei es nun, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. „Die Kirche muss ein Schutzraum für Kinder und Schutzbefohlene sein“, appellierte er, dass diese ebenso an der Seite der Schwachen und Kleinen stehen müsse, wie es auch Jesus tue.

Die Fürbitten wurden von Mitgliedern der historischen Szene vorgetragen. Stimmungsvoll musikalisch umrahmt wurde das Lobamt von Joseph Stengel sowie Lygia Wagenführer als auch vom Organisten Rainer Endres. Joseph Stengel wird auch – wie der neue Stadtvogt Jens Schick ankündigte – neuer städtischer Spielmann.

Mit dem „Ewigen Jahrtag“ gedenkt man in Kronach des großherzigen Gönners der Stadt, Melchior-Otto, Voit von Salzburg. Ihm zu Ehren ziehen üblicherweise an dem Tag historisch gewandte Gruppen vom Alten Rathaus in der urkundlich vorgegebenen Formation mit den Stadtoberen sowie Ratsherren am Morgen zum Gotteshaus. Nach dem Lobamt versammeln sich diese auf dem Melchior-Otto-Platz zur Ehrenbekundung, begleitet von Salut-Schüssen der Cronacher Ausschuss Compagnie sowie einem Kanonenschuss durch die historische Bürgerwehr Kronach. Eine schöne Tradition des Gedenktags ist auch der kirchenpolitische Akzent. Alljährlich treffen sich im Anschluss Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche zur Besprechung mit den Stadtoberen. Im Zeichen der Ökumene wird über gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Probleme der Kommune beraten. All dies war heuer leider wiederum nicht möglich.

Zurück geht das Versprechen auf die großzügigen Geschenke bzw. Privilegien des ehemaligen Bambergischen Landesherrn an die Kronacher. So hatte der Fürstbischof 1651 die Stadt mit einem neuen, adeligen Wappen bedacht, den (Ober-)Bürgermeister mit einer „güldenen Kette“ sowie den Ratsherren mit spanischem Habit – als Belohnung für ihr tapferes Verhalten im Dreißigjährigen Krieg und für ihr Leid während der Pestzeit. Von seiner Großherzigkeit zeugen die Melchior-Otto-Säule und die Benennung des Melchior-Otto-Platzes. Die steinerne Säule mit dem „neuen“ Stadtwappen wurde von den Kronacher Bürgern aus Dankbarkeit errichtet. Noch zu Lebzeiten gestiftet, versprachen sie, auch nach seinem Tod am 4. Januar 1653 ihm zu Ehren, ein jährliches Lobamt am „Ewigen Jahrtag“. Den Schwur hielt man seitdem mit nur wenigen Unterbrechungen.

 

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