Melchior-Otto-Tag Kronacher erfüllen uralten Schwur

Heike Schülein

Ein lebendiges Stück Stadtgeschichte ist der alljährlich begangene Melchior-Otto-Tag. Auch am Sonntag erinnerte man wieder stilecht an den großherzigen Gönner Kronachs und erfüllte damit einen uralten Schwur.

Weiß-graue Rauchschwaden zogen am Sonntagmorgen über den Melchior-Otto-Platz. Als Ehrensalut an den Fürstbischof wurden bei der Ehrensäule Schüsse aus den Lunten-Musketen abgefeuert. Obrist-Wachtmeister Walter Schinzel-Lang erteilte hierzu der Cronacher Ausschuss Compagnie das Kommando.

Schon seit jeher geht vom immerwährenden Melchior-Otto-Tag ein besonderer Zauber aus. Eine ehrenvolle Aufwertung erhält der Gedenktag durch die Beteiligung von Kronach historischer Szene. Auch heuer waren die historisch gewandeten Gruppen vom Alten Rathaus in der urkundlich vorgegebenen Formation zur Stadtpfarrkirche gezogen. Hier wurde das Lobamt begangen, an dem wieder – neben Bürgermeisterin Angela Hofmann und ihrem Stadtrat – in guter ökumenischer Gemeinsamkeit auch evangelische Mitchristen teilnahmen. Zelebriert wurde dieses von Domkapitular Thomas Teuchgräber voller Freude, den Gedenktag heuer wieder in gewohnter Art und Weise feiern zu können.

Neue Kasnterin

Der Stadtpfarrer rief unter anderem dabei in Erinnerung, dass Melchior Otto 1647 mit Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn Gründer und Namensgeber der Bamberger Otto-Friedrich-Universität sei. Er habe damals die gleichen Ziele verfolgt wie wir heute: Ordnung und Frieden: Themen, die heute wichtiger denn je erschienen. Mitglieder der historischen Szene trugen die Fürbitten vor. Die stimmungsvolle musikalische Umrahmung des Lobamts oblag Nachwuchsmusikern der Berufsfachschule für Musik in Kronach. Am Ende des Gottesdienstes wurde Nadine Zwingmann dann in ihr Amt als neue Kastnerin eingeführt. Nachdem das Bischofsamt in der Erzdiözese Bamberg derzeit vakant ist, oblag dem Stadtpfarrer die ehrenvolle Aufgabe, ihr den Amtseid abzunehmen. Hintergrund war, dass der Stadtvogt als bischöflicher Beamte, aber auch der Kastner einst in hochstiftlicher Zeit vom jeweiligen Landesherrn – sprich den Fürstbischöfen – ernannt und abberufen wurden. Dieses historische Reglement wollte man beibehalten. Neben der Ernennungsurkunde aus Händen des Stadtpfarrers, der Nadine Zwingmann per Handschlag offiziell in ihr Amt berief, überreichte ihr Stadtvogt Jens Schick noch die Schlüssel der leider leeren Kasse. Nadine Zwingmann folgt auf Kastner Richard Chalupa, der sein von ihm von 2011 bis 2021 bekleidetes Amt aufgrund seines Wegzugs aufgab. Seitdem war das Amt vakant.

Gute Wünsche auf Chinesisch

Nach dem Gottesdienst versammelten sich auf dem Melchior-Otto-Platz die Honoratioren der Stadt, Stadtvogt und Viertelmeister sowie viel historisch gewandetes Volk. Sie alle gedachten am „Ewigen Jahrtag“ des Gönners der Stadt. Bürgermeisterin Angela Hofmann dankte ihnen sowie dem Stadtpfarrer für das Aufrechterhalten der schönen alten Tradition. Ihren Worten schlossen sich Stadtvogt Jens Schick sowie Walter Schinzel-Lang an. Der Obrist-Wachtmeister nutzte die Gelegenheit, nachdem heuer der Gedenktag auf das chinesische Neujahr fällt, allen Anwesenden auf Chinesisch alles Gute für 2023 zu wünschen.

Die Bürgermeisterin erinnerte auch an die großzügigen Privilegien an die Kronacher. So hatte der ehemalige bambergische Landesherr 1651 die Stadt mit einem neuen, adeligen Wappen bedacht, den (Ober-)Bürgermeister mit einer „güldenen Kette“ sowie den Ratsherren mit spanischen Habit – als Belohnung für ihre Tapferkeit und Treue im Dreißigjährigen Krieg. Von dessen Großherzigkeit zeugen die Melchior-Otto-Säule und die Benennung des Platzes in der Oberen Stadt.

Die steinerne Säule mit dem „neuen“ Stadtwappen wurde von den Kronacher Bürgern aus Dankbarkeit errichtet. Noch zu Lebzeiten gestiftet, versprachen sie, auch nach seinem Tod am 4. Januar 1653 ihm zu Ehren ein jährliches Lobamt am „Ewigen Jahrtag“.

Kirchenpolitischer Akzent

Eine schöne Tradition des Gedenktags ist auch der kirchenpolitische Akzent. Alljährlich treffen sich nach der Ehrbezeugung die örtlichen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, um mit den Stadtoberen anstehende Probleme zu besprechen – so auch in diesem Jahr. Dabei berieten sie im Zeichen der Ökumene über die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Kommune, während die historisch Gewandeten den Gedenktag in fröhlicher Runde ausklingen ließen.

 

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