Gab es in der jüngeren Vergangenheit Kohlebrände in der Region?
"Also mir ist nichts dergleichen bekannt", sagt Bergbauingenieur Kreßner. Einen Brand, bei dem das sogenannte Flöz - also die Lagerstätte von Kohle - in Brand geriet, gab es ihm zufolge vor mehr als 160 Jahren in Zwickau. Dort hatte es über mehrere Jahrhunderte gebrannt, bis 1860 die Flammen endgültig gelöscht wurden. Dabei handelte es sich um eine Steinkohlenlagerstätte.
Jedoch seien Flözbrände in Steinkohlenlagerstätten mit der derzeitigen Situation in Meuselwitz nicht zu vergleichen, betonte Kreßner. Steinkohle hat ihm zufolge einen deutlich höheren Energiegehalt und ist tiefer gelagert. Dadurch komme man zum Löschen noch schwieriger an die brennenden Bereiche - in Zwickau brannte es ihm zufolge in Tiefen von mehreren hundert Metern.
Ist ein jahrelanger Brand möglich?
Nein, sagen die Experten. In den USA schwelt etwa in Centralia im US-Bundesstaat Pennsylvania seit 1962 ein Kohlebrand. Dieser ließ die Straßen aufplatzen und machte den Ort zu einer Geisterstadt. Mehr als 60 Jahre später schwelt der Brand noch immer und wird dies wohl noch Jahrzehnte tun. Nach dem Entstehen des Brandes sei allerdings nicht unmittelbar eingegriffen worden - "und dann ist es im Grunde aus dem Ruder gelaufen", sagt Rudolph.
Das sei jedoch absolut nicht mit der Situation in Meuselwitz vergleichbar. "Das ist ein Sonderfall und den kann man so erst mal nicht auf andere Produktionsstandorte der Steinkohle oder auch Braunkohle übertragen", betonte der Geologe. Durch die Flutung solle der Brand bald gelöscht sein. "Man ertränkt sozusagen den Kohlenstaub in Wasser, macht den wieder feucht und dann brennt da auch nichts mehr", so Rudolph.
Wie sieht es heute in der Region rund um die Kohleförderung aus?
Vor der Wende wurden Kreßner zufolge in Ostdeutschland jährlich bis zu 300 Millionen Tonnen Kohle in 39 Tagebauen abgebaut. Heutzutage gibt es noch zwei Tagebaubetriebe in Mitteldeutschland - in Profen und im Vereinigten Schleenhain - sowie drei in der Lausitz. "Dort ist die Produktion entsprechend zurückgegangen." Mittlerweile werden in Mitteldeutschland 11,5 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr abgebaut und in der Lausitz 34,6 Millionen Tonnen. Dementsprechend ist die LMBV an mehreren Orten in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Nachsorge der ehemaligen Kohlebergbauflächen beauftragt.