Michl Müller Der „Dreggsagg“ ist zurück

Da hatte aber jemand Nachholbedarf: Rund drei Stunden unterhält Michl Müller am Sonntag in Eyrichshof sein Publikum. Es gibt aber auch viel zu berichten aus der Corona-Zwangspause – von der Maske mit Eingriff bis zum Thermomix-Abend im Video-Call.

Man weiß gar nicht, wer glücklicher ist, dass er wieder auftreten kann: Michl Müller oder sein Publikum. Der selbst ernannte „Dreggsagg“ aus der Rhön war am Sonntagabend in Eyrichshof jedenfalls so gut aufgelegt, dass er gut drei Stunden durchspielte. Und wie man aus den vergangenen beiden Jahren gelernt hat, gibt es nun einmal Dinge, die verdammt ansteckend sind – zum Glück auch gute Laune.

Rund 1500 Besucher füllen diesmal den Schlosshof, neben einem strahlenden Michl Müller blendet anfangs noch die gleißende Abendsonne. Ja, es geht heiß her in diesen Tagen in Ebern. Den Temperaturen zum Trotz fordert der Kabarettist sein Publikum von Anfang an: Aufstehen, Mitklatschen – „das simmer ja gar nimmer gewohnt“, zeigt sich Michl Müller verständnisvoll für seine noch etwas eingerostete Fangemeinde. Auch er selbst muss ja erst einmal wieder reinfinden in seinen Bühnenberuf. Immer wieder diese Spannung: „Hocken überhaupt welche da? Und wenn ja: Wie schauen sie aus?“ Vor einem Jahr sei man ja mangels Alternativen um diese Zeit schon im Bett gewesen.

Davon ist man an diesem Abend in Eyrichshof weit entfernt. Zwei Jahre Pandemie mit sämtlichen Randerscheinungen müssen schließlich aufgearbeitet werden. Die Zeit nämlich, in der anfangs noch jeder seine Masken selbst geschneidert hat, auch gern mal aus alten Unterhosen, wie Michl Müller berichtet – und sich dann im Nasenbereich über den handlichen Eingriff wunderte. Die Zeit aber auch der Video-Konferenzen samt technischer und tonaler Verbindungsprobleme: „Da klingt’s dann manchmal so wie an Allerheiligen, wenn der Lautsprecher verreckt ist.“ Und die Zeit der neuen Häuslichkeit natürlich, beim Müllers Michl „dehemm“, im kleinen Garitz bei Bad Kissingen, wo der 50-Jährige seit drei Jahren sein Elternhaus umbaut und wort- und pointenreich darüber erzählen kann.

Auch von der neuen Konfession der „Thermomix-Trullas“ weiß er zu berichten – in Deutschland gibt es schließlich „katholisch, evangelisch, Thermomix“, und wer italienischen Brotaufstrich, Eierlikör und gebrannte Mandeln gleichzeitig als Mitbringsel erhält, weiß gleich, womit er es zu tun hat. Absurd wird es dann, wenn der Thermomix-Abend ebenfalls ins Homeoffice verlegt wird: „Das Sinnloseste was ich je gemacht hab“, wie der Rhöner bekräftigt, und das will ja was heißen. Da kann es kaum merkwürdiger sein, wenn der Metzger seinen Beruf ins Homeoffice verlegt und die Sau plötzlich mit auf dem heimischen Sofa sitzt: Was wäre das für ein zartes Fleisch, wenn sie vorm Schlachten noch Rosamunde Pilcher gucken dürfte...

Durcheinander geht es, mal musikalisch mit Liebesliedern für die „Ünnerhos“ und den Akkuschrauber, dann wieder philosophisch über den Deutschen und seine nicht minder deutsche „Übergangsjacke“, und selbst kritische Töne klingen durch. Die Maske könne übrigens als Pandemie-Relikt ruhig bleiben, findet Michl Müller: „Wenn ich die aufhab, verstehen mich sogar die Oberpfälzer“, sagt er und intoniert gekonnt die dunklen, gedämpften Laute. Verstanden wird der Rhöner auch von den Ostunterfranken, zahlreiche Eberner sind an diesem Abend herüber gepilgert – das Kabarett an diesem Altstadtfestsonntag findet eben nicht im Rathaus-, sondern im Schlosshof statt.

Die fast zweijährige Auftrittspause merkt man Michl Müller nicht an. Die Gags zünden, und das Feuerwerk gut einstudierter Anekdoten weiß auch dort zu gefallen, wo die eine oder andere Pointe vielleicht schon aus Veitshöchheim bekannt ist. Dort hat Michl Müller seit 2007 einen Stammplatz bei der Fastnacht in Franken.

Apropos Platz: Ob Sarah und Roland ihren Sitzplatz jemals wieder in der ersten Reihe buchen? Das Eberner Pärchen hatte sich der „Dreggsagg“ im Publikum ausgeguckt und dessen Beziehung „in drei Sekunden analysiert“, wie Michl Müller behauptet. Die Lacher geben ihm jedenfalls recht.

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