Missbrauch in Neustadt Eltern müssen lange ins Gefängnis

Ein drastischer Fall des sexuellen Missbrauchs wurde vor dem Landgericht Coburg verhandelt. Foto: Henning Rosenbusch

Vater und Mutter hatten sich mehrfach an ihrer Tochter vergangen. Weil wohl auch die anderen Kinder Opfer wurden, droht ein weiterer Prozess.

Coburg - „Die Kammer hat nicht den Hauch eines Zweifels“, so die Vorsitzende Richterin Jana Huber nach der Verkündung des Urteils der Großen Jugendkammer am Landgericht Coburg. Das Verfahren habe einen drastischen Fall des sexuellen Missbrauchs offengelegt, begangen von Vater und Mutter an der eigenen Tochter.

Ein 48-jähriger Mann und eine 34-jährige Frau aus Neustadt hatten sich mehrfach an ihrer sechsjährigen Tochter vergangen. Davon hatte der Vater Fotos und Filme gemacht, um sie im Internet mit Pädophilen zu teilen (die Neue Presse berichtete). Nachdem die Chatgruppe ins Visier von Ermittlern geraten war, klingelten Polizeibeamte bald auch an der Tür des Ehepaars aus dem Landkreis Coburg. So kam es zu dem Verfahren, das für die Mutter mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten endete. Ihren Mann verurteilte die Kammer zu sieben Jahren Haft. Beide seien schuldig des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, so die Richterin.

Die beiden Angeklagten haben fünf gemeinsame Kinder. Die Richterin betonte: „Das Leben der Kinder, und zwar aller, ist zu einem Scherbenhaufen geworden.“ Denn „höchstwahrscheinlich“ habe das Verfahren längst nicht alles, was in der Familie vorgefallen war, aufgearbeitet. Es gebe mehr als einen Anhaltspunkt, dass auch die anderen Kinder missbraucht wurden. Welche weiteren juristischen Folgen das für die Eltern haben werde, hänge von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab. Abwegig sei es jedenfalls nicht, dass beiden Beschuldigten ein weiterer Prozess drohe.

Nicht nachvollziehen und verstehen kann die Kammer nach Hubers Worten, dass es dem 48-Jährigen an Einsicht fehle. So habe er seine Behauptung aufrechterhalten, dass er „aus Versehen“ auf die Pädophilen-Gruppe im Internet gestoßen sei. „Das glaubt das Gericht einfach nicht“, so die Richterin. Vielmehr habe der 48-Jährige bewusst den Kontakt zu anderen Pädophilen gesucht. Inakzeptabel sei zudem die Auffassung, das Kind habe freiwillig sexuelle Handlungen an sich vornehmen lassen. „Es gibt beim Missbrauch kein freiwilliges Mitmachen von Kindern“, sagte Jana Huber. Kinder könnten weder begreifen noch einordnen, was bei sexuellen Übergriffen geschehe. Schon deshalb seien sie gar nicht in der Lage, sich erfolgreich zu wehren. Von den Tätern würden sie zu bloßen Objekten erniedrigt.

Die Kinder seien mittlerweile bei Pflegefamilien oder im Heim untergebracht. Den Vertrauensbruch könnten die Eltern nie wieder gutmachen, meinte die Richterin. Immerhin habe sich die Mutter „dazu aufgerafft“, doch noch ihre Beteiligung einzuräumen. Das wirkte sich auch auf das Strafmaß aus. Die fehlende Einsicht des Vaters hinterließ Kopfschütteln bei Berufsrichtern und Schöffen.

 

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