Mit vielen Bildern Bauernverband feiert Kreiserntedankfest in Küps

Ein Bekenntnis zur Heimat ist das Kreiserntedankfest des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Kreisverband Kronach, gewesen, das in Küps gefeiert wurde.

Küps - Ein Bekenntnis zur Heimat ist das Kreiserntedankfest des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Kreisverband Kronach, gewesen, das in der Schulturnhalle Küps gefeiert worden ist.

Festredner Rainer Prischenk, Bereichsleiter Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Oberfranken, ging in seinem Referat auf Diversifizierung und strategische Unternehmensberatung ein. Schon dieser Titel belege, welch komplexe Angelegenheit Landwirtschaft heute sei. Mit Blick auf Natur-, Umwelt-, Arten- und Klimaschutz zeigte er auf, dass der Landkreis Kronach mit 23,4 Prozent ökologischem Landbau oberfrankenweit an der Spitze rangiere. 329 Hektar an Blühflächen betreuten Landwirte freiwillig und kostenlos. Auch die Oberflächengewässer befänden sich in einem guten ökologischen Zustand. Die Gülle-Injektion erfolge in großen Teilen bodennah. Der Strukturwandel sei jedoch spürbar, sagte Prischenk. Seit 2010 sinke die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe jährlich um 1,3 bis 1,5 Prozent, von 759 auf 676, davon 80 Prozent im Nebenerwerb. Diese 676 Betriebe erhielten jährlich nur zwei Auszubildende.

Viel Potenzial sehe er noch bei der Vermarktung regionaler Produkte, sagte der Bereichsleiter. Hier müssten staatliche und Unternehmens-Kantinen bedient werden. Auch für Essen in Kindertagesstätten und in allen Schultypen müssten regionale Produkte zum Einsatz kommen. Das Projekt „Erlebnis Bauernhof“, wie es von Kreisbäuerin Rosa Zehnter und ihrer Stellvertreterin Marina Herr in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen praktiziert werde, sei der richtige Weg, um das Bewusstsein für die Arbeit auf dem Bauernhof und die Wertschätzung von Nahrungsmitteln zu stärken. Auch andere Angebote verfolgten dieses Ziel. Kronach sei im Hinblick auf die bayerische Agrarpolitik ein Musterlandkreis, meinte Prischenk. Man müsse das Gute aber nicht nur tun, sondern auch darüber reden und schreiben.

BBV-Kreisobmann Erwin Schwarz bemängelte die Akzeptanz der Bürger für Nahrungsmittel und deren Erzeuger, die landwirtschaftlichen Betriebe. So würden Bauern oft als „Giftversprüher“ bezeichnet, obwohl sie mit den Mitteln nur ihre Pflanzen vor Schädlingen schützten. Darüber mache sich jedoch niemand in der Bevölkerung Gedanken, kritisierte Schwarz. Ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel reduziert laut Schwarz die Erzeugung von Lebensmitteln um 50 Prozent. Viel werde davon gesprochen, dass die Landwirtschaft gebraucht werde. Dabei wüssten die Menschen aber nicht, dass es sich dabei um einen Knochenjob handle und zwar sieben Tage in der Woche. Bauern streikten nicht und legten ihre Arbeit nicht nieder, wenn sie eine ordentliche Bezahlung forderten, sagte der Kreisobmann. Der Verbraucher sollte überlegen, was wäre, wenn Landwirte ihre Produktion kurzfristig einstellten, ihre Arbeiter in Kurzarbeit schickten oder entließen. Schwarz ging auch auf die sinkenden Betriebszahlen im Landkreis Kronach ein. Insgesamt gibt es hier nur noch 4000 Milchkühe und lediglich zwei Schweinezuchtbetriebe. Wie sollten diese beim derzeitigen Ferkelpreis von 25 Euro überleben, fragte der Kreisobmann. Normalerweise müsse der Preis bei 80 Euro liegen. Er ärgere sich sehr darüber, dass die Bürger nicht mehr Verständnis für die schwierige Situation der Landwirte aufbrächten, sagte Erwin Schwarz.

Landrat Klaus Löffler bezeichnete das Kreiserntedankfest als beeindruckendes Zeichen für die Verbundenheit und als Bekenntnis zur Heimat. Mit Landtagsabgeordnetem Jürgen Baumgärtner kämpfe er für ein Projekt zur Bewässerung des Waldes, denn man habe in den vergangenen drei Jahren gesehen, welche Schäden trockene Sommer hier anrichten könnten.

Der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Lichtenfels-Kulmbach, Harald Weber stellte sich bei der Veranstaltung ebenfalls vor. Die Landwirtschaftsverwaltung wurde zum 1. Juli modernisiert und neu ausgerichtet. Statt bisher 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gebe es bayernweit nur noch 32 dieser Behörden. Im AELF habe er über 130 Mitarbeiter, sagte Weber.

Klaus Löffler dankte dem neuen Behördenchef, dass die Außenstelle Kronach des Landwirtschaftsamtes weiter als Beratungsstelle geöffnet bleibe. Das sei eine sehr gute Entscheidung für den Landkreis und die Stadt Kronach, betonte der Landrat.

Großen Beifall erntete das Jugendorchester Küps unter Leitung von Ina Siegelin, das die Feier musikalisch umrahmte. Der prachtvolle Erntegabenaltar wurde von Marina Herr, Michaela Siegelin und Susanne Hertel gestaltet, die Erntekrone kam aus Weides. Der Erntedank-Gottesdienst, der der Veranstaltung voranging, wurde von Dekanin Ulrike Schorn und Pfarrer Jochen Pickel gestaltet. Für die musikalische Umrahmung sorgte dabei Konrad Boxdörfer. Dekanin Schorn erinnerte daran, dass alle Ernte zwar durch unsere Hände gehe, dass sie aber von Gott komme. Ein fruchtbares Feld, günstige Witterung, eine gute Ernte seien Grundlagen des Lebens, gehörten uns aber nicht. Erntedank sage uns, „es bleibt ein Überschuss, etwas Geschenktes von Gott, schließlich leben wir aus der Gnade Gottes.“

 

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