Mitwitz Und plötzlich hängt ein Bär am Haken

Ella und Uroma Emmi Totzauer bei ihrer Müllsammlung Foto: /Gemeinde Mitwitz

In Mitwitz wurde heuer wieder fleißig Müll gesammelt. Diesmal lief die Aktion zwar etwas anders ab, erfolgreich war man dennoch. Und wie!

Mitwitz - Alle Jahre folgen engagierte Bürger dem Aufruf der Gemeinde und schwärmen unter dem Motto „Zamm geht’s“ in Mitwitz aus, um Wald und Flur von Müll zu säubern. Darunter auch Jakob Wenzel, Leiter der Jugendgruppe des örtlichen Fischereivereins, der normalerweise mit seinen Schützlingen immer wieder mal auf Tour geht, um insbesondere die Ufer der Steinach, vor allem nach Hochwasserereignissen, von Unrat zu befreien. „Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Mengen an alten Autoreifen wir da schon rausgefischt haben. Sogar ein Staubsauger war dabei“, so der Jugendgruppenleiter. „Insbesondere der viele Plastikmüll ist ein Riesenproblem“, schildert er seine Erfahrung und liefert gleich die Erklärung: „Der Kunststoff gelangt in den Wasserkreislauf. Dadurch wird er auch vom Menschen aufgenommen; und zwar in nicht geringem Umfang. Eine bedenkliche Entwicklung, der wir unbedingt entgegensteuern müssen.“

Normalerweise tut man genau das gemeinsam. Pandemiebedingt musste man sich nun eine Alternative überlegen. Gemeinsam für die Umwelt hieß es zwar weiter, aber heuer machte man sich dann eben nicht miteinander auf den Weg.

Einsatz zu Zweit

So schickten sich in diesem Jahr die Jugendlichen des örtlichen Fischereivereins zwischen zehn und 18 Jahren in Zweiergruppen an, die Gewässer in und um Mitwitz von Müll und Unrat zu befreien. Riesige Berge an Müll und insbesondere an Plastikmüll wurden gesammelt und im gemeindlichen Bauhof abgegeben, wo er anschließend ordnungsgemäß entsorgt wurde. Ein weiterer erfreulicher Nebeneffekt der Müllsammelaktion war, dass der Fischereiverein den seit Februar verschollenen Bären aus dem Skulpturenpark des Wasserschlosses in der Steinach bergen konnte. Ohne größere Schäden konnte das vom Hochwasser weggespülte „Tier“ wieder an seinen gewohnten Platz im Schlossareal gebracht werden.

„In erster Linie geht es mir darum, das Bewusstsein der Jugendlichen für die Natur zu schärfen. Und auch wenn sie vielleicht irgendwann das Interesse am Angeln verlieren – das erlernte Umweltbewusstsein bleibt (hoffentlich) bestehen“, ist es dem Jugendgruppenleiter ein Anliegen.

Ähnlich wie Jakob Wenzel denken Ramona Pöhlmann und ihre Freundin, die sich heuer mit ihren Kindern auf den Weg zum „Plogging“ machten. Plogging ist ein neuer Trend, bei der immer mehr Menschen die Gelegenheit nutzen, in der freien Natur zu joggen und gleichzeitig Müll zu beseitigen. Der Trend stammt aus Schweden und das Wort setzt sich zusammen aus den Bestandteilen „plocka“ („aufsammeln“ und „pflücken“) und „jogging“.

Ramona Pöhlmann ist auf diese neue Art, durch die Flur zu laufen, durch einen Artikel über eine Coburger Aktion aufmerksam geworden. Bei einem Sonntagswalk beschlossen sie und ihre Freundin dann kurzerhand, ebenfalls Mülltüten mitzunehmen. Und auch die sammelten in kurzer Zeit eine große Menge an Müll. Ihre „Ausbeute“ brachten sie dann zum Bauhof.

Fleißige Sammler

„Zeitlich gesehen waren das die längsten fünf Kilometer unseres Lebens, aber für die Umwelt allemal wert!“, erinnert sich Ramona Pöhlmann schmunzelnd.

„Wir sammeln schon immer regelmäßig Müll ein, insbesondere Flaschen, die in unserer Nähe immer wieder achtlos weggeworfen werden und waren jetzt auch wieder im Rahmen der Umweltaktion fleißig am Einsammeln. Die Umwelt geht uns schließlich alle an. Man sollte nicht wegschauen. Eine Flasche, ein Tuch, eine Folie kann man immer aufheben und in den nächsten Mülleimer werfen!“, appelliert die „Ploggerin“ abschließend.

Der Mitwitzer Bürgermeister Oliver Plewa freut sich sehr über die gute Resonanz auf seinen Aufruf: „Auch wenn unsere gewohnte Aktion ,Zamm geht’s’ in diesem Jahr nicht möglich war, haben sich bereits sehr viele Bürger aktiv für eine saubere Umwelt eingesetzt – und dafür auch kreative Lösungen gefunden. Vielen Dank dafür!“ Schmunzelnd wirft er dabei einen Blick auf das Foto, das die kleine Ella mit ihrer Uroma Emmi Totzauer bei ihrer wöchentlichen Müllsammel-Runde zeigt. Der Greifarm, den sich das Mädchen vom Nikolaus gewünscht hat, kommt regelmäßig zum Einsatz, denn die Berge an Unrat, insbesondere an Kunststoffmüll, scheinen kein Ende zu nehmen. Der Bürgermeister appelliert daher weiterhin an das Umweltbewusstsein aller: „Ich möchte Sie bitten, stets weiterhin ein Auge auf die Natur zu haben. Sie wird es Ihnen danken!“

 

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