Modedesign für guten Zweck Die Charitydealer aus Coburg

Weil sie Katastrophen und Leid rund um den Globus nicht mehr ertragen können, gründen vier junge Frauen ein eigenes Klamottenlabel. Für ihre Kreationen verwenden sie nur gebrauchte Kleidung und spenden den Gewinn.

Coburg - Der Konflikt im Nahen Osten, die Hungerkatastrophe im Jemen, die Explosion im Libanon und immer wieder tödliche Gewalt gegen Schwarze in den USA: Die Nachrichten sind voll von Not und Leid. „Ich konnte das nicht mehr mitansehen und wollte etwas dagegen unternehmen“, erinnert sich Marie Rose. Die 19-Jährige hat im Frühling ihr Abitur gemacht und trommelte kurzerhand ihre Freundinnen zusammen. Sie sind zwischen 18 und 21 Jahre alt und haben vor kurzem die Schule beendet oder stehen kurz vor dem Abschluss. Auch den anderen jungen Frauen ging es ähnlich, hinzu kam die Begeisterung für Mode. So entstand schnell die Frage, auf welche Weise sie Geld verdienen würden, um überhaupt helfen zu können.

Ohne Erfahrung an der Nähmaschine gründeten Marie Rose, Anika Schneider, Miriam Essakhi und Laura Kinninger im Sommer das Label „Charitydealer“. Ihr Konzept: Sie verwenden nur gebrauchte Kleidung und aussortierte Stoffe, etwa Tischdecken oder Reste, um ihre Ideen umzusetzen. Ihre Produkte bieten sie inzwischen auf der Internetplattform Vinted an und haben sich bereits einen treuen Kundenstamm erarbeitet. Gerade haben sie eine erste Spende an eine Hilfsorganisation gemacht und ein Nahrungsmittelpaket für Familien im Jemen finanziert.

Um Material für ihre Designs zu bekommen, gingen sie anfangs noch in Second-Hand-Läden einkaufen. Dann sprach sich ihr Projekt herum. Jetzt bringen Freunde und Bekannte ausrangierte Kleider und Stoffe als Spenden vorbei. „Es ist eigentlich Wahnsinn. Jeder, mit dem wir sprechen, sagt, ich hab’ noch einen Haufen Klamotten im Schrank, die ich nie anziehe“, schildert Anika Schneider. So arbeiten die Charitydealer jede Menge Hemden und Hoodies, Shirts und Hosen um. Auch Taschen oder Hüllen für Handy und Laptop haben sie schon gefertigt. Dafür haben sie sich selbst beigebracht, wie man eine Nähmaschine benutzt. „Wir haben uns einfach hingesetzt und angefangen, im Internet haben wir viele Videos über das Nähen geschaut“, so Schneider. Sie hat aus einem Siebdruckrahmen und einigem Zubehör aus dem Fachhandel eine Druckmaschine gebastelt, um selbst entworfene Logos auf die Kleidung zu übertragen. Eine komplette Maschine wäre zu teuer gewesen. „Die ersten Versuche sind nicht so gut geworden, aber inzwischen klappt’s“, sagt die 18-Jährige. Nun steht eine neue Idee an: Aus einem alten Schlafsack wollen die jungen Frauen versuchen, eine warme Winterjacke zu nähen.

Die Charitydealer hoffen, auch langfristig ihr soziales Engagement fortführen zu können. Was sie als nächstes machen, steht noch in den Sternen. Marie Rose zum Beispiel schwankt zwischen Modedesign- und Chemiestudium. „Ideal wäre es, wenn ich die komplette Kraft in die Charitydealer stecken und davon leben könnte. Das ist schon zeitaufwendig“, meint Marie Rose. Ob sie diese Zeit parallel zu einem Studium noch aufbringen kann, weiß sie nicht. Derzeit fließen alle Gewinne zu 100 Prozent an Hilfsorganisationen. Dabei achten die jungen Frauen darauf, nur seriöse Gruppen zu unterstützen, etwa die Welthungerhilfe, Unicef oder auch Greenpeace. Sie haben sich von einem Anwalt beraten lassen, um keine steuerlichen oder rechtlichen Probleme zu bekommen. Mittelfristig wollen sie dafür ein Kleinunternehmen gründen. Doch nun heißt es für die jungen Modedesignerinnen erst mal, bekannter zu werden und ihren Kundenstamm auszubauen, um noch mehr Geld für die Bekämpfung von Not und Elend zu sammeln.

 

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