Mörderischer Live-Podcast in Coburg Nichts für Zartbesaitete

Nicht als Podcast, sondern live: BR-Moderatorin Jacqueline Belle und Strafverteidiger Alexander Stevens plaudern über mörderische Dinge. Im Kongresshaus verraten sie auch, warum die Küche bei Ermittlern so beliebt ist.

An diese Mülltonne kann sich Jacqueline Belle getrost anlehnen, in ihr ist keine Leiche versteckt, doch Strafverteidiger Alexander Stevens hat es schon anders erlebt. Foto: Maja Engelhardt/Maja Engelhardt

Ein markerschütternder Schrei, ein Mädchen, das im Bett hochfährt, entsetzt seltsame Geräusche wahrnimmt und dann doch wieder einschläft, da schlagartig alles wieder ruhig wird. Vielleicht doch nur ein Traum? Ein schlechter? Leider nicht, sondern vielmehr die brutale Realität: In der Wohnung der Vermieter im Stockwerk unter ihr geschieht ein entsetzliches Gemetzel. Das Rentnerehepaar wird niedergestochen, der Frau fast der Kopf abgetrennt.

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Ja, für empfindliche Gemüter und Mägen mag es am Dienstagabend im Coburger Kongresshaus Rosengarten so manchen brenzligen Augenblick gegeben haben, als BR-Moderatorin Jacqueline Belle und Strafverteidiger Alexander Stevens, bekannt aus dem BR-PodcastTrue Crime“ der Frage nachgehen, ob es den perfekten Mord gibt.

Im Gepäck, besser gesagt auf Leinwand, haben die beiden unterschiedliche Fälle von Mord und Totschlag, mit und ohne Leichen, mit Verhaftung und ohne. Da gibt es beschriebenes Paar im Ruhestand, eine junge, irakische Frau, die ihren Ehemann betrügt und von diesem „wegen der Ehre“ umgebracht wird, aber auch Mutter und Tochter, die spurlos verschwunden sind. Der verdächtige Ehemann hat eine gute Geschichte parat, doch keiner glaubt ihm. Er sitzt.

Strafverteidiger Alexander Stevens hat in diesen Fällen vertreten und erläutert mit juristischem Fachwissen die Vorgehensweise von Polizei und Ermittlern. Er und Jacqueline Belle switchen zwischen Leinwand und Gespräch. Gut durchdacht und gemacht erweist sich die Darstellung der Fälle und somit auch der blutigen Szenen in Zeichenform, ohne reale Menschen. Und überaus witzig zeigt sich das Frage-Antwort-Spiel zwischen Moderatorin und Juristen. Auf lockerer Ebene, ohne in klischeehaftes Sex and Crime- Muster zu verfallen und mit passenden Musikeinspielungen, plaudert Stevens aus dem Nähkästchen. Dass er mit Polizei und Ermittlern nicht immer d‘ accord geht, ist berufsbedingt, dass er so manche Tricks für „die, die mal was angestellt haben“ parat hält, wird mit viel Geschmunzel und Gelächter vom Publikum quittiert.

„Schnell mal verloben“, lautet einer dieser Tipps, denn Familienangehörige, zu denen auch Verlobte zählen, können von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Oder richtig reagieren, wenn die Mordkommission ins Präsidium bittet: „Für den Schuldigen, der mit einem Anruf rechnet, geht das klar, er weiß ja sozusagen Bescheid, der unschuldig Tatverdächtige hingegen ist entsetzt und wird nervös.“ Ein bisschen Zeit gewinnen können auch Kriminelle, die jemanden verschwinden lassen möchten, denn weltweit wird nach einer Vermisstenanzeige erst einmal 24 Stunden gewartet, bevor die Suche beginnt, ob der Verschollene nicht doch wiederauftaucht, was bei über 90 Prozent der Fall ist.

Es gibt noch weitere interessante Fakten an diesem Abend: So sind 70 Prozent aller Tötungsdelikte Beziehungstaten, in Nordrhein-Westfalen existieren rund 3000 Cold Cases (das Bundesland Bayern schweigt sich über diese Zahl aus), 95 Prozent aller Morde werden von Männern verübt und aufpassen: Hauptaugenmerk richten Ermittler beim Wohnungsbesuch auf die Küche: Dort werden oft gedankenlos Dinge in den Müll geworfen, sich mal kurz gestärkt oder auch die Tatwaffe gesäubert.