Musik in Kronach Ein Jazz-Abend ohne Skript

Peter Müller

Jan-Peter Itze improvisiert im Kronacher Kunstverein ohne Noten und feste Vorgaben. Ein spontanes Jazz-Duett sorgt dabei für die größte Überraschung des Abends.

Hilmar Bauerfeind (vorne) unterstützt Jan-Peter Itze am Klavier. Foto: Peter Müller

Der junge Jazzpianist Jan-Peter Itze, geboren 1998 in Schweinfurt, lebt heute in Schweden. Er studierte in Würzburg und Stockholm und hat sich als Komponist für Filmmusik etabliert. Der mehrfach preisgekrönte Pianist unternimmt mit einem Experiment der spontanen Improvisation weitere Ausbildungsreisen und trat am Pfingstwochenende im Kronacher Kunstverein auf.

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Mit seinem Soloprogramm „Unscripted Conversations“ präsentiert der Musiker ein Konzert, das sich klassischer Formen entzieht und auf die Unmittelbarkeit spontaner Einfälle setzt. Er legt sich mit dem ersten Anschlag zufällig eine Tonart, eine Harmonie und ein Taktmaß fest, die er ohne festen Plan umspielt. Aus den ersten Tönen entstehen Klänge, die sich als Thema oder Motiv entwickeln, von stillen romantischen Träumereien über Melodieansätze und durchgehende Harmonien zu einem ausdrucksvollen Klanggemälde.

Spannendes Jazz-Duett am Klavier

Der Hörer erlebt die Entstehung von Musikstücken, die nur im Moment der Kreation bestehen. Mit dem ersten Werk seiner Improvisationskunst gab Jan-Peter Itze Einblick in die Suche nach den Grundlagen musikalischer Einfälle. Aus dem thematischen Suchen entwickelte sich eine Richtung, die über Rhythmuswechsel zum Jazz führte. Persönliche Gefühle lenkten das vermeintliche Herumirren des Anfangs zu gefälligen Motiven, die für Hotelbars oder Nightclubs als freie Jazzvariationen geeignet wären.

Das Erlebnis des kreativen Werdeprozesses einer neuen musikalischen Idee war spannend. Die beiden weiteren Improvisationen führten bei ähnlicher innerer Gestimmtheit des Pianisten zu einer Gleichförmigkeit, die er mit Überraschungen oder Zitaten aus Klassik und Jazz hätte bereichern können. Im zweiten Teil seines Soloprogramms griff er auf die Emotionen und Erinnerungen der Konzertbesucher zurück, die sie auf Karten notiert hatten. Dabei kam es zu einer heiteren Überraschung: Ein Kronacher Musiker, Hilmar Bauerfeind, meldete sich zum Dialog am Piano und spielte eigene Improvisationen um die des Künstlers, was zu einem spannenden Jazz-Duett führte.

Nach diesem spontanen Auftakt hielt sich Jan-Peter Itze an die Karten-Sammlung. Mit deren Stichwörtern entstanden Themen für die Improvisationen, die musikalisch eingeordnet wurden. Themen wie „Erschöpfung“, „Grenzenlose Dankbarkeit“, „Endlichkeit“ oder „Vor Glück die Welt einreißen“ wurden ausdrucksstark thematisiert. Da der Künstler die Karten selbst auswählte, zeigte sich eine gewisse gleichartige Gefühlslage. Experimentierfreudiger wäre es, wenn ein Dritter die Karten auswählte. Dennoch war es ein erfolgreicher Abend, den alle Konzertbesucher genossen.