Warum sie so viel Hass abbekommt? "Weil sie eine Frau ist, die das Frausein oder das Weiblichsein und vor allem auch ihre Sexualität ja nicht nur ausstellt und zeigt, indem sie mal was Kurzes anhat, sondern die damit auch richtig proaktiv, selbstbewusst und auch in diesem klassischen Rap-Gestus der Überzeichnung rausgeht", sagt Süß. "So ein offener, lustvoller und provokativer Umgang mit Sexualität ist für viele Männer offensichtlich schwer verdaulich."
Ikkimel werde "als Bedrohung" wahrgenommen. Vielen Männern würden Strategien fehlen, um mit so viel weiblichem Empowerment umzugehen.
Alice Schwarzer war erst kein Fan
In feministischen Kreisen wiederum wird ihr mitunter vorgeworfen, den "male gaze" zu reproduzieren, der Frauen zum Objekt macht und auf ihre Körper reduziert. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zeigte sich von Ikkimel erst "erschüttert", ein paar Wochen später dann aber "bekehrt". Sie schrieb in ihrer Emma-Kolumne: "Ihre Stärke ist nicht gespielt, sie scheint echt." Das belege die Qualität ihrer Musik und Performance.
Nur das Spiel mit dem Wort "Fotze" geht Schwarzer zufolge nicht auf - schließlich lasse sich dieser "erniedrigendste Begriff von Männern für Frauen auch in einem vorlauten Frauenmund nicht einfach umdrehen in Frauenpower".
In der Schlange vor ihrem Konzert sind sich Ikkimels Fans einig: "Sie gibt uns Mädels die Kraft, uns nicht mehr beleidigt zu fühlen, wenn ein Mann zu uns sagt, wir seien Bitches, nur weil wir sexuell offen sind", sagte eine 24-Jährige der "Zeit".
"Wenn zeitgleich zehn Männer frauenfeindliche Texte ins Mikro sprechen, juckt das keinen. Bei mir wird strenger hingeguckt. Was einfach sexistisch ist", sagte Ikkimel der "Zeit". Es gehe ihr nicht darum, einfach draufzuhauen: "Ich mache Kunst, in der es um das Aufzeigen von gesellschaftlichen Problemen geht", sagte Ikkimel dem Musikmagazin "Diffus".
Ihr Ziel sei es, die "Gesellschaft zu beeinflussen und in die richtige Richtung zu treiben. Erreichen, dass Frauen und Minderheiten mehr anerkannt werden und es mehr Zusammenhalt gibt". Dass der Wandel schon im Gange sei, zeige auch ihr Mainstream-Erfolg: Junge Männer würden langsam anfangen, "feministisch zu denken und sich kritisch gegenüber anderen Männern zu positionieren", erklärt Süß.