In japanischen Jazz-Kissas trifft man sich, um gemeinsam Jazzmusik zu genießen. Die japanischen Musikcafés werden im Zusammenhang mit Listening Bars immer wieder genannt. Die Berliner Listening-Bar Bar Neiro bezieht sich auf ihrer Internetseite direkt darauf - genau wie Rodriguez.
Listening Partys auch bei Billie Eilish und Frank Ocean
Nun erobert das gemeinsame Musikhören die Welt. In Paris gibt es ebenfalls viele Listening Bars, dort heißen sie auch "Bars audiophiles". Im Artikel von "Dazed" werden neben Rosalía auch Listening Partys von US-Popstar Billie Eilish und Rapper Frank Ocean erwähnt. Es geht dort auch um die Londoner Listening Bar Shai Space. Und andere Musiker kommen zu Wort, die das Format für sich entdeckt haben, wie die Londoner Produzentin HAAi.
Touren sei extrem teuer geworden, sagt HAAi dort. "Listening Parties schließen eine Lücke. Sie ermöglichen es, die Musik angemessen zu präsentieren, ohne den enormen finanziellen Druck." Der Musiker Isaac de Martin alias Ike trat im August bei Unkompress in Kreuzberg auf. Zunächst hörten die Gäste das Album gemeinsam, anschließend konnten sie Fragen dazu stellen. Danach spielte er die Songs live – um einen anderen Eindruck von der Musik zu vermitteln. Ike lebte bis 2023 in Berlin, pendelt nun zwischen London und Italien.
Das sagen Musikerinnen und Musiker zum Format
"Die Intimität eines solchen Konzerts schafft eine engere Verbindung mit den Leuten, und die Musik profitiert davon. Das Publikum ist weniger abgelenkt", sagt Ike der dpa. Den finanziellen Vorteil sieht er eher bei Venues, die weniger Kosten haben. Er meint auch, dass Listening Sessions Konzerte nicht ersetzen werden, die immer noch essenziell für Bands seien. "Aber Listening Bars gewinnen wegen der intimen Atmosphäre für die Musikbranche zunehmend an Bedeutung", sagt er.
Die Berliner Musikerin Jana Irmert spielte im Dezember bei Unkompress ihre erste Listening Session überhaupt. "Ich fand es ein interessantes Format, weil ich den Fokus auf das Teilen meines Prozesses gelegt habe und ich denke, das ist vielleicht auch die Stärke dieser Sessions", sagt Irmert. Dass Interessierte Informationen erfahren und mit Künstlern ins direkte Gespräch kommen können. Irmert zeigte bei Unkompress das Rohmaterial ihres neuen Albums "Portals", bevor das fertige Album abgespielt wurde. Dann wurde über das Gehörte diskutiert.