Musikfreunde Coburg Bummelnde Bläser und viel Beethoven

Im Landestheater sind sie „zu Hause“, im Hofgarten laden sie zum konzertanten Bummel ein: Johannes Freyer, Martin Osterhammer, Markus Riepertinger, Heng Chih Lin und Tobias Ziegler – das Philharmonische Blechbläserquintett Coburg. Foto:  

In dieser Saison hoffen die Coburger Musikfreunde viel Versäumtes nachholen zu können. Erstmals laden sie zum Wandelkonzert in den Hofgarten ein.

Coburg - Musik bewegt das Gemüt – und nicht selten auch den Körper. Beides möchte die Coburger Gesellschaft der Musikfreunde verbinden: Erstmals lädt sie am Sonntag, 19. September, zum Wandelkonzert in den Hofgarten ein. Um 11 Uhr begibt sich das Philharmonische Blechbläserquintett Coburg auf einen Spaziergang durch den Park- und durch die Jahrhunderte. An drei Plätzen des Hofgartens erklingen zunächst Stücke aus Renaissance und Barock, um dann nach einem klassisch-romantischen Drittel im 20. Jahrhundert beim Ragtime zu landen. Die Wegstrecken sind moderat und leicht zu bewältigen, dank einer Veranstaltungsdauer von rund einer Stunde ist der anschließende Sonntagsbratengenuss gewährleistet.

Mit diesem „Walking Brass“-Wandelkonzert, das ursprünglich für den Mai 2020 angesetzt war, eröffnen die Musikfreunde ihre populäre Konzertreihe „green line – Lust auf mehr“, die mit neuen Formaten, Spielorten und Inhalten auch neues Publikum erreichen soll.

Die „klassische“ gelbe Reihe hat bereits am Montag dieser Woche begonnen: Mit dem Alinde-Quarett präsentierten die Musikfreunde im Kongresshaus einmal mehr ein junges Ensemble, das dabei ist, die internationale Musikwelt zu erobern. Für Aufsehen sorgt sein 2020 begonnenes Schubert-Projekt: Bis 2028 wollen die vier Musiker sämtliche Streichquartette dieses großen Komponisten einspielen und auf sechs CD veröffentlichen.

Im Kongresshaus bewiesen sie aber auch, dass sie nicht nur in der Romantik zu Hause sind: Zu Beginn des Konzerts begrüßten sie das Kammermusikpublikum mit Klängen der Renaissance. Überraschend auch ihre „Performance“: „Sie haben im Stehen gespielt – mit Ausnahme des Cellisten natürlich. Das erzeugt eine ganz andere Energie“, erklärt Dr. Joachim Rückert, Musikvorstand der Musikfreunde, die in diesen Tagen zum zweiten Mal hundertsten Geburtstag feiern könnten: In Herbst 1921 wandelte sich 1913 gegründete Orchestergemeinschaft Coburg e.V. in die Gesellschaft der Musikfreunde Coburg e.V. .

Nach einer durch Corona weitgehend ausgebremsten Saison hofft Rückert, nun wieder hochkarätige Konzerte verwirklichen zu können – und die im Beethoven-Jahr 2020 notgedrungen versäumten Huldigungen nachholen zu können. „Eine Häufung von begnadeten Interpreten, wie wir sie in dieser raschen Abfolge noch nie hatten“, verspricht Rückert dem Publikum.

So wird der namhafte Pianist Benjamin Moser am 27. September zum fünften Mal im Kongresshaus erwartet, um ein neun Jahre währendes „Mega-Projekt“ zu vollenden: die Aufführung sämtlicher Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Die letzten vier der 32 Stücke werden erklingen, darunter die knifflige Sonate „Les Adieux“.

Der Ausnahmegeiger Ingolf Turban schließt nahtlos an, wenn er am 8. Oktober begleitet von Marlo Thinnes am Flügel drei Violinsonaten Beethovens interpretiert, darunter die berühmte „Kreutzersonate“.

Immer wieder kehren erfolgreiche Künstler, die am Beginn ihrer Karriere bei den Musikfreunden gastiert haben, nach Coburg zurück. So auch das Trio con Brio Copenhagen, das 2006 erstmals hier spielte und mittlerweile in der Weltelite angekommen ist. Am 15. November spielt es Werke von Haydn, Schubert und des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg.

Sechs Mal schon bot das Prazak Quartett aus Prag in Coburg „Kammermusik der Weltklasse“, wie die Neue Presse 2008 titelte. Zum letzten Mal kommt das fast 50 Jahre bestehende Ensemble am 6. Dezember ins Kongresshaus, denn auf seiner weltweiten Abschiedstournee darf die Vestestadt nicht fehlen.

Bislang reicht die Konzertvorschau der Musikfreunde nur bis Jahresende, doch Joachim Rückert plant weiter: Cellorecital, Klarinettenquintett, Horntrio und ein Streichquartett der Sonderklasse stehen 2022 in seinem Kalender. Auch soll die Zusammenarbeit mit dem Landestheater durch ein gemeinsames Sinfoniekonzert fortgeführt werden. Und neue Perspektiven eröffnen sich mit Beginn der Generalsanierung Ende 2022: Konzerte unter dem Label „Klassik im Globe“ sind angedacht.

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