Enteist und eingeheizt Christoph 60 wieder in der Luft

Nach seiner Zwangspause am Rennsteig fliegt der Rettungshubschrauber Christoph 60 wieder.

Seit Mittwoch stand der Hubschrauber der DRF Luftrettung Suhl, Christoph 60, auf einer Wiese rechterhand neben der Hauptstraße zwischen Schmiedefeld und der Rennsteigkreuzung. Aufsteigen konnte er wegen des schlechten Wetters nicht. Zuerst hatte dichter Nebel das Starten unmöglich gemacht; später kamen Schnee und eisige Temperaturen hinzu. Am Samstag – bei zumindest klaren Sichtverhältnissen – sollte Christoph 60 nun endlich wieder aufsteigen. Deshalb rückte nun sogar die Feuerwehr aus. Etwa seit 9 Uhr am Morgen waren acht Mitglieder der Feuerwehren Suhl Oberland-Lauter und der Feuerwehr Schmiedefeld im Einsatz, um Christoph 60 zu enteisen.

Gemeinsam mit der Besatzung des Hubschraubers, also dem Piloten, einem Notfallsanitäter mit fliegerischer Ausbildung und dem Notarzt, legte die Feuerwehr los: „Unsere Aufgabe ist es, das Rotorblatt, die hintere Tragfläche und die Lufteinlässe frei von Eis zu bekommen. Wir werden vermutlich bis etwa 11 Uhr zu tun haben“, schätze Einsatzleiter Danny Wagner von der Feuerwehr Suhl Oberland-Lauter die Situation am Morgen ein. Und er sollte Recht behalten...

Zum Einsatz kam eine große Zeltheizung mit zwei Warmluftschläuchen. Wie Danny Wagner erklärte, gehöre sie zur Ausstattung des Dekontaminationsfahrzeuges für Personen, mit dem die Suhler angerückt waren. „Das Dekontaminationsfahrzeug Personen kommt zum Einsatz, wenn Personen mit größeren Mengen von gefährlichen Stoffen in Verbindung gekommen sind. Wir haben ein Auskleidezelt, ein Duschzelt und ein Ankleidezelt auf dem Wagen, die miteinander verbunden werden. In den Zelten befinden sich Einlässe, in die die Warmluftschläuche eingeführt werden, sodass es auch bei solchen Temperaturen wie heute keine Probleme gibt“. Wie Daniel Wiegmann, Sprecher der Suhler Feuerwehr, auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, sei dieser Einsatz für die Feuerwehr ein Novum gewesen. „Wir haben zwar schon häufig mit Rettungshubschraubern, auch speziell Christoph 60, zusammengearbeitet, aber einen Hubschrauber im Gelände enteist haben wir noch nicht“. Regelmäßig komme man allerdings an Unfallstellen zusammen; leuchte auch mal bei einer Nachtlandung den Platz für den Hubschrauber aus oder habe als Feuerwehr auch schon einmal Starthilfe für einen Rettungshubschrauber gegeben.

Endlich wieder in die Luft

Starten konnte Christoph 60 am Samstag zum Glück tatsächlich wieder. Gegen 10.45 Uhr hob er ab. Zur Wochenmitte war der Hubschrauber bei Schmiedefeld gelandet, nachdem es einen Unfall zwischen der Rennsteigkreuzung und der Schmücke gegeben hatte. Eine 25-Jährige war einem Wagen im Gegenverkehr ausgewichen und mit ihrem Auto von der Straße abgekommen.

„Ist das Wetter so schlecht, geht die Sicherheit der Besatzung natürlich vor“, hatte Stefanie Kapp, eine der Sprecherinnen der DRF Luftrettung, bereits am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt.

Dass solche „Zwangspausen“ von Rettungshubschraubern sehr selten vorkommen, konnte auch Stefanie Kapp bestätigen. Bundesweit läge man bei einer Quote von unter vier Prozent.

Sollte ein Hubschrauber unerwartet im Gelände verbleiben müssen, so wie im aktuellen Fall auch über mehrere Nächte, wird ein Wachdienst beauftragt, der den Hubschrauber im Auge behält. Ausnahme ist, wenn der Hubschrauber auf einem Gelände gelandet ist, das man abschließen kann, so wie es etwa bei manchen Supermärkten, Firmengeländen oder ähnlichem der Fall ist. Die Besatzung verlässt den Hubschrauber, wenn sich die Wetterlage – so wie hier – absehbar nicht verbessert. Abstimmungen werden immer aktuell getroffen.

Wie oft ein DRF-Hubschrauber, so wie Christoph 60 jetzt, sogar enteist werden musste, bevor er wieder in die Luft gehen konnte, war bis Redaktionsschluss nicht bei der DRF zu erfahren.

>> Christoph 60 in der "Zwangspause" am Rennsteig

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